Esoterische, kultische Dienste - gegen Geld ?

Immer wieder werden wir mit der Frage der "Kosten" für unsere sakramentalen Handlungen, aber auch anderer, z.B. beratender Dienste, konfrontiert.
Um hier zu einer Ansicht zu kommen, darf ich folgenden Beitrag zur Kenntnis geben.
Auch wenn es hier um eine andere spirituelle Strömung geht, versteht der Autor seine Tätigkeit dort als Anthroposoph. Die Argumente betreffen auch uns, als frei christlich Wirkende. Dennoch soll damit kein Dogma beschrieben werden, ein jeder wird prinzipiell sein Wirken selbst verantworten. Allerdings kann im Zusammenhang einer verbindlichen Gemeinschaft - wie es z.B. in der «Freie christliche Arbeits-Gemeinschaft» vorgesehen ist - eine bindende Verabredung für alle Mitglieder Regel sein.
VD L





Reiki und Geld
Hergen Nordendoorp
(ungekürzt)

In der Form, wie Reiki in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts über die Vereinigten Staaten nach Europa kam, war es mit einer beachtlichen finanziellen Komponente verknüpft, an der man nur schwer rütteln lassen wollte. Reiki-Lehrer hatten auf der einsetzenden New Age Welle mit Reiki eine interessante Einkommensquelle für sich entdeckt. Gefördert wurde dies durch satzungsmäßige Bestimmungen der Reiki Alliance, die Gebühren für die einzelnen Reiki-Grade festgelegt hatte. Danach waren – umzurechnen in die jeweiligen Währungen anderer Länder – 150 $ für den ersten Grad, 500 $ für den zweiten Grad und 10 000 $ für den Meister/Lehrergrad zu zahlen. Reiki-Lehrer, die einmal im Monat einen Zweitgradkurs mit 20 Personen abhielten, gelangten in den Besitz beachtlicher Summen, die man nur ungern mit anderen teilen wollte. So war von Anfang an ein Materialismus mit Reiki verknüpft worden, der nicht ohne Folgen bleiben konnte. Es kam zu einem Boom in der Ausbildung von Reiki-Lehrern und zu einer Konkurrenzsituation, die neben dem Preiskampf auch die Qualität der Reiki-Ausbildung in Mitleidenschaft zog.
Nun gibt es aber im allgemeinen Bewusstsein des Okzidents aus einer mittelalterlich-katholischen Tradition heraus die Auffassung, Heilkräfte wie die des Reiki seien Gotteskräfte, und man dürfe sie in keiner Weise mit Geld in Verbindung bringen. Solcher Eigennutz würde ihre Wirksamkeit zum Versiegen bringen. Aber weder die eine noch die andere der beiden vorgetragenen Auffassungen ist geeignet, sich sachlich der hier aufgeworfenen thematischen Betrachtung zu nähern. Denn ihre Grundattitüde ist fundamentalistisch und drückt gerade darin ihre Unzulänglichkeit aus.
Jemand, der eine Reiki-Behandlung vollzieht oder eine Einweisung in einen der drei Grade macht, erbringt zweifelsfrei eine Leistung. Menschliche Arbeit als Leistung ist immer verbunden mit einer Veränderung der vorhandenen Gegebenheiten. Selbst wenn ein Arbeiter nur eine einzige Schraube produziert, ist hernach eine Bereicherung gegenüber dem Zustand vor deren Produktion anzuerkennen. In diesem Sinne stellt die menschliche Arbeitsfähigkeit fraglos einen schöpferischen Faktor ohnegleichen dar.
Eine ganz andere Angelegenheit ist die Tatsache, dass ein Mensch auch ein Bedürfniswesen ist. Er bekommt Hunger und Durst, muss sich kleiden, bedarf der Gemeinschaft usw. So sehr auf dem Gebiet der Arbeit die soziale Gemeinschaft auf die schöpferische Gabe der Arbeitskraft des Einzelnen angewiesen ist, um existieren zu können, so sehr ist der einzelne hinsichtlich seiner Bedürfnisse darauf angewiesen, dass die Gemeinschaft ihm die Mittel zu deren Befriedigung zur Verfügung stellt. Beides sind gleichwertig neben einander existierende Phänomene, die nicht ursächlich miteinander in einer Leistungsgegenseitigkeit stehen, merkwürdigerweise aber willkürlich im Laufe längerer geschichtlicher Epochen in eine solche gebracht worden sind. Im ersten Mysteriendrama Rudolf Steiners erklingt in den Worten des Geistes der Elemente dies in sehr pointierter Weise:

