Was sagen, wie begründen andere Kirchen ihr Priestertum ?

Folgend aus der römisch-katholischen Kirche drei Dokumente:
- ein Hirtenbrief, der den prinzipiellen Standpunkt deutlich macht
- das offizielle Dekret zur Priesterausbildung
- und entgegen der Lehre (und deshalb exkommuniziert) :
römisch-katholische Priesterinnen!





ein Hirtenbrief ...


GEGENBILDER


Hirtenbrief
des Fürsterzbischofs Johannes Katschthaler von Salzburg,
Kardinalpriester, Primas von Deutschland, Legatus natus
des Apostolischen Stuhles, vom 2. Februar 1905


( Der aktuelle Herausgeber Alois Payer, meint dazu :
« So befremdlich er erscheinen mag, der im folgenden wiedergegebene Hirtenbrief steht fest auf den Fundamenten der bis heute unvermindert gültigen katholischen Lehre.» )




E h r e t . E u r e . P r i e s t e r !

Ehret den Priester wegen der beiden unbegreiflich hohen Gewalten,
mit denen er durch die Güte Gottes ausgestattet ist.



I. Ihr wisst es, Geliebteste, der katholische Priester
hat die Gewalt die Sünden zu vergeben.

"Empfanget den heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden nachlassen werdet, denen sind sie nachgelassen"; sprach Christus zu Seinen Aposteln [Johannesevangelium 20,20.23].
Und diese Worte gelten, wie Ihr alle wisst, nicht den Aposteln allein, sondern auch den rechtmäßigen Nachfolgern derselben, den Bischöfen und Priestern der katholischen Kirche.

Lebte irgendwo jemand, der durch sein bloßes Wort einen Mohren weiß zu machen verstünde, wie würdet Ihr darüber staunen?
Wäre irgendwo jemand, auf dessen Wort hin: "Ich will, sei rein!" "Ich will, sei gesund!" ein über und über mit Aussatz Bedeckter auf einmal nicht bloß vom Aussatze ganz rein, sondern auch vollständig wieder gesund wäre - wie würdet ihr staunen.
Aber, wenn der verordnete Priester im Beichtstuhle zu euch spricht: "Ich spreche dich los von deinen Sünden", so wirkt er noch viel Größeres. Denn nicht am Leibe, sondern an der Seele geschieht es; und die Seele ist ja viel vorzüglicher als der Leib. Was ist die Wunde des Leibes und deren Heilung im Vergleiche zu den Wunden der Seele und deren Heilung? Was ist die Hässlichkeit eines Mohren im Vergleiche mit der Abscheulichkeit eines Sünders, der vor dem reinsten Auge Gottes und seiner Heiligen wirklich ein wahrer Greuel ist, was ist der Aussatz des Leibes im Vergleich zum schauerlichen Aussatz an der Seele?
Ja, wahrhaft ein göttlicher Akt ist die Nachlassung der Sünden, nicht bloß ein gewöhnliches Werk göttlicher Macht, sondern das größte Werk Gottes. - Gewiss! Gott ist allmächtig, Und wenn ich auf seine Macht sehe, ist ihm ja nichts schwer. Aber wenn ich auf die Objekte, die Gegenstände sehe! Sehet, das Nichts, aus dem Gott die Welt erschaffen hat und etwa neue Welten schaffen würde, setzt seinem heiligsten Willen keinen Widerstand entgegen. Aber bei der Rechtfertigung des Sünders, ist da nicht auch der böse Wille zu überwinden, der böse Wille, in dem der Sünder Gott widersteht? Den Willen des Menschen, ohne dass die Freiheit desselben im mindesten verletzt wird, so beeinflussen, so lenken, dass derselbe freiwillig sich von der Sünde ab- und zu Gott hinwende, dass er fortan das liebe, was er früher gehasst, das verabscheue, was er früher geliebt hat, mit einem Worte: dass er sich bekehre - das ist wirklich mehr als neue Welten aus dem Nichts hervorbringen, das ist das größte Werk des Allerhöchsten.

Und sehet, Geliebteste, bei diesem großen Akte Gottes wirkt der katholische Priester mit, ja was sage ich, wirkt der Priester mit? Das Wort des Priesters selbst, das Wort: "Ich spreche dich los von deinen Sünden" bewirkt die Vergebung derselben. Dieses Wort kündigt nicht allein an, sondern bewirkt die Nachlassung der Sünden, die Rechtfertigung des Sünders, wie der hl. Kirchenrat von Trient lehrt. Gott hat gleichsam seine Allmacht für diesen Zweck, für diesen Augenblick an seinen Stellvertreter auf Erden, den bevollmächtigten Priester, abgetreten. Nein, nicht ein leeres Wort ohne Kraft ist das "Ich spreche dich los von deinen Sünden", sondern ein Wort von göttlicher Kraft, ein Wort, das selbst vor dem Throne des Allerhöchsten volle Geltung hat, ein Wort, auf das hin die Ketten, mit denen der Teufel die Seelen gebunden hatte, zerspringen, obwohl sie hart wie Diamant waren, ein Wort, auf das hin die Gerechtigkeit Gottes das Schwert in die Scheide steckt, auf das hin die bösen Geister fliehen, auf das hin die unersättlichen Flammen, welche für diesen Sünder in der Hölle schon bereitet waren, erlöschen.

Freilich nicht aus sich hat der Priester diese ganz und gar wunderbare Gewalt, sondern kraft der Weihe und der Ermächtigung hiezu durch die heilige Kirche.

Geliebteste! Wo auf der ganzen Erde ist eine Gewalt, welche dieser Gewalt gleichkommt? Die Gewalt der Fürsten und Könige? O, die Gewalt des katholischen Priesters steht nicht hinter derselben, sondern übersteigt und übertrifft sie vielmehr!
Die Macht der irdischen Kaiser und Könige erstreckt sich ja nur auf die Leiber und keineswegs auf die Seelen, ist nur auf gewisse Länder der Erde beschränkt, die Gewalt des Priesters, loszusprechen, ist aber auf der ganzen bewohnten Erde in Tätigkeit, ja, was der Priester löset und bindet, hat nicht bloß auf Erden, sondern auch im Himmel Geltung. Wo, Geliebteste, ist selbst im Himmel eine solche Gewalt? Wenn du dort dich umschauest, so siehst du die Schar der Patriarchen und Propheten, der Märtyrer und Blutzeugen und die Scharen der hl. Jungfrauen und dann die Engel und Erzengel und die Throne und Herrschaften, können sie dich lossprechen von deinen Sünden? Nein. Die Patriarchen mit all ihrem Glauben, die Propheten mit all ihrer Wissenschaft, die Einsiedler mit all' ihrer Strenge, die Jungfrauen mit all ihrer Reinheit, sie vermögen es nicht. Die hocherhabenen Geister des Himmels, die Engel und Erzengel und Herrschaften, die Cherubim und Seraphim, obwohl sie die hochgestellten Geister im Reiche des Himmels sind, sie können den Herrn der Gewalten nur bitten, dass er unsere Sünden lösen möge; selbst aber dieselben lösen können sie nicht. Ja noch mehr! Selbst Maria, die Gottesmutter, die Königin des Himmels, sie kann es nicht, obwohl sie die Braut des heiligen Geistes, die Herrin des Weltalls ist, sie kann für uns nur bitten, dass uns die Lösung der Schulden zuteil werde; selbst sie zu lösen, das vermag auch sie nicht.

Geliebteste! Merket ihr nun, wie hoch, wie erhaben, wie ganz wunderbar die Gewalt des Priesters, Sünden zu vergeben, ist! des katholischen Priesters, sage ich nochmals; die protestantischen Pastoren haben die Priesterweihe nicht, durch welche diese so hohe Gewalt nach der Anordnung Christi übertragen wird.


