OPFERFEIER-KREIS


Eine Anregung zur "Fortsetzung" der Opferfeier *)


«Eine kultische Arbeit in der anthroposophischen Bewegung
muss aus dem selben geistigen Strom hervorgehen
wie die Schulhandlungen,
gewissermassen eine Fortsetzung dessen,
was in Form und Inhalt in der Opferfeier gegeben war...».

Rudolf Steiner zu René Maikowski, (GA 269 [1997], S.133.)



Eine Fortsetzung ! ... Damit wird einerseits deutlich, dass Rudolf Steiner einer «kultischen Arbeit» in der anthroposophischen Bewegung positiv gegenüber stand, und sogar aufforderte an einer Weiterentwicklung zu arbeiten und hier auf die Opferfeier als Ausgangspunkt verweiste, damit jedoch gleichzeitig auch die Opferfeier nur als "Zwischenstation" bewertete, zumindestens für die Arbeit außerhalb der Waldorfschulen/Heimen und gleichzeitig - wie es ja Lehrs-Röschl schon kundtat ("überall") - dem Einsatz der Opferfeier auch außerhalb der Schulen zustimmte und, wie wir wissen, dabei keinesfalls nur auf Lehrer als Handlungshaltende setzte.

Das sind also fundamentale, großartige Perspektiven, auch wenn wir als kultisch engagierte Anthroposophen damit vor einer großen Aufgabe stehen. Doch es wird daran gearbeitet, wie z.B. (von u.a. Religionslehrern) hier im Arbeits-Kreis Sakramente. (Gerne hören wir auch von anderen, die an der Weiterentwicklung der Opferfeier arbeiten!! )

Weil eine Fortsetzung des «Inhalts» der Opferfeier wesentlich schwerer zu erreichen ist, haben wir zunächst die Frage aufgegriffen, wie wir der «Form» eine «Fortsetzung» geben könnten.

Dabei waren uns Fragen aus der Praxis wegweisend.
Zwei Aspekte zeigten sich hier besonders:
Gerade wenn die Opferfeier (überhaupt) außerhalb der Schule gefeiert wird, geschieht dies meist in einem kleinen Rahmen.
Hier steht in der Regel kein üblicher Altar und Raum (mit den vorgegebenen Farben, Altarmaße, etc.) zur Verfügung.

Somit entstehen die Fragen:

1. Kann ER nur durch eine einzig mögliche Form hindurch wirken
und ist die Opferfeier somit unwirksam wenn die Form eine andere, den gegebenen (Schicksals-)Umständen gemäße ist?
(Siehe die bisherige Form im Kultus-Handbuch, das Sakrament der Opferfeier.)

2. Inwiefern wandelt sich damit auch die Sozial-Form?

Auch die Urchristen hatten unterschiedlichste Räume und Gestaltungen, ja gerade als die Urkirche in den Katakomben im Untergrund wirken musste, war sie spirituell am stärksten. Als sie jedoch Staatskirche, Institution wurde und immer schönere und größere Kirchen erhielt, wurde sie gleichzeitig innerlich ärmer, problematischer und geistig wirkungsloser...
Auch Rudolf Steiner weist auf die kultushistorische Entwicklung, vom traditionellen, frontalen Altar-Kultus zum Erkenntnis-Kultus (wozu ich die «Klassen-Stunden» rechne und dann auch die gemeinsame Arbeit mit der Anthroposophie als «Gottesdienst»), der sich zum «umgekehrten Kultus» hinauf wendet, hin letztlich zur Sakramentalisierung des ganzen Lebens = Kultus immer und überall... Hier ist deutlich zu sehen, wie die Form zunächst immer bedeutsamer und ausgestalteter, dann aber immer mehr zurück genommen wird, das was die Form sagen sollte ins Innere des Menschen tritt und vom Bewußtsein getragen und erlöst wird.
Hat man im traditionellen Altar-Kultus noch z.B. Gewänder, Altar mit Bild und Kerzen, mit Kelch und Weihrauch und entsprechender Raumgestaltung (nach Osten), findet man in der Opferfeier schon einige Gegenstände weniger, etc., während die «Anthroposophie als Gottesdienst» nun jederzeit und fast überall stattfinden kann...

Man bedenke außerdem, dass bei der Formgebung der Opferfeier nicht nur von gegebenen - wenn auch reformorientierter - liturgischer Traditionen des angehenden letzten Jahrhunderts ausgegangen wurde, sondern auch davon, dass diese Feier hauptsächlich innerhalb der Waldorf-Schule für Jugendliche stattfand.

Doch es ist eine zukunftsorientierte Kultus-Handlung, die somit auch die Raumgestaltung von den "Krücken" der Bilder und Gegenstände, vom Sinnlichen löst
und die Sozialgestaltung vom "Vater-/ Führer-/Hirten-Prinzip", vom «Zwei-Stände-Prinzip» (Klerus / Laien) zum pfingstlichen, brüderlichen Dienst füreinander führt.

Diese zwei prinzipiellen Fragen haben auch mich/uns veranlasst zu suchen.
Dabei konnten ich/wir aus einer Praxis der «Klassenstunden» schöpfen, die einige Zeit (u.a. in Wahlwies) erfolgreich erprobt werden konnte, sowie aus der Arbeit im AKS:

die KREIS-Form.

Über das Bild und die Wirkung des Kreises muss hier vielleicht nicht philosophiert werden...


