Gemeinschaft leben - praktisch:



«Wir müssen selbst den Anfang machen.
Michael wartet ab.
Sobald man aber Mut fasst und etwas anfängt, dann hilft er.
Wenn man sozial sein will, muss man also auch den Mut haben,
dem Widerstand der Wirklichkeit zu begegnen.
Unsere Aufgabe ist es daher, hier eine christliche Infrastruktur aufzubauen.
Das ist meine große Sorge, ob das gelingen wird.
Es ist unsere Aufgabe als Anthroposophen, diese christliche Infrastruktur zu bilden,
damit die Atmosphäre mit einem christlichen Licht durchstrahlt wird.
Dann haben wir die Grundlage geschaffen für unsere Zukunft
in dem großen Geisteskampf, worin wir stehen.»
(Bernard Lievegoed, «INFO-3», 11/90)







Ein kleiner Ort in Norddeutschland...
mit Waldorfschule und Waldorfkindergarten, Bioladen, etc. und Anthroposophischer Gesellschaft (Zweig) und «Die Christengemeinschaft».
Die «Christengemeinschaft» hat hier eine florierende Gemeinde, mit allem sozialen Miteinander, wie das in einer Gemeinde sein soll.

Dennoch, da gibt es Eltern die anderes, mehr wollen.
Der Waldorfkindergarten ist nicht konsequent genug, die «Christengemeinschaft» zu Priesterorientiert und eng...
also wird eine eigene und zwar freie und brüderlich-christliche Waldorf-Familien-Gemeinschaft ins Leben gestellt, ohne Deklarationen, Regeln, e.V., aus dem freien Wollen, dem Engagement der Beteiligten Brüderlichkeit konkret zu leben.
Die gelebte und attraktive Praxis spricht sich herum und zieht immer neue Familien an.
Zunächst wird im Haus (zwei gemeinsam und gemütlich und pädagogisch sinnvoll eingerichtete Räume reichen) und Garten eines engagierten Elternpaares eine eigene Waldorf-Kinder-Spielgruppe begründet; man findet sogar eine Mutter mit Waldorf-Kindergartenausbildung, die die Kinder verantwortlich (sogar ein Entgelt kann bezahlt werden) mit immer wieder mithelfenden Müttern (manchmal auch Vätern) betreut.
Das ist die Keimzelle und ist das Herz der beteiligten Familien.
Hier werden nun gemeinsam Feste gefeiert, die Jahresfeste, die Geburtstage,
man macht gemeinsame Ausflüge, Ferien,
man hilft sich gegenseitig in jeder Hinsicht, praktisch und sogar finanziell ...
Dass hier versucht wird das Religiöse alles praktisch durchweben zu lassen - und erst recht die Erziehung des kleinen Kindes, wie auch das brüderliche Miteinanderumgehenwollen der Erwachsenen - muss nicht erwähnt werden.

Man ist eine freie christliche und brüderlich orientierte Familien-Gemeinschaft
im Geiste der Anthroposophie und der Waldorfpädagogik,
da gibt es Starke und Schwache und ein jeder bringt das ein was er von Herzen kann und will,
eine Gemeinschaft die aus der Kraft des Herzens lebt.
Und dem sind keine Grenzen der Initiative und des Engagements gesetzt...
Das ist eine Form einer " Gemeinschaft Freier Christen " wie ich sie mir vorbildhaft vorstelle...







Einpaar konkrete Beispiele will ich doch aufführen:

- "Hasen-Weihnacht" - Beispiel für eine gemeinsame Festgestaltung :
Weihnachten: Am Heiligen Abend das religiöse Ge- und Bedenken, am 1. Weihnachtstag morgens die Weihnachtshandlung, am Abend die Bescherung, am 2. Weihnachtstag ?: die «Hasen-Weiihnacht». Alle Familien treffen sich und gehen in den Wald. Jedes Kind hat irgendeine Gabe für die Tiere bei sich, die Eltern Kerzen mit Baumkerzenhalter. Dort versammeln sich alle um einen kleinen Tannenbaum, den man schon aus den vorherigen Jahren kennt. Der wird nun mit den Gaben (ausgeschnittene Möhren, etc. auf einem Faden aufgereiht) und den Kerzen geschmückt, die anderen Gaben (Nüsse, Sonnenblumenkerne, alles was Tiere gerne fressen) kommt in Papptellern um den Baum herum. Die Kerzen am Baum werden entzündet, eine Tier-Weihnachtsgeschichte erzählt, gesungen, den Tieren und dem Schöpfer-Gott gedankt, dann geht es wieder heim. ...