II.
Ehret die Priester,
denn sie haben die Gewalt zu konsekrieren.

Kraft der Weihe hat der katholische Priester und wieder nur er, und nicht die protestantischen Pastoren, diese wunderbare Gewalt. - Die Gewalt zu konsekrieren, den Leib des Herrn mit dem kostbaren Blute, mit Seiner ganzen heiligen Menschheit und Seiner Gottheit unter den Gestalten des Brotes und Weines gegenwärtig machen; Brot und Wein verwandeln in den wahren Leib und das kostbare Blut unseres Herrn, welch' hohe, erhabene, ganz wunderbare Gewalt! Wo im Himmel ist eine solche Gewalt, wie die des katholischen Priesters? Bei den Engeln? Bei der Mutter Gottes? Maria hat Christum, den Sohn Gottes, in ihrem Schoße empfangen und im Stalle zu Bethlehem geboren. Ja. Aber erwäget, was bei der heiligen Messe vorgeht! Geschieht nicht unter den segnenden Händen des Priesters bei der heiligen Wandlung gewissermaßen dasselbe? Unter den Gestalten des Brotes und Weines wird Christus wahrhaft, wirklich und wesentlich gegenwärtig und gleichsam wiedergeboren. Dort zu Bethlehem gebar Maria ihr göttliches Kind und wickelte es in Windeln, der Priester tut gleichsam dasselbe und legt die Hostie auf das Korporale. Einmal hat Maria das göttliche Kind zur Welt gebracht. Und sehet, der Priester tut dies nicht einmal, sondern hundert und tausendmal, so oft er zelebriert. Dort im Stalle war das göttliche Kind, das durch Maria der Welt gegeben ward, klein, leidensfähig und sterblich. Hier auf dem Altare unter den Händen des Priesters ist es Christus in seiner Herrlichkeit, leidensunfähig und unsterblich, wie er im Himmel sitzt, zur Rechten des Vaters, glorreich triumphierend, vollkommen in jeder Beziehung. - Machen sie den Leib, das Blut des Herrn bloß gegenwärtig? Nein. Sondern sie opfern, sie bringen dem himmlischen Vater das Opfer dar. Es ist dasselbe, was Christus blutiger Weise auf Kalvaria und unblutigerweise beim letzten Abendmahl getan hat. Dort hat der ewige Hohepriester Jesus Christus Sein Fleisch, Sein Blut und Leben selbst dem himmlischen Vater zum Opfer gebracht, hier in der heiligen Messe tut Er dasselbe durch seine Stellvertreter, die katholischen Priester. Die Priester hat er an Seine Stelle gesetzt, damit sie dasselbe Opfer, das Er dargebracht, fortsetzen. Ihnen hat Er das Recht über Seine heilige Menschheit übertragen, ihnen gleichsam Gewalt über Seinen Leib gegeben. Der katholische Priester kann ihn nicht bloß auf dem Altare gegenwärtig machen, Ihn im Tabernakel verschließen, Ihn wieder nehmen und den Gläubigen zum Genusse reichen, er kann sogar Ihn, den Mensch gewordenen Gottessohn, für Lebendige und Tote als unblutiges Opfer darbringen. Christus, der eingeborene Sohn Gottes des Vaters, durch den Himmel und Erde geschaffen sind, der das ganze Weltall trägt, ist dem katholischen Priester hierin zu Willen.

Und wenn wir den heiligen Dionysius [De coelesti hierarchia] erstaunt fragen hören, ob man denjenigen noch einen Menschen nennen soll, den Gott aus den Menschen ausgewählt, über die Schar der übrigen so hoch emporgehoben, den Gott so innig mit Sich verbunden, ihm sogar über Sich Gewalt gegeben hat? O Geliebteste, werden wir uns noch wundern, wenn die Jahrbücher der heiligen Kirche uns erzählen, wie alle, die den Priester mit den Augen des Glaubens ansahen, denselben hoch verehrt haben?

Die katholischen Priester sind höchst ehrwürdig, denn unbegreiflich hoch ist die Würde derselben. Sie haben die Gewalt, Sünden zu vergeben und die Gewalt, zu konsekrieren.


Geliebteste! Nun eine Frage: Wird dem Priester auch von allen diese Ehrfurcht dargebracht? "Sie werden euch aus den Synagogen ausstoßen", prophezeite Christus (Johannesevangelium 16,2) seinen Aposteln und deren Nachfolgern. "Ja es kommt die Stunde, dass ein jeder, der euch tötet, Gott einen Dienst zu tun glauben wird."
Diese Aussicht hat der göttliche Heiland den katholischen Priestern gestellt, und so ist es vielfach auch gekommen, von den Tagen der Apostel an bis heute. Ihr wisst es alle, auch heute gibt es solche, welche den Priester schmähen und lästern, alles mögliche aussagen in Wort und Schrift, ihn verachten und verächtlich zu machen suchen, in der Gesellschaft, in Theatern, ihn darstellen als Unterwühler der staatlichen Ordnung, und als vernichte er das Wohl des Volkes, als verdumme er das Volk, auch heute gibt es viele, die das Ansehen des Priesters auf alle Weise schädigen und dessen Wirksamkeit lähmen wollen.
Und wenn Ihr an einem Priester etwas wirklich Tadelnswertes findet, was sollt Ihr tun? Wie die Feinde unserer heiligen Kirche es machen? Es ausposaunen, vergrößern, generalisieren? Was ein einziger getan, dem ganzen Stande zur Last legen? O nein das tut Ihr nicht, ich weiß es.
Wenn es also in seltenen Fällen geschieht, dass ein Priester, während er andere mit Schätzen der Kirche bereichert, selbst nichts davon für sich erhält, wenn es in seltenen Fällen geschieht, dass ein Priester, ohne im Stande der Gnade zu sein, Beichte hört oder zelebriert, die hl. Messe feiert, wenn er also zwar andere reinigt und deren Sünden tilgt, aber die Seinigen vermehrt, wenn es in seltenen Fällen geschieht, dass dasjenige, wodurch er anderen den Himmel verschafft, für ihn Anlass zur Verdammnis wird, was tun, Geliebteste? Beten für einen solchen ganz und gar unglücklichen Priester und die priesterliche Würde auch an einem solchen noch ehren! - Betet und richtet nicht! denn "Mein ist die Rache" spricht der Herr; und es ist entsetzlich, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.





Aus «RELIGIONSKRITIK»

Herausgegeben von Alois Payer ( mailto:payer@payer.de )

«Die dem katholischen Priester gebührende Ehre -
Hirtenbrief
des Johannes Katschthaler, Fürsterzbischof, Kardinal,
Primas von Deutschland, 1905.»

Fassung vom 24.1.2005.
Siehe: http://www.payer.de/religionskritik/katschthaler01.htm
Erstmals publiziert: 24.1.2005, Überarbeitungen: ©opyright: Public Domain
Dieser Text ist Teil der Abteilung Religionskritik von Tüpfli's Global Village Library
Abgedruckt in: «Quellen zur Geschichte des Papsttums und des römischen Katholizismus»
von Carl Mirbt. 4., verb. und wesentl. verm. Aufl., Tübingen, Mohr, 1924. 680, XXXII S.; 4°., S. 497 - 499. [Nach dieser Quelle hier wiedergegeben.]
Hervorhebungen: kursiv Original Mirbt, fett von VDLambertz.




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Römisch-Katholische Frauen lassen sich weihen!


Gruppe "Weiheämter für Frauen"

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Christine Mayr-Lumetzberger, Sprecherin für Österreich
mailto:mmcml@ping.at
Dr. Gisela Forster, Sprecherin für Deutschland
mailto:gisela.forster@campus.lmu.de
Dr. Patricia Fresen, Leiterin des Ausbildungsprogramms
mailto:fresen@forestfactory.de


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Aus dem
NEWSLETTER Nr. 3/2005
und HIRTINNENBRIEF Nr. 3/2005 vom 31.März 2005
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W O Z U
. W E I H E N ? -
U N S E R E
. V I S I O N . A L S
R Ö M I S C H - K A T H O L I S C H E
. P R I E S T E R I N N E N

Manchmal werden wir gefragt, warum wir nicht einfach ein anderes
Kirchenmodell aufbauen und einfach Menschen mit einem Dienst beauftragen und
dazu segnen. Nachdem das dualistische System aus Klerus und Laien in der
Kirche durch Machtmissbrauch korrumpiert worden ist - warum sollen Frauen
geweiht und damit zu einem Teil dieses Systems gemacht werden?

