Im «freien christlichen» Kultus - wie wir ihn praktizieren -
sind Sie frei eine Form zu gestalten, die ganz individuell Ihnen angepasst ist,
die innig zu Ihnen gehört, der Sie wahrhaftig verbunden sind,
die nicht durch Vorschriften einer Kirche fremdbestimmt werden,
denen Sie sich unterordnen oder ansonsten darauf verzichten müssen...
Jedes Sakrament ist wieder eine künstlerischer Schaffensprozess den wir Beteiligten gemeinsam erfragen, ertasten, formen. Der Liturg ist dabei nur Mittler. IHNEN muss das ERschaffene entsprechen.
Natürlich hat auch der Liturg dabei seine Grenzen, so wie Sie auch;
dabei ist aber alles in einem Prozess, in dem wir gemeinsam versuchen
SEINE Harmonie, SEINEN Willen, SEINE Anwesenheit und SEIN Wirken abzutasten...




Damit Sie ein konkretes Beispiel vor Augen haben,
darf ich Ihnen eine Trauerfeier, den "Geleitkultus"
(das freie christliche Bestattungsritual Steiners an Schuster - siehe Kultus-Handbuch),
in folgender Ausführung als eine Möglichkeit vorstellen:


Frau R.S. verstarb im Urlaub in Österreich. Sie wurde dort auch verbrannt. Bis die Urne in Deutschland ankam vergingen zwei Wochen.
Ausführlich habe ich mit der hinterbliebenen Tochter und Enkeltochter besprochen wie die Bestattungshandlungen, der Geleitkultus gestaltet werden soll. (Jeder Sakramentenspendung gehen ausführliche Gespräche voran, sodass jedes Sakrament eine neue Geburt ist. Wichtig ist dabei das Mitkönnen der Betroffenen; als Liturg ist man dabei nur Vermittler, Berater und Ausführender.)

So feierten wir im engen Familienkreis ohne Urne - denn die Tote ist ja nicht mehr an den Raum gebunden - im Wohnzimmer der Familie (in der R.S. mitlebte) die AUSSEGNUNG (so wie sie im Kultus-Handbuch gegeben ist). Das sollte aber keine "Trauerfeier" sein, sondern - wie es den Urenkeln verkündet wurde - der "Himmelsgeburtstag" der Uroma. Dementsprechend sollten sich alle festlich kleiden (also nicht in schwarz!). Auch der Liturg kam in einem rohweißen Anzug. Der Wohnzimmertisch hatte seine festliche Weihnachtstischdecke, mit Blumen und einem siebenarmigen Holz-Kerzenständer, dazu im Bilderrahmen das Christus-Bild des Auferstandenen von Grünewald und ein Bild der Verstorbenen. Ihr Platz - dem Sessel in dem sie immer saß - war mit einem Tuch von ihr bedeckt und einer Rose. Ihre Anwesenheit war spürbar.