- Kinderhüten :
Natürlich treffen sich die Kinder auch nach dem "Kindergarten", denn schließlich sind alle irgendwie miteinander befreundet. Das läßt sich nun aber auch regeln zugunsten von Familien die Entlastung brauchen, weil z.B. die Mutter auch arbeitet, bei Krankheit oder Überlastung.
So hängt einfach neben dem Schwarzen Brett auch ein Besuchs-Stundenplan, auf dem vermerkt ist wann wer am Nachmittag Zeit hat um Kinderbesuch zu erhalten und hier kann man sich dann eintragen nachdem man sich mit den Gastfamilien (meist den Müttern) abspricht.

- Mann weg, Frau in Not :
Der Vater wird schwer krank und muss ins Krankenhaus, die Mutter ist überfordert und braucht praktische Hilfe und seelischen Beistand. In kurzer Zeit hat man ihr eine Haushalthilfe organisiert, besucht sie, lädt sie zum Essen ein -mit und ohne Kinder - etc. ... Dass einer alleine dasteht, darf es nicht geben.

- endlich Ferien :
Nicht ein jeder kann es sich leisten fortzufahren. Verschiedene Kinder wollen mit der Freundin zusammen sein. Also: gemeinsam an den Strand nach Italien. Jede Familie hat ihr eigenes Zelt aber man steht zusammen und die Kinder freuen sich und Ehepaar A. kann auch einmal alleine etwas unternehmen, etc. . Andere bleiben Zuhause und laden sich gegenseitig ein, machen Tagesausflüge, oder die Kinder dürfen im Garten der Freundin im Zelt übernachten, ... ...

- kein Geld :
Alleinstehende Mutter ohne Arbeit? Andere haben mehr Geld. Also liegt nahe ein Solidaritätskonto zu eröffnen. Oftmals reicht das Wissen um die Not und da liegt so manchmal ein Briefumschlag mit Geld im Briefkasten, wird mit eingekauft und steht vor der Tür... Keine großen Worte, sondern Taten...

- putzen, einkaufen, bauen :
Natürlich auch hier, man hilft sich wo und wie man kann und will ... und es macht sogar Spaß!

- lernen, fragen, antworten :
Da sind viele Fragen und so auch verschiedene Treffen, Arbeitskreise, künstlerisches Arbeiten, wie z.B. eine Eurythmie-, Musizier-, Malgruppe, inhaltliche Arbeit an pädagogische Fragen und eine AG zur Anthroposophie, aber auch die Praktiker sind tätig im bio.-dyn. Gartenbau ... und so manches persönliche Gespräch, das weiterhilft ... ...

- "organisieren" ...
Es gibt also viel zu tun! Dazu braucht es aber auch wache Augen und Ohren und Herzen. Damit für die gegenseitige Wahrnehmung und die nötige Organisation nicht zuviel Aufwand anfällt, trifft man sich am Samstag zum (gemütlichen) «Besprechen». Während sich die Kinder draußen im Garten der Spielgruppe tummeln, kann man bei Kaffee und Kuchen das zu organisierende und auch die Wahrnehmungen der Nöte, aber auch Probleme vorbringen, besprechen, lösen, ...