Die Antwort auf diese Frage ist nicht mehr und nicht weniger als die Vision
unserer Gruppe der römisch-katholischen Priesterinnen:

1. Wir leben in einer Zeit des Überganges: Wir müssen für Frauen die
Gleichberechtigung mit den Männern fordern, insbesondere hinsichtlich der
Zulassung zum priesterlichen Dienst. Und wir müssen dies 'contra legem' tun,
indem wir ein ungerechtes Gesetz brechen und dennoch an unserem Platz in der
Kirche festhalten. (Exkommunikation bedeutet nicht den Ausschluss aus der
Kirche, sondern lediglich eine Strafe durch Ausschluss von der Teilnahme an
den Sakramenten.) Wenn wir in dieser Anfangsphase die Frauen nicht
ordinieren, sondern lediglich ihre priesterlichen Tätigkeiten segneten, so
würden wir damit im Sinne unserer Forderung nach Gleichberechtigung der
Frauen in der Kirche ganz und gar nichts bewirken. Niemand würde uns ernst
nehmen und wir würden lediglich als eine weitere Sekte betrachtet werden.
Für die Gleichberechtigung der Frauen bei der Zulassung zum priesterlichen
Dienst müssen wir klare Handlungen setzen, um den Sexismus, der in den
kirchlichen Strukturen wuchert, zu bekämpfen. Eines Tages, vielleicht schon
in der nächsten oder übernächsten Generation könnte es durchaus geschehen,
dass man zur Praxis der Urkirche, in der es die Priesterweihe nicht gab,
zurückkehrt: Mitglieder der Gemeinde standen der Eucharistie vor, meist die
Ältesten des Hauses, in dem sich die Gemeinde gerade versammelt hatte. Für
unsere heutige Zeit bin ich fest überzeugt, dass wir das ungerechte Gesetz,
das Frauen vom Priestertum ausschließt, brechen müssen. Wir dürfen nicht
versuchen, diese Stufe der Forderung nach Gerechtigkeit einfach zu
überspringen, sondern wir müssen dafür sorgen, dass der Prozess organisch
ablaufen kann. Es ist gut vorstellbar, dass irgendwann in der Zukunft die
Priesterweihe abgelöst wird und die priesterlichen Dienste einschließlich
des Leitungsamtes in den Gemeinden ausgeübt werden ohne dass dafür eine
Weihe erforderlich ist... Doch in unserer Zeit ist es außerordentlich
wichtig, Frauen zu weihen, um auf diese Weise die Forderung nach ihrem Recht
auf Weihefähigkeit als Menschen und Katholikinnen zu unterstreichen.

So wie die Schwarzen in Südafrika in die von den Weißen aufgebauten
Strukturen eindringen mussten, um ihre Gleichberechtigung als Staatsbürger
zu beanspruchen, so müssen auch wir Frauen in die Strukturen der Kirche
hinein gehen und so unser Recht fordern, dort sein zu können. In beiden
Fällen werden Strukturen verändert durch die Anwesenheit der vormals
ausgeschlossenen Gruppe.

2. Wir sind überzeugt, dass wir die Strukturen der Kirche von innen her
verändern müssen. Von außerhalb der offiziellen Kirchenstrukturen würden wir
gar nichts erreichen. Das würde nur als ein Akzeptieren unseres
gegenwärtigen Ausgeschlossenseins verstanden werden.

3. Durch die Weihe von Frauen wird das Bild, die Struktur und die Form des
Priesteramtes - und damit auch der Kirche - verändert:
Wir glauben an die Möglichkeit, ein neues Modell von Priestertum zu
entwickeln und zu leben: das allein schon würde ein neues Modell von Kirche
nach sich ziehen.
Hier sind einige Wege, auf denen wir versuchen, die Falle des Dualismus und
Klerikalismus zu vermeiden:

a) Unter den Priesterinnen ist das Priestertum nicht verbunden mit einer
Machtstruktur. Wir sind bemüht, unser Priestertum als einen Dienst zu sehen
und zu leben. Leitung ist für uns nicht Herrschaft oder Ausschluss. Wir
vermeiden die Worte "Klerus" und "Laien". In Europa, wo unsere Kerngruppe
(das Präsidium) beheimatet ist und von wo unsere Bewegung ausgegangen ist,
gilt jede/r als Mitglied, keine/r ist ausgeschlossen. Die Weihe zieht eine
andere Funktion nach sich, verleiht aber nicht mehr Macht. Bei unseren
Meetings haben die Bischöfinnen und Priesterinnen nicht mehr zu sagen als
jede/r andere auch, obwohl Gisela und Christine die Leitung der Meetings
wahrnehmen. Leitung ist wesentlich - aber wir versuchen es in einem Modell
geteilter Macht: in der Jüngerschaft von Gleichen.

b) Wir anerkennen die Gaben, Talente und Verantwortung jeder Person in einer
Differenzierung der Dienste und wir leben und arbeiten zusammen als
Gemeinschaft. Wir haben keinen Pflichtzölibat und keine Verbindung zwischen
Priestertum und Zölibat. Unsere geweihten Frauen können verheiratet oder
unverheiratet, hetero- oder homosexuell sein. Manche sind bereits
Großmütter, einige sind auch geschieden und ihre Ehen wurden anulliert. In
unseren Lebenssituationen sind wir tatsächlich ein Querschnitt durch die
Gemeinschaft der Christen.

c) Wir geben kein Gehorsamsversprechen gegenüber den BischöfInnen ab. In
der Männerkirche ist der Gehorsam gegenüber dem Bischof ein wesentlicher
Teil der hierarchischen Struktur. Statt dessen versuchen wir, prophetischen
Gehorsam zu leben - gemeinsam den 'heiligen Weg' zu finden und zu gehen, auf
dem wir auf die Führung des Geistes vertrauen können. Als symbolisch für
diese Haltung mag gelten, dass die Bischöfinnen bei einer Weihezeremonie es
vorziehen, dass die Kandidatinnen die kniende Haltung oder die Prostratio
nicht vor ihnen annehmen, sondern vor dem Altar. Die
BischöfInnen und PriesterInnen nehmen auf der Seite Platz, soweit es
räumlich und logistisch möglich ist.

d) Wir verstehen uns als Arbeiterpriesterinnen: Wir sind finanziell
unabhängig von der Kirche und verdienen unseren Lebensunterhalt mit
Erwerbsarbeit. Finanzielle Abhängigkeit der Priester von ihren Bischöfen
oder von ihren Orden ist ein sehr starker Aspekt der Machtstruktur in der
hierarchischen Kirche.

e) Wir führen keine Titel: wir haben für geweihte Frauen kein Äquivalent
zum 'Pater', wir lassen uns auch nicht als 'Hochwürden' ansprechen, weil wir
nicht glauben, würdiger zu sein als irgendjemand anderer. Auch unsere zwei
Bischöfinnen werden als Christine und Gisela angesprochen.

f) Unsere liturgischen Kleider, Stolen und Altargeräte sind einfach und
nicht aufwändig oder kostspielig. Die Bischöfinnen tragen weder Mitra noch
Krummstab, die sie größer und bedeutender erscheinen lassen würden. Mitra,
Tiara und kostbare Kleidung wurden von Königen und Kaisern getragen. Seit
der Zeit Konstantins, als der Klerus sich mehr und mehr mit der weltlichen
Macht verband, haben Päpste und Prälaten diese Symbole kopiert.