»Es ist die Welt geordnet so,
dass Leistung stets verlangt
die Gegenleistung.
Ich habe euch das Selbst gegeben;
Ihr schuldet mir den Lohn.«

Wer menschliche Leistung und als Gegenleistung die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse in einer willkürlichen Weise miteinander verknüpft, der kann logischerweise nicht anders, als eine Heilungsleistung, die durch Reiki erbracht wurde, a priori als entlohnungsbedürftig zu betrachten. Von diesem Lohn hat der Heiler dann seine Lebensbedürfnisse zu befriedigen. Alle Arbeitsmotivation reduziert sich unter solchen Voraussetzungen auf einen reinen Egoismus. Nicht das Bedürfnis des zu Heilenden beispielsweise oder der Wunsch nach einer Einweisung in einen Reiki-Grad sind dann noch das Wesentliche. Sie dienen lediglich als Anlass für die Erlangung eines eigenen Vorteils. In der Konsequenz muss jede solche Arbeitsmotivation zur Auflösung von sozialem Miteinander führen, weil sie auf ein Konkurrenzstreben eines jeden gegen jeden anderen setzt, was den Egoismus ins Extrem und das Konkurrenzstreben in eine Kriegsgesinnung treibt. Ins 21. Jahrhundert hinein hat man hieraus sogar ein pseudoreligiös-fundamentalistisches Credo gemacht. Man rechnet Leistung und Gegenleistung gegeneinander mit Geld auf. Durch ein solches Verfahren erhebt man Geld zum Richter über menschliches Tun und menschliche Bedürftigkeit. Aber der Mensch ist nicht frei in seiner Schaffenskraft, solange er erdulden muss, sich bei dieser von der Macht des Geldes regieren zu lassen. Er nimmt es hin, dass seine Würde infrage gestellt wird. Unter solchen Gegebenheiten fällt es ihm kaum bei, Dankbarkeit zu entwickeln. Denn, wer nur für sich selbst sorgen muss, der bringt bestenfalls auch nur sich selbst gegenüber Dankbarkeit auf. Anderen zu danken erscheint von dieser Warte aus als absurd. Erst, wenn der Mensch sich aufschwingt, über das Geld zu herrschen und dieses zum Gemeinwohl dienend einzusetzen, steht zu hoffen, dass sich Dinge im Sozialen zum Besseren wenden ... aber wohl nur dort, wo Menschen sich in eine soziale Form zusammenfinden, in der Geld und Kapital auch wirklich in die Rolle des Dienenden gewiesen werden und das Empfangen der Arbeitsleistung des einen von dem anderen Anlass zur Dankbarkeit gibt.
Was liegt dieser zugegebenermaßen heute noch utopischen Ideenbildung für eine Überlegung zu Grunde? Dazu ist genau ins Bewusstsein zu fassen, was geschieht, wenn man ein soziales System so einrichtet, dass der Mensch seine Arbeits- oder Schaffenskraft möglichst vollständig für seinen Lebenserwerb und -unterhalt einzusetzen habe. Hierdurch geschieht in der Tat etwas, das dem Uranos-Mythos vergleichbar ist. Die altgriechische Götterlegende berichtet, dass Uranos (Himmel) mit Gäa (Erde) die lebenden Wesen erzeugt. Jedes Mal, wenn ein Kind geboren wurde, dann frisst Uranos es wieder auf, um so seine Macht für sich selbst zu erhalten und nicht weitergeben zu müssen. Einen wahrhaften Evolutionsfortgang lässt ein solches Verhalten nicht zu, weil alles schöpferisch Hervorgebrachte sogleich durch Verzehr wieder annulliert wird. Die Mythe kennt aber auch den Ausweg aus diesem Dilemma. Sie berichtet, dass Zeus sich dem Trachten des Uranos zu widersetzen wusste, diesen stürzte und entmannte. Danach übernahm er selbst die Herrschaft.
Ein Mensch, der gezwungen ist, für seinen eigenen Unterhalt und nicht um des Hervorbringens selbst arbeiten zu müssen, ist wie Uranos, der die Kinder seiner Leistung augenblicklich verzehrt, nachdem sie in die Welt getreten sind. Das System wird gewissermaßen dahingehend pervertiert, dass schöpferische Impulse, die in es einströmen, nicht als solche Selbstständigkeit in ihm erlangen sollen. Konsum der erbrachten Eigenleistung ist das geeignete Mittel, schöpferische Kräfte nicht in die Selbstständigkeit und damit in objektive soziale Wirksamkeit gelangen zu lassen. Die »Zeusrevolution« würde sein, des Menschen Arbeitsleistung von dem Zwang, sie konsumieren zu müssen, zu befreien und sozial wirksam werden zu lassen. Eine solche Leistung würde den Bedürfnissen eines anderen Menschen zugute kommen als demjenigen, der sie hervorgebracht hat. Und der Hervorbringer würde wiederum von Leistungen versorgt, die andere erbracht haben. Es ist eine Frage der Methodik und ihrer sozialen Umsetzung durch guten Willen.
Man mag einwenden, dass im Ergebnis kaum Unterschiede zwischen der ersten und zweiten sozialen Form für den Einzelnen auszumachen seien. Und man wird sie auch kaum finden, wenn man sich selbst blind für das Erkennen von Gesinnungsunterschieden im sozialen Umfeld macht. Dass es aber von elementarer Bedeutung ist, ob jemand seine Arbeitskraft dem sozialen Umfeld uneingeschränkt zur Verfügung stellt oder deren Ergebnisse sofort wieder in sich selbst aufsaugt, geht aus einem Zitat Rudolf Steiners hervor, das sich in einer der esoterischen Stunden findet:

»Es gibt ein großes Gesetz [...] das besagt, wovon das Fortschreiten des Bewusstseins in allen künftigen Lebensstadien abhängt. Es trägt nämlich alles dasjenige zur Entwicklung des Bewusstseins bei, was der Mensch nicht für sich selbst allein zur Erlangung dieses Bewusstseins leistet. [...] Nehmen Sie einen Rechtsanwalt. Scheinbar arbeitet er für seine Klienten. Ein Teil seiner Arbeit wird selbstlos sein können; aber der eigentliche Grundnerv der Sache liegt in der Erlangung des Lebensunterhaltes. Soviel [...] bestimmt ist für den eigenen Lebensunterhalt, [...] soviel geht unweigerlich als geistiger Gewinn verloren. Dagegen trägt alles [...], was hineingebaut wird in die Objektivität, was verknüpft wird mit einem anderen, dazu bei, unser Bewusstsein in der künftigen Entwicklung zu erhalten.«

Auch hier soll wieder das Wesentliche des Zitats festgehalten werden.

1) Es geht um das Fortschreiten des Bewusstseins, also um dessen Entwicklung ganz allgemein.
2) Bewusstseinsentwickelnd ist alles das, was der Mensch nicht für sich selbst und zum eigenen Konsum leistet.
3) Was ein Mensch aber lediglich für seinen eigenen Unterhalt leistet, ist als geistiger Gewinn für die Evolution unwiederbringlich verloren.