Als die Urne überführt war, vollzogen wir den «GELEITKULTUS» (den "Bestattungsteil") :
Der Kultus sollte am Sonntagfrüh an einem Flüsschen mit Brücke (siehe Bild) in einem Wald stattfinden, an einem Ort zu dem die Verstorbene eine besondere Beziehung hatte.
Die Trauergemeinschaft versammelte sich am Waldrand. Es war noch früh am Sonntag, die Sonne war aufgegangen, der Himmel hellblau strahlend, der Tau bedeckte noch den vorsommerlichen, lebendig grünen Wald und Flur. Der Bestattungsunternehmer brachte die Urne mit, die dann von der Tochter und Enkeltochter getragen wurde. Sänger stimmten in ein Lied ein. Der Trauerzug (in festlichen Kleidern!) zog mit einem weiteren Lied, das immer wieder angestimmt wurde, mal gesummt, mal gesungen, aber auch einmal stumm, ca. 10min. in Richtung des Flusses durch den Wald.
An der Wegbiegung zum Fluss wurde er vom Liturgen empfangen und zum Fluss herunter geleitet.
Dort sammelte sich die ganze Trauergemeinschaft im Halbkreis mit Blick zum Fluss. Am Strand waren zwölf rote und ein weißer Leuchter aufgebaut. Der Liturg stand mit Tochter und Enkeltochter - die die Urne hielten - direkt am Ufer.
Zwei Sänger eröffneten den Kultus mit einem Lied.
Die Bestattungsliturgie kann in drei Teile gegliedert werden.
Der erste Teil wurde - nach dem Eingangssegen und drei großer Kreuzgesten - nun vom Liturgen am Ufer abgehalten (siehe Kultus-Handbuch).
Dann war Raum für Traueransprachen. Hier wurden persönliche Erlebnisse mit der Verstorbenen ausgesprochen, sodass ihr Wirken und Wesen erschien, auch ein Gedicht der Verstorbenen wurde vorgetragen. Die Urenkelchen sangen ihr Nachtgebetslied (das sie mit der Uroma zu Lebzeiten verwendeten).
Nach einer kurzen Stille zogen wir schweigend - zum mittleren (Übergangs-)Teil - auf die Brücke. Hier war - in der Mitte der Brücke - altarmäßig ein Ständer aufgebaut, mit rotem Tuch und sieben Kerzen und dem Bild der Verstorbenen. Wir hielten inne und der Liturg sprach nach einer großen Sonnenkreuzgeste das Vaterunser.
Nach einer weiteren kurzen Stille (nur der Fluss rauschte und die Vögel sangen und die Blätter der Bäume säuselten im leichten Wind) führte der Liturg die Trauergemeinschaft über die Brücke auf die andere Seite des Stromes. Am Strand waren dort drei große, rote Kerzen aufgestellt und ein Stock mit ca. 15 weiße, zusammen- und angebundene (gasgefüllte) Luftballons.
Hier fand nun der dritte Teil des Rituals statt (wie es im Kultus-Handbuch beschrieben ist).
Zum Abschluss durfte ein jeder auf ein Zettelchen das an jedem Ballon an einer Schnur hing, einen Wunsch oder Gedanken an die Verstorbene schreiben.
Die Sänger stimmten einen Choral an.
Die weißen Luftballons wurden abgeschnitten und stiegen langsam in einem Bündel in den Himmel. Der Anblick war sehr bewegend: es schien wie die Seele der Verstorbenen, die nun zum Himmel stieg. Auch die Sonne zog ihrem Höchststand entgegen, mit der Verstorbenen aufwärts IHM entgegen...
Nach dem Segen und einer Stille, in der der Aufstieg des Ballonbündels verfolgt wurde, unter den Klängen des Chorals, zog die Trauergemeinschaft über die Brücke zurück. In nachdenklicher Stille ging es zu den Autos am Waldrand und von dort in einen Gasthof.
Der Liturg blieb mit dem Bestatter, der nun die Urne hielt (die von ihm am nächsten Tag der Friedhofsverwaltung übergeben werden musste), auf der "Himmelsseite" des Flusses zurück, bis alle Teilnehmer außer Sicht waren.

Einige Tage später fand die Urnenbeisetzung auf dem Friedhof des Dorfes statt. Diese wurde liturgisch begleitet (siehe Kultus-Handbuch), aber nun nur noch unter Anwesenheit von Tochter und Enkeltochter.
Diese Liturgie feierten wir mit Sonnenuntergang. Und danach zogen dunkle Wolken auf, ein Gewitter entlud sich, als ob sich auch die Elemente und der Himmel vom Erdenleben der Verstorbenen verabschiedeten....



Das Bild der "Brücke über den Strom" und der aufsteigenden Seele (im Symbol der weißen Ballons)
wird noch lange den Teilnehmern in Erinnerung bleiben, weil es für die Situation so stimmig war...
In einer freien christlichen Gestaltung haben wir die Aufforderung jedem Sakrament die individuell gemäße Form zu geben; der Kultustext - in seiner Tiefe wie sie Rudolf Steiner geben konnte - muss dabei garnicht unbedingt angetastet, verändert werden, weil er so universal und angemessen, dem realen geistigen Ablauf abgelesen ist...







Brücke über dem Strom







Wenn auch Sie
Ihre Bestattung
oder auch Taufe, Trauung
individuell
und frei christlich
gestalten wollen,
fragen Sie doch nach
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