g) Wir haben ein anderes Modell für die Feier der Eucharistie. (Unser
Modell ist nicht einzigartig. Es sind uns mehrere Gruppen bekannt, die
ähnliche Visionen wie wir verfolgen, wie z. B. die Gemeinde an der
Universität Nijmegen, Niederlande.) Wir sitzen im Kreis, der in mehreren
Reihen gestellt sein kann. Die BischöfInnen und PriesterInnen nehmen keine
besonders herausgehobenen Plätze ein, sondern sitzen unter den Mitfeiernden.
Der Altartisch steht in der Mitte. Alle Mitfeiernden sind eingeladen, eine
unserer Seidenstolen zu tragen als Zeichen für das allgemeine Priestertum
der Getauften. Der/die Vorsteher der Feier begrüßt und eröffnet die
Versammlung. Tagesgebet und Lesungen werden von verschiedenen Personen
übernommen und die Homilie wird oft in Form eines Gespräches in der
versammelten Gruppe gehalten. Mitfeiernde bereiten den Altar und bringen die
Gaben. Das Eucharistische Hochgebet wird meist von allen Anwesenden
gesprochen, entweder im Chor, oder einzelne Personen lesen abschnittsweise.
Die Einsetzungsworte werden im Chor aller Anwesenden gesprochen. Die
Kommunion wird von den geweihten Personen ausgeteilt. Damit soll deren
dienende Funktion deutlich gemacht werden. Die gesamte Eucharistiefeier ist
auf diese Weise eine Feier der versammelten Gemeinschaft, auch wenn immer
eine Person - Frau oder Mann - der Feier vorsteht. Wir verwenden die Texte
und Riten der Eucharistie, wie sie in der römisch-katholischen Kirche
festgelegt sind.

h) Wir sind bewusst und ausdrücklich ökumenisch: wir konzelebrieren mit
Priestern und Amtsträgern - Frauen und Männern - aus anderen Traditionen,
insbesondere mit Altkatholiken, Lutheranern und Anglikanern und wir laden
sie zu unseren Feiern und Zeremonien ein. Wir sind auch offen für
Diskussionen mit ihnen zu Fragen von allgemeinem Interesse.



D I E . G E F A H R . D E R . V E R E I N N A H M U N G
D U R C H
. D A S . S Y S T E M

Wir sind uns durchaus bewusst, dass wir uns der Gefahr aussetzen, uns in die
hierarchischen (dualistischen) Strukturen einzukaufen und uns vereinnahmen
zu lassen, wenn wir zu Mitgliedern des Klerus werden. Ebenso wie im neuen
Südafrika ist das, was wir jetzt in der Kirche mit ordinierten Frauen
erreicht haben, keineswegs ideal. Wir müssen sehr vorsichtig sein, nicht in
die Falle der Einordnung in das alte System zu gehen, so wie die
Südafrikaner sorgfältig darauf achten müssen, nicht ein anderes System
rassischer Unterdrückung zu schaffen - nur mit umgekehrtem Vorzeichen, also
ein System der Unterdrückung von Weißen durch Schwarze.



B E R Ü C K S I C H T I G U N G . A N D E R E R . M O D E L L E

Wir anerkennen auch die Existenz vieler anderer möglicher Modelle von
Priestertum und Kirche sowie vieler anderer Wege in Richtung Gerechtigkeit
und Gleichheit. Während wir unseren eingeschlagenen Weg gehen, respektieren
wir, dass andere auf verschiedenen Pfaden unterwegs sind. Wir hoffen auf ein
gemeinsames vorwärtskommen, auf gegenseitige Ermutigung und Stärkung,
vielleicht auch ein gemeinsames Lied auf unserem Weg. Wir müssen streng
darauf achten,
kleinliches Gezänk und Eifersüchteleien unter uns in unseren verschiedenen
Gemeinschaften zu vermeiden. Vielmehr soll es unsere Freude sein, dass wir
alle Anteil an dieser großen gemeinsamen Vision haben, dem Ruf, auf den wir
auf unsere verschiedenen Weisen antworten.



D I E . F R A G E . D E R . B E R U F U N G

1. Des öfteren - manchmal auch oberflächlich - werde ich zur Berufung
gefragt: ich erhalte Briefe "ich fühle mich zum Priestertum berufen" oder
"ich fühle mich nicht berufen". Was ist gemeint, wenn wir von Berufung
sprechen? Manchmal verliere ich meine Ruhe, wenn jemand über ihre/seine
'Berufung' spricht, als wäre es ein außergewöhnliches oder gar esoterisches
Ereignis, oder als ob da eine Hotline direkt zu Gott in Betrieb wäre.
In der Tat sind wir alle zur Heiligkeit berufen (LG Kap.1), das heißt, wir
sind dazu gerufen, nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe zu streben und
einen Lebensweg zu suchen, auf dem wir das am besten verwirklichen können.
Ich glaube, dass Gott uns dafür einen großen Spielraum lässt: unsere
Berufung ist nicht beschränkt auf nur einen bestimmten Lebensweg, sondern
unsere Begabungen, unsere Talente des Verstandes, des Herzens und des
Geistes, unsere Persönlichkeiten und Lebensgeschichten befähigen uns für
den einen Weg eher als für einen anderen.

Was wir meinen, wenn wir über Berufung sprechen, lässt sich vielleicht am
besten als Kombination einiger oder aller der folgenden Aspekte beschreiben:

a) Eine innerliche Anziehung: das würde ich gerne tun, das würde mir
entsprechen und ich werde mir darüber immer sicherer, wenn ich daran denke -
auch angesichts von Schwierigkeiten, Problemen oder sogar Gefahren. Diese
innerliche Anziehung begleitet mich ständig und dann und wann flammt sie in
mein Bewusstsein hinein, oft völlig unerwartet.

b) Es mag auch innere Kämpfe in mir geben, wenn ich an die Anforderungen
denke, an den Preis, den ich zu zahlen hätte, an die Schwierigkeiten und
Risiken, die sich abzeichnen. Das kann mich auch dazu verleiten, vor der
Idee davonlaufen zu wollen, oder die Sache einfach aufzuschieben.

c) Dennoch glaube ich, die nötigen Begabungen und Talente zu haben, um eine
solche Aufgabe einigermaßen erfüllen zu können, insbesondere eine Fähigkeit
des Mitfühlens und eine Bereitschaft zu pastoraler Tätigkeit.

d) Von Freunden und der Gemeinde werde ich bestärkt durch Aussagen, ich
könnte oder sollte es tun - auch wenn sie die damit verbundenen Risiken
fürchten.

e) Meine persönliche Geschichte und Lebenssituation haben mich an diesen
Moment, diesen Platz in meinem Leben geführt und ich fühle mich dazu
gedrängt, die Priesterweihe wenigstens zu erwägen. Ich sehe mich selbst
nicht als besser oder heiliger als andere und ich erwarte auch nicht, dass
ich besser als andere werde, wenn ich geweiht bin.

f) Wir glauben keineswegs, dass 'Berufung' nur Priester und Nonnen
betrifft. Wir glauben, dass Berufung, wie ich zu beschreiben versucht habe,
sich im Leben jedes Christen, jeder Christin, jedes Menschen entfaltet. Wir
alle sind berufen zum Besten was wir sein können, Beiträge zu leisten zu
mehr Menschlichkeit, zu unserer eigenen Gesellschaft, zur Kirche. Jede/r von
uns hat etwas persönlich-einzigartiges als Bereicherung einzubringen und
umgekehrt erlebt jede/r Bereicherung durch andere. Das ist das Wesen von
Berufung.

Wenn Sie sich innerlich zum priesterlichen Dienst hingezogen fühlen und
dieses Gefühl immer wieder kommt, wenn Sie etwas Theologie studiert haben
oder dies noch nachholen wollen, wenn Sie ein mitfühlender Mensch sind und
wenn Sie glauben, als ordinierte Frau eine pastorale Aufgabe unter den
Menschen gut erfüllen zu können, und wenn Sie stark genug sind, die
Konsequenzen einer Ordination zu tragen, dann schreiben Sie mir ein email
<fresen@forestfactory.de >. Im Internet finden Sie uns unter
www.virtuelle-dioezese.de .