- und auch Kultus :
Nachwuchs... den gibt es immer wieder. Und damit auch Taufen. Zum Glück wagen Einige sich hier auch kultisch zu engagieren und auch Taufen vorzunehmen, als "freie christlich Handelnde" (sogar ein "offizieller" Religionslehrer der Waldorfschule ist dabei, auch viele Anthroposophen die sich als «Klassenmitglieder» auch zum kultischen Engagement aufgerufen und berechtigt sehen und dafür an sich arbeiten) ... Weil ja hier auf die ganz spezifische Situation der entsprechenden Familie eingegangen werden kann, sind da interessante Taufen und Feste...
Aber auch wenn die Oma stirbt, trägt das die Gemeinschaft mit...
Und dann natürlich der Sonntag !
Hier gehen die Kinder in die Sonntags-Kinderhandlung der Waldorfschule (als deren Schüler)
und danach geht man eben noch zusammen spatzieren (oder im Winter Schlittenfahren...) oder auch mal Kaffeetrinken ...
Manchmal gibt es - nach der Kinderhandlung - für die Erwachsenen in der Waldorfschule noch die Opferfeier; dann werden die Kinder gehütet auf dem Spielplatz der Schule und danach geht es dann los...
Immer wieder wird - vorallem an des Festeszeiten - die Opferfeier auch im privaten Rahmen gefeiert (siehe hierzu auch den Hinweis [siehe -> aus der Arbeit / aus der Praxis / Opferfeier-Kreis ] auf eine neue, fortgeführte Form der Opferfeier im Kreis). ...
Am Samstagabend der «Bibelabend», eine Einrichtung die Karl König in «Camphill» eingeführt hat. Hier wird - am festlichen Tisch - über eine Bibelstelle gesprochen die bereits seit einer Woche bekannt ist, mit der man lebte und deren Früchte nun weitergeschenkt werden.
Im religiösen und besonders dann im gemeinsamen "priesterlichen" Handeln wird SEINE Liebe-Kraft spürbar und zum Lebenselexier eines Gemeinschafts-Geistes neuer und Not-wendiger Art.







Diese Familiengemeinschaft hat nie ein Aufheben über ihr Miteinander gemacht und so hat die Öffentlichkeit auch nicht viel mitbekommen. (Ich kenne diese Gemeinschaft.)
Inzwischen sind einige Jahre vergangen und leider (oder endlich..) sind die Kinder groß, aus der Schule, so manche Familien sind weggezogen ... die Kontakte haben sich verändert und verlagert: man hilft sich immer noch, arbeitet zusammen inhaltlich, aber die Kinder fehlen...
(Man hat sich also nicht dauernd verjüngt indem immer wieder neue junge Eltern mit Kleinkindern dazukamen... das hätte auch anders sein können.)
So könnte der nächste Schritt - für diese Gemeinschaft - ein gemeinsames Miteinander im Alt-Werden sein... ? Auch das kann man sich gut vorstellen ! ?




Dennoch,
dieses Beispiel hier anzumerken, nach all der viiiiiielen Theorie auf dieser Website, war wohl nötig und vielleicht auch ganz anregend.
Denn gerade gegenüber einer "Kirche" hat ein freies christliches Leben und Wirken das Problem, dass sich keine vorgegebene Gemeinschaftsformen selbstverständlich vorfinden, in die ich mich - auch passiv und konsumierend - einfach hineinbegeben kann. Hier entsteht und ist nur was ICH will und wo und wie ich tätig werde...für die Anderen (und damit letztlich wiederum für mich...) Das ist oftmals mühsam in die Gänge zu bekommen, aber dann meist auch fruchtbarer, weil individueller und Frucht eigenen Strebens und Handelns.
Das muss nicht im großen Rahmen sein; solche Gemeinschaften sollten sowieso immer überschaubar bleiben. Man fängt ganz einfach ganz klein an...
Sie sehen es an den konkreten Beispielen: Solche eine "freie christliche" Familien-Gemeinschaft kann jederzeit und überall entstehen, auch bei Ihnen, wenn SIE es wollen.
Und weil die Gestaltung ganz von Ihnen und Ihren Freunden abhängt, wird sie überall anders sein;
der freie, brüderliche, christliche Geist aber bleibt der gleiche.
Sicherlich brauche ich hier keine Vorschläge zu machen,
nur aufrufen möchte ich: seien SIE mutig,
tasten Sie ab was in Ihrem Freundeskreis möglich wäre...
werfen Sie die Frage auf, ob es gemeinsam nicht schöner und besser und sinnvoller wäre...
Dieser Einsatz wird sich nur lohnen...!

Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind,
da bin JCh mitten unter ihnen.







Der Menschheit Fortschritt
und die Engel
brauchen
unseren Mut und unser Tun ... !



Herzlich
Ihr
Volker David Lambertz












-> siehe auch :
Gemeinschaft bauen / Gemeinschaft Freier Christen ! / Christen-Gemeinschaft?

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