Wenn Sie nun die Opferfeier weitertragen wollen, aus dem Schulzusammenhang heraus in den möglichen Rahmen initiativer, anthroposophischer Gemeinschaft, könnten wir, als nach zeitgemäßen und momentan möglichen Wegen suchende Freie Christen, uns dieser Form annehmen.

Es müßte für die Kreis-Form noch nicht einmal das bisher Gegebene prinzipiell verändert werden: Denken wir uns alles nur kleiner, konzentriert, aus dem frontalen Geschehen in die Mitte, in den Kreis gestellt, der nun wie ein Brennglas die Wirkungen von oben und von der Schale pfingstlich bündelt.



Daraus ergibt sich für die Praxis - in aller Freiheit - folgende
A n r e g u n g :


+ Prinzipiell: Sie sitzen (oder stehen?)

im K R E I S .

+ In die Mitte stellen Sie ein Tischchen (oder auch nicht?),

+ mit einer roten Tischdecke (?)

+ darauf einen kleinen, siebenarmigen (?) Kerzenständer (?)
(der ggf. schwarz gefärbt sein könnte), dessen (weiße) Kerzen von außen nach innen kleiner werden (wie auch bisher),

+ und ggf. mit einem kleinen Christusbild (in einem Holzrahmen) vor den Kerzen, auf das die Handlungshaltenden schauen (?).

+ Alle Teilnehmer - auch die Handlungshaltenden
(die "Sprecher") - kommen zusammen, bzw. je nach dem hintereinander herein und setzen sich.
Die drei Handlungshaltenden setzen sich zusammen, genau/frontal gegenüber dem Kerzenständer mit dem Bild davor.

+ Die drei Handlungshaltenden stehen zur Handlung
(oder alle?). (Die Drehungen fallen damit weg.)

+ Zur Kommunion stehen die dazu bereiten Teilnehmer auf, während die anderen sitzen bleiben.

+ Anzünden und Löschen der Kerzen könnte aus dem Kreis übernommen werden.



Es kann also "alles beim Alten bleiben" (siehe den Text der Opferfeier im Kultus-Handbuch, siehe: Die SAKRAMENTS-TEXTE ) :
der Altar - als Tisch in der Mitte -, die rote Altar- und Raumfarbe - als rotes Tischtuch -, die schwarzen Kerzenständer - als schwarzer siebenarmiger Kerzenständer -, die sieben weißen Kerzen in der gehabten Form darauf, das Christusbild - als Bild in einem Stehrahmen vor dem Kerzenständer -,
und dennoch sich in dieser urchristlichen, pfingstlichen Kreis-Form eine neue Qualität bilden und zum Ausdruck und zur Wirkung kommen.

Das ist das prinzipielle Bild. In der individuellen und speziellen Praxis können und müssen sicherlich verschiedene Details dieser entsprechend aufgegriffen, bedacht, erfühlt und umgesetzt werden.
So ist das hier Genannte nur eine Möglichkeit !
Letztlich wäre die Handlung - wenn Sie das vermögen - überall, (siehe: überall) auch z.B. in freier Natur, stehend im Kreis, ohne jegliche Gegenstände möglich!
Eine jede Feiergemeinschaft muss die Form finden, die ihr Anknüpfungspunkt sein kann, die ihren Bedürnissen und Möglichkeiten entspricht - aus einem liebenden, pfingstlich befeuerten Herzen und Wollen, in Demut in Seine Gnade gelegt ... auch wenn dann evtl. nicht alles ganz "vorschriftsmäßig" verläuft, es muss wahr sein in unseren Herzen, dann bin ich mir sicher, dass ER dann diese Hand ergreifen kann und will und wird, wie die Liebende die des Geliebten... Ob und wann das dann der Fall war, wird nur der versammelte Kreis, ja nur jeder einzelne Mitträger, Mithandelnde, Mitempfangende spüren und - wenn überhaupt - aussprechen können.
Lassen wir uns nicht von "Hohenpriestern" ausreden, "dass nicht sein kann, was nicht sein darf", wenn wir selbst spüren, dass ER vor unserer Herzens-Tür steht und anklopft... ja, und da ist...

Denn «Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind,
da bin JCh mitten unter ihnen.»
«und niemand wird eine besondere Kirche, die äußere Einrichtungen auf dem physischen Plan hat, nötig haben, das religiöse Leben aufrechtzuerhalten.»
(Rudolf Steiner)



Wenn Sie hierzu weitere Fragen oder Erfahrungen haben,
teilen Sie uns diese doch mit
und lassen Sie uns doch zusammen daran arbeiten,
damit michaelische, zeitgemäße, die not-wendigen Wege immer mehr möglich werden,
und dabei muss «eben aus dem Lebendigen heraus das Kultusartige gesucht werden». (Rudolf Steiner)



V.D.Lambertz

Freie christliche Arbeits-Gemeinschaft
Initiative für ein freies christliches, anthroposophisch sakramentales Handeln
Kontakte über Unsere EMail-Adresse !





*) Die "Opferfeier" ist das Zentralsakrament innerhalb des von Rudolf Steiner gegebenen freien christlichen Handelns. Sie wird zur Zeit (praktisch immer seltener, weil das Interesse seitens der Schüler und auch Lehrer massivst abnimmt) für die obersten Klassen in den Freien Waldorfschulen und auch in den anthroposophisch orientierten heilpädagogischen Heimen innerhalb des freien christlichen Religionsunterrichtes angeboten, selten, aber immer mehr, wird sie nun auch außerhalb dieser Rahmen von - insbesondere - Anthroposophen gewünscht. Auf deren Bedürfnisse geht der hier vorgestellte Vorschlag ein.







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