2. Wir sind in erster Linie als Gemeinschaft berufen: wir sind Kirche,
wir sind Volk Gottes, wir sind eine Gemeinschaft, die zur Nachfolge Jesu
in der
'Jüngerschaft von Gleichen' gerufen ist. Innerhalb dieser großen
Gemeinschaft lebt jede/r von uns in einer kleineren Gruppe, in der wir
unseren Platz finden und unseren Beitrag einbringen. Dann entdecken wir -
meist mit Erstaunen - dass das Ganze mehr ist als nur die Summe seiner
Teile. Oder mit den Worten der Weltweiten katholischen Frauenbewegung
(Gral): Zusammen sind wir genial. Ich glaube,
dass wir alle in irgend einer Weise berufen sind, als Gemeinschaft und als
Einzelne innerhalb dieser Gemeinschaft den prophetischen Gehorsam zu leben
oder wenigstens zu unterstützen.


Wir wünschen Ihnen Allen eine schöne nachösterliche Zeit
Christine Mayr-Lumetzberger, Sprecherin von Österreich
Dr. Gisela Forster, Sprecherin von Deutschland
Dr. Patricia Fresen, Leiterin des Ausbildungsprogramms





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Zur weiteren Information
wenn Sie sich ein Bild über Details der Anforderungen und Prinzipien der
römisch-katholischen Priesterausbildung machen wollen :



röm.kath. Dekret zur Priesterausbildung


2. Vatikanisches Konzil
Dekret über die Ausbildung der Priester "Optatam totius"


Vorwort
Die erstrebte Erneuerung der gesamten Kirche hängt zum großen Teil vom priesterlichen Dienst ab1, der vom Geist Christi belebt ist; dessen ist sich die Heilige Synode voll bewusst. Deshalb unterstreicht sie die entscheidende Bedeutung der priesterlichen Ausbildung und weist einige grundlegende Leitsätze auf; durch sie sollen die schon durch Jahrhunderte praktisch bewährten Gesetze bestätigt und Neuerungen in sie eingeführt werden, die den Konstitutionen und Dekreten dieses Heiligen Konzils wie auch den veränderten Zeitumständen entsprechen. Da eine solche Priesterausbildung wegen der Einheit des katholischen Priestertums für alle Priester des Welt- und Ordensklerus und aller Riten notwendig ist, sind diese Vorschriften, die unmittelbar den Diözesanklerus betreffen, mit entsprechender Anpassung auf alle anzuwenden.

I. Die Neuordnung der Priesterausbildung in den einzelnen Völkern
1. Bei der großen Verschiedenheit der Völker und Gebiete können nur allgemeine Gesetze aufgestellt werden. Darum soll für die einzelnen Völker und Riten eine eigene " Ordnung der Priesterausbildung" eingeführt werden. Sie ist von den Bischofskonferenzen aufzustellen2, von Zeit zu Zeit zu revidieren und vom Apostolischen Stuhl zu approbieren. In ihr sollen die allgemeinen Gesetze den besonderen örtlichen und zeitlichen Verhältnissen so angepasst werden, dass die Priesterausbildung immer den pastoralen Erfordernissen der Länder entspricht, in denen die Priester ihren Dienst auszuüben haben.

II. Die stärkere Förderung der Priesterberufe
2. Berufe zu fördern3 ist Aufgabe der gesamten christlichen Gemeinde. Sie erfüllt sie vor allem durch ein wirklich christliches Leben. Den wichtigsten Beitrag dazu leisten einmal die Familien; durchdrungen vom Geist des Glaubens, der Liebe und der Frömmigkeit werden sie gleichsam zum ersten Seminar; zum anderen die Pfarrgemeinden, an deren blühendem Leben die Jugendlichen selbst teilnehmen. Die Lehrer und alle, die mit der Erziehung von Kindern und Jugendlichen in irgendeiner Weise betraut sind - besonders die katholischen Verbände -, sollen die ihnen anvertrauten jungen Menschen so zu erziehen suchen, dass sie den göttlichen Ruf wahrnehmen und ihm bereitwillig folgen können. Alle Priester sollen ihren apostolischen Eifer vor allem in der Förderung der Berufe zeigen. Sie sollen das Herz derjenigen Menschen durch ihr eigenes, bescheidenes, arbeitsames und von innerer Freude erfülltes Leben für das Priestertum gewinnen sowie durch die gegenseitige priesterliche Liebe und die brüderliche Gemeinschaft in der Arbeit. Aufgabe der Bischöfe ist es, ihre Herde in der Förderung von Berufen anzueifern und für den Zusammenschluss aller Kräfte und Anstrengungen zu sorgen; auch sollen sie diejenigen, die nach ihrem Urteil zum Anteil des Herrn berufen sind, väterlich unterstützen, ohne dabei irgendein Opfer zu scheuen. Dieses tatkräftige Zusammenwirken des ganzen Gottesvolkes zur Förderung von Berufen ist die Antwort auf das Handeln der göttlichen Vorsehung; sie verleiht den Menschen, die von Gott zur Teilnahme am hierarchischen Priestertum Christi erwählt sind, die entsprechenden Gaben und unterstützt sie mit ihrer Gnade; zugleich überträgt sie den rechtmäßigen kirchlichen Amtsträgern die Aufgabe, die als geeignet erkannten Kandidaten, die in rechter Absicht und mit voller Freiheit ein so hohes Amt erstreben, zu prüfen, zu berufen und mit dem Siegel des Heiligen Geistes für den göttlichen Kult und den Dienst der Kirche zu weihen4. Die Heilige Synode empfiehlt vor allem die Mittel, die sich in der Sorge aller für die Priesterberufe schon immer bewährt haben: eifriges Gebet, christliche Buße und immer höhere Bildung der Christgläubigen in Predigt und Katechese wie auch durch die verschiedenen Mittel der öffentlichen Meinungsbildung. Sie sollen die Notwendigkeit, das Wesen und die Schönheit des Priesterberufes aufleuchten lassen. Ferner verordnet das Konzil, dass die Werke zur Förderung von Berufen, die nach einschlägigen päpstlichen Dokumenten auf diözesaner, regionaler und nationaler Ebene schon errichtet sind oder errichtet werden sollen, ihre ganze der Berufsförderung dienende pastorale Arbeit unter Verwertung aller von der heutigen Psychologie und Soziologie zur Verfügung gestellten geeigneten Hilfsmittel methodisch und systematisch planen und mit ebensovieI Eifer wie Diskretion durchführen sollen5. Das Werk der Berufsförderung soll großherzig die Grenzen der Diözesen, der Völker, der Ordensfamilien und der Riten überschreiten und mit dem Blick auf die Bedürfnisse der Gesamtkirche vor allem jenen Gegenden Hilfe bringen, in denen Arbeiter für den Weinberg des Herrn besonders dringend benötigt werden.
3. In den Kleinen Seminarien, die zur Entfaltung keimender Berufe errichtet sind, sollen die Alumnen durch intensive religiöse Formung und vor allem durch geeignete geistliche Führung dazu angeleitet werden, Christus dem Erlöser mit großherzigem Sinn und reinem Herzen nachzufolgen. Unter der väterlichen Leitung der Oberen und durch entsprechende Mitarbeit der Eltern sollen sie ein Leben führen, wie es zu Alter, Sinnesart und Entwicklung der jungen Menschen passt und mit den Grundsätzen einer gesunden Psychologie in Einklang steht. Eine hinreichende Lebenserfahrung und der Umgang mit der eigenen Familie dürfen nicht fehlen6. Daneben soll das, was im folgenden für die Priesterseminarien bestimmt wird, auch auf die Kleinen Seminarien angewandt werden, soweit es ihrer Aufgabe und ihrem Wesen entspricht. Der Unterricht der Alumnen soll so eingerichtet werden, dass sie ohne Schwierigkeiten anderweitig auf ihn aufbauen können, wenn sie einen anderen Lebensstand wählen sollten. Mit gleicher Sorge soll man sich darüber hinaus des keimenden Berufes der jungen Menschen in den besonderen Instituten annehmen, die in manchen Ländern auch den Zweck der Kleinen Seminarien erfüllen, desgleichen jener Jugendlichen, die in anderen Schulen oder sonstigen Ausbildungsstätten unterrichtet werden. Mit besonderer Liebe soll für Spätberufene durch geeignete Studienstätten und andere Initiativen gesorgt werden.