Anhand des Zitats wird sogleich deutlich, dass wir gegenwärtig in einem sozialen Kontext leben, der darauf angelegt ist, eine Bewusstseinsentwicklung zu verhindern, weil er Arbeit und Konsum des Ertrags aus dem Erarbeiteten auf ein und dieselbe Person bezieht. Ein System aber, das Evolution gar nicht erst aufkommen lassen will, muss als antimenschlich und in seinem Anliegen als morbide bezeichnet werden. Es krankt an seiner mangelnden inneren Bildsamkeit und Bezogenheit auf die menschliche Würde. Dieser Entmenschlichung sind noch fast alle Formen menschlicher Tätigkeit insbesondere auf beruflichem Sektor unterworfen.
Einer solchen sozialen Morbidität konnte sich Reiki verständlicherweise nicht entziehen, als es in ihm seinen Platz in der Mitte des letzten Jahrhunderts suchte. Und es wird sich, wie alles Übrige, dieser krank machenden Gesinnung auch nur in dem Maße entziehen können, als ihm gestattet wird, seine Kräfte bewusstseinsfördernd in das soziale Leben einfließen zu lassen.Das kann aber nur durch freies menschliches Wollen geschehen.
Und da zeigt sich, dass Reiki in großartiger Weise solche Möglichkeiten in sich trägt, die nur auf eine freie Anwendung warten. Jeder Reiki-Praktizierende kann sich schon mit den Fähigkeiten des ersten Grades etwa freiwillig die Aufgabe setzen, täglich seine Hände auf eine Pflanze oder ein Tier zu legen und mit den unvergleichlichen kosmischen Lebenskräften zu versorgen. Eine solche Vitalgabe geschieht um ihrer selbst willen. Der sie gibt, kann sie nur so geben, dass er nicht in den direkten Genuss ihrer Folgen kommt. Damit können diese Vitalkräfte aber im ganzen sozialen Kontext beginnen, entwickelnd und gesundend zu wirken.
Bedenkt man diesen Umstand, dann lässt sich eine Art Kompromisslage entwickeln. Wenn jemand einen Reiki-Kursus gibt, wird er für seinen Zeitaufwand entschädigt werden müssen. Alle Entlohnung im Sinne des noch gültigen morbiden sozialen Systems definiert sich als Aufwandsentschädigung für zur Verfügung gestellte Zeit. Lediglich die Honorarhöhe, die Höhe des Lohns wird unterschiedlich ausfallen. Dies kommt auf die eine Seite der Wagschale. Es kann aber zu jeder Zeit und an jedem Ort Reiki als eine freie Tat in den sozialen Zusammenhang einfließen, um in diesem sich selbst und seiner evolutionsfördernden Kraft überlassen zu werden. Das kommt auf die andere Wagschale.
Wenn man als Träger von Reiki-Kräften in solcher Weise beginnt zu wirken, wird einem allmählich immer bewusster, über welche segensreichen Kräfte man verfügt. Denn ein Reiki-Kanal zu sein bedeutet ja nicht mehr und nicht weniger, als sich – wie weiter oben dargestellt - einer Wesenheit, die über die Kräfte des Lebensgeistes gebietet, zu deren schöpferischer Tätigkeit in der Welt zur Verfügung zu stellen; frei zur Verfügung zu stellen, denn anders ist es auf dem gegenwärtigen Stand der Entwicklung des Menschen nicht möglich. Es bedeutet aber zugleich, dass man sich als Mensch zur Verfügung stellt, jene Lebensgeistkräfte ebenso selbstlos in das Evolutionswerk einströmen lassen zu können, wie jene wesenhafte Lebensgeistigkeit sie zu diesem Zwecke herschenkt. Und ihre allgemeine Wirkung im sozialen Zusammenhang wird die Heilung von deren morbiden Aspekten sein können, eine besondere Wirkung hingegen die Heilung oder Unterstützung der Heilung bei einem einzelnen Menschen.
In diesem Sinne wäre es zutiefst wünschenswert, dass im Zusammenwirken von Heilungseinrichtungen, die sich alternativen Aspekten des Heilens öffnen können und Menschen, die Reiki zu geben in der Lage sind, die hierzu nötigen gesunden gesellschaftlichen Formen hervorgebracht werden.
Die Bildung solcher sozialen Formen allerdings erfließt aus den ganz konkreten Zusammenhängen, in denen sich Menschen an einer solchen Formgebung betätigen wollen. Sie können nicht der Fantasie eines einzelnen Menschen wie etwa dem Autor dieses Buches entspringen. Sie bedürfen für ihr Zustandekommen einer sozialen Fantasie, die sich aus dem Miteinander mehrerer direkt involvierter Menschen ergibt. Aber es wohnt dem Reiki eine solch starke schöpferische Kraft inne, dass es zum Kraftquell für eine solche soziale Fantasie von Menschen werden kann, die sich entschlossen haben, für die Fortentwicklung eines Sozialsystems aus »uranischer« Konsumgesinnung zu einem solchen mit der Evolutionskraft eines »Zeus« zu wirken. Und das kann in jedem möglichen sozialen Zusammenhang geschehen. Für seine faktische Durchführung wird allerdings wohl durch zähes Durchhaltevermögen und mit unausgesetzter Initiative »gekämpft« werden müssen.
In diesem Sinne gilt es, Reiki in der Weise wirksam werden zu lassen, wie es nach seiner erneuerten esoterischen Auffassung im Sinne mitteleuropäischer Geistigkeit wirksam werden kann. Denn die Hauptaufgaben des mitteleuropäischen Geistes sind Aussaat und Pflege von spiritueller Hygiene im sozialen und einzelmenschlichen Umfeld. Diese spirituelle Hygiene wiederum steht in engem Zusammenhang mit den sechs Liebeseigenschaften des Herzchakras, und Reiki ist durch die zu seiner Methodik gehörenden Reiki-Prinzipien im tiefsten und wahrhaftesten Sinne mit diesem mitteleuropäischen Hygieneimpuls verbunden.











Siehe auch in der Website des Autors:
http://www.hermetika-aorim.de






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