III. Die Ordnung der Priesterseminare
4. Die Priesterseminare sind zur priesterlichen Ausbildung notwendig. In ihnen muss die gesamte Ausbildung der Alumnen dahin zielen, dass sie nach dem Vorbild unseres Herrn Jesus Christus, des Lehrers, Priesters und Hirten, zu wahren Seelenhirten geformt werden7; sie müssen also zum Dienst am Wort vorbereitet werden, dass sie das geoffenbarte Gotteswort immer besser verstehen, durch Meditation mit ihm vertraut werden und es in Wort und Leben darstellen; zum Dienst des Kultes und der Heiligung, dass sie in Gebet und im Vollzug der heiligen Liturgie das Heilswerk durch das eucharistische Opfer und die Sakramente vollziehen; zum Dienst des Hirten, dass sie den Menschen Christus darstellen können, der "nicht kam, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele hinzugeben" (Mk 10,45; vgl. Joh 13,12-17), und dass sie Diener aller werden und so viele gewinnen (vgl. 1 Kor 9,19). Daher müssen alle Bereiche der Ausbildung, der geistliche, intellektuelle und disziplinäre, harmonisch auf dieses pastorale Ziel hingeordnet werden; dieses Ziel zu erreichen, sollen alle Oberen und Professoren in treuem Gehorsam gegenüber der bischöflichen Autorität eifrig und einmütig bemüht sein.
5. Da die Ausbildung der Alumnen wohl von sinnvollen Gesetzen, ganz besonders aber von geeigneten Erziehern abhängt, sollen Seminarobere und Professoren aus den besten Kräften ausgewählt werden8. Sie müssen durch gediegene Studien, entsprechende pastorale Erfahrung und eine besondere geistliche und pädagogische Ausbildung sorgfältig vorbereitet sein. Zu diesem Zweck müssen geeignete Institute oder wenigstens gut geplante Kurse eingerichtet und regelmäßige Konferenzen der Seminaroberen abgehalten werden. Die Oberen und Professoren sollen immer daran denken, wie sehr der Bildungserfolg bei den Alumnen von der Art und Weise ihres Denkens und Handelns abhängt. Unter Leitung des Regens sollen sie eine enge Gemeinschaft in Gesinnung und Tat eingehen. Sie sollen untereinander und mit den Alumnen eine Familie bilden, die dem Gebet des Herrn "Auf dass sie eins seien" (vgl. Joh 17,11) entspricht und in den Alumnen die Freude am eigenen Beruf nährt. Der Bischof aber soll mit steter, liebevoller Sorge die am Seminar Tätigen ermuntern und auch den Alumnen selbst ein wahrer Vater in Christus sein. Alle Priester sollen das Seminar als das Herz der Diözese betrachten und ihm gern ihre eigene Hilfe zur Verfügung stellen9.
6. Mit wacher Sorge, dem Alter und der Entwicklungsstufe der einzelnen entsprechend, müssen die rechte Absicht und der freie Wille der Kandidaten, ihre geistliche, moralische und intellektuelle Eignung, die erforderliche physische und seelische Gesundheit geprüft werden; dabei müssen auch von der Familie eventuell ererbte Anlagen beachtet werden. Auch soll man sich über die Fähigkeit der Kandidaten, die Lasten des Priesteramtes zu tragen und die pastoralen Aufgaben zu erfüllen, ein Urteil bilden10. Bei der Auslese und Prüfung der Kandidaten soll man mit der nötigen geistigen Festigkeit vorgehen, auch dann, wenn Priestermangel zu beklagen ist11. Gott lässt es ja seiner Kirche nicht an Dienern fehlen, wenn man die fähigen auswählt, die nicht geeigneten aber rechtzeitig in väterlicher Weise anderen Berufen zuführt und ihnen dazu verhilft, dass sie sich im Bewusstsein ihrer christlichen Berufung mit Eifer dem Laienapostolat widmen.
7. Wo die einzelnen Diözesen nicht in der Lage sind, ein eigenes Seminar entsprechend einzurichten, soll man gemeinsame Seminarien für mehrere Diözesen, für eine ganze Region oder Nation gründen und fördern, damit die gründliche Ausbildung der Alumnen, die hierin oberstes Gesetz sein muss, wirksamer gewährleistet wird. Die Leitung solcher regionaler oder nationaler Seminarien soll sich nach Statuten richten, die von den beteiligten Bischöfen12 aufgestellt und vom Heiligen Stuhl approbiert sind. In Seminarien, in denen eine große Zahl von Alumnen zusammenlebt, soll man die Alumnen in passender Weise in kleinere Gruppen aufteilen, um so die Ausbildung der einzelnen persönlicher gestalten zu können; die Einheit der Leitung und wissenschaftlichen Ausbildung soll aber erhalten bleiben.

IV. Die Sorge um die gründlichere geistliche Formung
8. Die geistliche Formung soll mit der wissenschaftlichen und pastoralen Ausbildung eng verbunden sein. Unter Anleitung vor allem des Spirituals13 sollen die Alumnen lernen, in inniger und steter Gemeinschaft mit dem Vater durch seinen Sohn Jesus Christus im Heiligen Geist zu leben. Durch d
e heilige Weihe werden sie einst Christus dem Priester gleichförmig; so sollen sie auch lernen, ihm wie Freunde in enger Gemeinschaft des ganzen Lebens verbunden zu sein14. Sein Pascha-Mysterium sollen sie so darlegen, dass sie das Volk, das ihnen anvertraut wird, darin einzuführen vermögen. Sie sollen angeleitet werden, Christus zu suchen: in der gewissenhaften Meditation des Gotteswortes, in der aktiven Teilnahme an den heiligen Geheimnissen der Kirche, vor allem in der Eucharistie und im Stundengebet15, im Bischof, der ihnen die Sendung gibt, und in den Menschen, zu denen sie gesandt werden, vor allem in den Armen, den Kindern und den Kranken, den Sündern und Ungläubigen. Die seligste Jungfrau Maria, die von Christus Jesus bei seinem Tod am Kreuz dem Jünger als Mutter gegeben wurde, sollen sie mit kindlichem Vertrauen lieben und verehren. Die Frömmigkeitsformen, die durch den ehrwürdigen Brauch der Kirche empfohlen sind, sollen eifrig gefördert werden; man muss aber dafür sorgen, dass die geistliche Ausbildung sich nicht in ihnen erschöpfe und nicht einseitig das religiöse Gefühl anspreche. Vielmehr sollen die Alumnen lernen, nach dem Vorbild des Evangeliums zu leben, in Glaube, Hoffnung und Liebe stark zu werden, damit sie in der Übung dieser Tugenden die Gesinnung des Betens erwerben16, Festigkeit und Sicherheit in ihrem Beruf finden, die übrigen Tugenden zur Reife bringen und im Eifer, alle Menschen für Christus zu gewinnen, wachsen.
9. Das Geheimnis der Kirche, das von dieser Heiligen Synode besonders dargelegt wurde, soll sie so erfüllen, dass sie dem Stellvertreter Christi in demütiger und kindlicher Liebe ergeben sind und dass sie später als Priester ihrem eigenen Bischof als ergebene Mitarbeiter anhangen und in gemeinschaftlicher Arbeit mit ihren Mitbrüdern Zeugnis für jene Einheit geben, durch die die Menschen zu Christus hingezogen werden17. Mit weitem Herzen sollen sie am Leben der ganzen Kirche teilzunehmen lernen, nach jenem Augustinuswort: "In dem Maße, wie einer die Kirche Christi liebt, hat er den Heiligen Geist."18 Die Alumnen müssen mit voller Klarheit verstehen, dass sie nicht zum Herrschen oder für Ehrenstellen bestimmt sind, sondern sich ganz dem Dienst Gottes und der Seelsorge widmen sollen. Mit besonderer Sorgfalt sollen sie im priesterlichen Gehorsam, in armer Lebensweise und im Geist der Selbstverleugnung erzogen werden19, so dass sie sich daran gewöhnen, auch auf erlaubte, aber unnötige Dinge bereitwillig zu verzichten und dem gekreuzigten Christus ähnlich zu werden. Die Alumnen sollen über die Lasten, die sie auf sich zu nehmen haben, aufgeklärt werden, ohne dass man ihnen irgendeine der Schwierigkeiten des Priesterlebens verschweigt, Sie sollen aber in ihrer zukünftigen Tätigkeit nicht fast ausschließlich eine Gefahrenquelle sehen, vielmehr soll man sie dazu anleiten, dass sie gerade aus ihrer pastoralen Tätigkeit für ihr geistliches Leben so viel Kraft wie möglich schöpfen.
10. Die Alumnen, die gemäß den heiligen und festen Gesetzen ihres eigenen Ritus die verehrungswürdige Tradition des priesterlichen Zölibats auf sich nehmen, sollen mit großer Sorgfalt auf diesen Stand hin erzogen werden: sie verzichten darin um des Himmelreiches willen (vgl. Mt 19,12) auf die eheliche Gemeinschaft, hangen dem Herrn mit ungeteilter Liebe an20, wie sie dem Neuen Bund in besonderer Weise entspricht; sie geben Zeugnis für die Auferstehung in der künftigen Welt (vgl. Lk 20,36)21 und gewinnen besonders wirksame Hilfe zur ständigen Übung jener vollkommenen Liebe, die sie in ihrer priesterlichen Arbeit allen alles werden lässt22. Sie sollen tief davon durchdrungen sein, wie dankbar sie diesen Stand entgegennehmen sollen, nicht etwa bloß als eine Vorschrift kirchlicher Gesetzgebung, sondern als ein kostbares Geschenk Gottes, das sie in Demut erbitten und dem sie mit der erweckenden und helfenden Gnade des Heiligen Geistes frei und großherzig zu entsprechen suchen sollen. Um die Pflichten und die Würde der christlichen Ehe, die ein Bild der Liebe zwischen Christus und seiner Kirche ist (vgl. Eph 5,32f.), sollen die Alumnen gebührend wissen; sie sollen aber klar den Vorrang der Christus geweihten Jungfräulichkeit erkennen23, so dass sie nach reiflich überlegter Wahl und mit Hochherzigkeit sich in ganzer Hingabe von Leib und Seele dem Herrn weihen. Auf die Gefahren, die ihrer Keuschheit besonders in der gegenwärtigen Gesellschaft drohen, sollen sie hingewiesen werden24. Sie müssen lernen, sich durch geeignete göttliche und menschliche Hilfsmittel zu schützen und den Verzicht auf die Ehe so in ihr Da sein zu integrieren, dass sie in ihrem Leben und in ihrer Wirksamkeit vom Zölibat her nicht nur keinen Schaden nehmen, vielmehr eine vollkommenere Herrschaft über Leib und Seele und eine höhere menschliche Reife gewinnen und die Seligkeit des Evangeliums tiefer erfahren.
11. Die Grundsätze christlicher Erziehung sollen hochgehalten und durch die neueren Erkenntnisse einer gesunden Psychologie und Pädagogik ergänzt werden. In klug abgestufter Ausbildung sollen die Alumnen auch zur nötigen menschlichen Reife geführt werden, die sich vor allem in innerer Beständigkeit bewähren muss, in der Fähigkeit, abgewogene Entscheidungen zu fällen, und in einem treffenden Urteil über Ereignisse und Menschen. Die Alumnen müssen ihren Charakter formen lernen. Sie sollen zu geistiger Entschlossenheit erzogen werden und überhaupt jene Tugenden schätzen lernen, auf die die Menschen Wert legen und die den Diener Christi gewinnend machen25. Dazu gehören Aufrichtigkeit, wacher Gerechtigkeitssinn, Zuverlässigkeit bei Versprechungen, gute Umgangsformen, Bescheidenheit und Liebenswürdigkeit im Gespräch. Die Lebensordnung des Seminars soll nicht nur als ein wirksamer Schatz des gemeinsamen Lebens und der Liebe betrachtet werden, vielmehr als notwendiger Bestandteil der ganzen Ausbildung zur Gewinnung von Selbstbeherrschung, zur Entfaltung einer reifen Persönlichkeit und zur Heranbildung aller jener geistigen Haltungen, die zu einem disziplinierten und fruchtbaren Wirken der Kirche in hohem Maße beitragen. Die Disziplin soll aber so gehandhabt werden, dass die Alumnen von sich aus die Autorität der Oberen aus persönlicher Überzeugung, also um des Gewissens willen (vgl. Röm 13,5), und aus übernatürlichen Motiven annehmen. Die Regeln der Hausordnung aber sollen dem Alter der Alumnen so angepasst werden, dass sie allmählich lernen, auf sich selber zu stehen, und sich daran gewöhnen, ihre Freiheit vernünftig zu gebrauchen, aus eigener Initiative und Überlegung zu handeln26 und mit den Mitbrüdern und den Laien zusammenzuarbeiten. Der gesamte Lebensstil des Seminars soll von der Bemühung um die Frömmigkeit und das Schweigen und von gegenseitiger Hilfsbereitschaft geprägt und so gestaltet sein, dass er schon eine gewisse Einführung in das spätere Leben des Priesters ist.
12. Es ist Sache der Bischöfe, einen entsprechenden Zeitraum für eine intensivere geistliche Schulung der Alumnen festzusetzen, damit ihre geistliche Bildung festere Grundlagen habe und sie in reifer Überlegung ihren Beruf bejahen. Außerdem sollen sie die Möglichkeit erwägen, die Studien zu unterbrechen oder einen angemessenen Zeitraum pastoraler Schulung einzulegen, um eine zuverlässigere Erprobung der Priesterkandidaten zu gewährleisten. Weiter sollen die Bischöfe je nach den regionalen Gegebenheiten entscheiden, ob das nach dem zurzeit gültigen gemeinen Recht geforderte Weihealter zu erhöhen ist, und überlegen, ob es angebracht ist, die Alumnen nach Abschluss des theologischen Studiums noch eine angemessene Zeit den Weihediakonat ausüben zu lassen, bevor sie zur Priesterweihe zugelassen werden.

V. Neugestaltung der kirchlichen Studien
13. Vor Beginn der eigentlichen kirchlichen Studien sollen die Alumnen den Grad humanistischer und naturwissenschaftlicher Bildung erreichen, der in ihrem Land zum Eintritt in die Hochschulen berechtigt. Sie sollen zudem so viel Latein lernen, dass sie die zahlreichen wissenschaftlichen Quellen und die kirchlichen Dokumente verstehen und benützen können27. Das Studium der dem eigenen Ritus entsprechenden liturgischen Sprache muss als notwendig verlangt werden; die angemessene Kenntnis der Sprachen der Heiligen Schrift und der Tradition soll sehr gefördert werden.
14. Bei der Neugestaltung der kirchlichen Studien ist vor allem darauf zu achten, dass die philosophischen und die theologischen Disziplinen besser aufeinander abgestimmt werden; sie sollen harmonisch darauf hinstreben, den Alumnen immer tiefer das Mysterium Christi zu erschließen, das die ganze Geschichte der Menschheit durchzieht, sich ständig der Kirche mitteilt und im priesterlichen Dienst in besonderer Weise wirksam wird28. Damit diese Sicht den Seminaristen schon vom Anfang ihrer Ausbildung an vertraut werde, sollen die kirchlichen Studien mit einem ausreichend langen Einführungskurs beginnen. In dieser Einführung soll das Heilsmysterium so dargelegt werden, dass die Alumnen den Sinn, den Aufbau und das pastorale Ziel der kirchlichen Studien klar sehen; dass ihnen zugleich geholfen werde, ihr ganzes persönliches Leben auf den Glauben zu gründen und mit ihm zu durchdringen; dass sie endlich in der persönlichen und frohen Hingabe an ihren Beruf gefestigt werden.
15. Die philosophischen Disziplinen sollen so dargeboten werden, dass die Alumnen vor allem zu einem gründlichen und zusammenhängenden Wissen über Mensch, Welt und Gott hingeführt werden. Sie sollen sich dabei auf das stets gültige philosophische Erbe stützen29. Es sollen aber auch die philosophischen Forschungen der neueren Zeit berücksichtigt werden, zumal jene, die beim eigenen Volk bedeutenderen Einfluss ausüben, und der Fortschritt der modernen Naturwissenschaften. So sollen die Alumnen über die charakteristischen Erscheinungen der heutigen Zeit gut Bescheid wissen und auf das Gespräch mit den Menschen ihrer Zeit entsprechend vorbereitet werden30. Die Philosophiegeschichte soll so gelehrt werden, dass die Studenten zu den letzten Prinzipien der verschiedenen Systeme vordringen, den Wahrheitsgehalt festhalten, die Irrtümer aber in ihren Wurzeln erkennen und widerlegen können. Durch die ganze Lehrweise wecke man in den Alumnen den Drang, mit methodischer Strenge nach der Wahrheit zu suchen, in sie einzudringen und sie zu beweisen und gleichzeitig die Grenzen menschlicher Erkenntnis ehrlich anzuerkennen. Ganz besonders achte man auf den engen Zusammenhang der Philosophie mit den wirklichen Lebensproblemen und den Fragen, die die Studenten innerlich bewegen. Man soll ihnen auch dazu helfen, die Verbindung zu sehen, die zwischen den philosophischen Gedankengängen und den Heilsgeheimnissen besteht, die die Theologie im höheren Licht des Glaubens betrachtet.
16. Die theologischen Fächer sollen im Licht des Glaubens unter Führung des kirchlichen Lehramtes31 so gelehrt werden, dass die jungen Theologen die katholische Lehre sorgfältig aus der göttlichen Offenbarung schöpfen, tief in sie eindringen, sie für ihr geistliches Leben fruchtbar machen32 und sie in ihrem künftigen priesterlichen Dienst verkünden, darlegen und verteidigen können. Mit besonderer Sorgfalt sollen sie im Studium der Heiligen Schrift, die die Seele der ganzen Theologie sein muss33, gefördert werden. Nach einer entsprechenden Einführung sollen sie in der exegetischen Methode gründlich geschult werden; mit den Hauptthemen der göttlichen Offenbarung sollen sie vertraut werden und für ihre tägliche Schriftlesung und Schriftbetrachtung Anregung und Nahrung erhalten34. Die dogmatische Theologie soll so angeordnet werden, dass zuerst die biblischen Themen selbst vorgelegt werden; dann erschließe man den Alumnen, was die Väter der östlichen und westlichen Kirche zur treuen Überlieferung und zur Entfaltung der einzelnen Offenbarungswahrheiten beigetragen haben, ebenso die weitere Dogmengeschichte, unter Berücksichtigung ihrer Beziehungen zur allgemeinen Kirchengeschichte35; sodann sollen sie lernen, mit dem heiligen Thomas als Meister, die Heilsgeheimnisse in ihrer Ganzheit spekulativ tiefer zu durchdringen und ihren Zusammenhang zu verstehen, um sie, soweit möglich, zu erhellen36. Sie sollen geschult werden, diese selben Heilsgeheimnisse stets in den liturgischen Handlungen37 und im gesamten Leben der Kirche gegenwärtig und wirksam zu sehen, und lernen, die Lösung der menschlichen Probleme im Lichte der Offenbarung zu suchen, ihre ewige Wahrheit auf die wandelbare Welt menschlicher Dinge anzuwenden und sie in angepasster Weise den Menschen unserer Zeit mitzuteilen38. Ebenso sollen die übrigen theologischen Disziplinen aus einem lebendigeren Kontakt mit dem Geheimnis Christi und der Heilsgeschichte neu gefasst werden. Besondere Sorge verwende man auf die Vervollkommnung der Moraltheologie, die, reicher genährt aus der Lehre der Schrift, in wissenschaftlicher Darlegung die Erhabenheit der Berufung der Gläubigen in Christus und ihre Verpflichtung, in der Liebe Frucht zu tragen für das Leben der Welt, erhellen soll. Ebenso lenke man bei der Behandlung des kanonischen Rechtes und bei der Darlegung der Kirchengeschichte den Blick auf das Mysterium der Kirche im Sinne der Dogmatischen Konstitution "Über die Kirche", die von der Heiligen Synode erlassen wurde. Die heilige Liturgie, die als erste und notwendige Quelle des wahrhaft christlichen Geistes zu betrachten ist, soll entsprechend den Artikeln 15 und 16 der Konstitution "Über die heilige Liturgie" gelehrt werden39. Unter angemessener Berücksichtigung der regionalen Verhältnisse führe man die Alumnen zu einer volleren Kenntnis der Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die vom Apostolischen Römischen Stuhl getrennt sind, damit sie zur Förderung der Wiederherstellung der Einheit unter allen Christen nach den Vorschriften dieser Heiligen Synode beizutragen vermögen40. Auch in die Kenntnis der anderen Religionen, die in den betreffenden Gegenden stärker verbreitet sind, führe man sie ein, auf dass sie besser das, was sie nach Gottes Fügung an Gutem und Wahrem haben, anerkennen, Irrtümer zurückzuweisen lernen und das volle Licht der Wahrheit denen, die es nicht haben, mitzuteilen vermögen.
17. Da die wissenschaftliche Ausbildung nicht der bloßen Mitteilung von Begriffen dient, sondern die wahre innere Formung der Alumnen anstreben muss, sollen die Lehrmethoden überprüft werden; das gilt sowohl für die Vorlesungen, Kolloquien und Übungen als auch für die Förderung des privaten Studiums der Alumnen und ihrer Zusammenarbeit in kleinen Zirkeln. Großen Wert lege man auf die Einheit der Ausbildung und auf ihre Gründlichkeit; man vermeide eine zu große Vermehrung von Fächern und Vorlesungen; man lasse die Fragen aus, die kaum mehr Bedeutung haben, wie auch solche, die in die höheren akademischen Studien zu verweisen sind.
18. Es ist die Aufgabe der Bischöfe, dafür zu sorgen, dass junge Leute, die nach Charakter, Tugend und Begabung geeignet sind, an besondere Institute, Fakultäten oder Universitäten geschickt werden, um so Priester heranzubilden, die in den heiligen Wissenschaften und in anderen wichtigen Wissenszweigen eine gründlichere wissenschaftliche Ausbildung erhalten haben und den verschiedenen Erfordernissen des Apostolats entsprechen können. Ihre geistliche und pastorale Unterweisung darf dabei in keiner Weise vernachlässigt werden, besonders wenn sie noch vor der Priesterweihe stehen.

VI. Die Förderung der pastoralen Ausbildung im engeren Sinn
19. Die pastorale Sorge, die die gesamte Erziehung der Alumnen durchdringen soll41, fordert auch, dass sie sorgfältig in den für den priesterlichen Dienst charakteristischen Aufgaben ausgebildet werden, vor allem in Katechese und Homiletik, in Liturgie und Sakramentenspendung, in caritativer Arbeit, in der Aufgabe, den Irrenden und Ungläubigen zu Hilfe zu kommen, und in den übrigen pastoralen Pflichten. Sorgfältig sollen sie in die Kunst der Seelenführung eingeführt werden, damit sie alle Glieder der Kirche in erster Linie zu einem voll bewussten und apostolischen Christenleben und zur Erfüllung ihrer Standespflichten führen können. Mit gleicher Sorgfalt sollen sie lernen, Ordensmänner und Ordensfrauen so zu führen, dass sie ihrer Berufsgnade treu bleiben und im Geist ihres Ordens voranschreiten42. Überhaupt sollen die Eigenschaften der Alumnen ausgebildet werden, die am meisten dem Dialog mit den Menschen dienen: wie die Fähigkeit, anderen zuzuhören und im Geist der Liebe sich seelisch den verschiedenen menschlichen Situationen zu öffnen43.
20. Im Gebrauch der pädagogischen, psychologischen und soziologischen Hilfsmittel44 sollen sie methodisch richtig und den Richtlinien der kirchlichen Autorität entsprechend unterrichtet werden, das apostolische Wirken der Laien anzuregen und zu fördern45 sowie die verschiedenen und wirkungsvolleren Formen des Apostolats zu pflegen. Durchdrungen von einer wahrhaft katholischen Geisteshaltung, sollen sie immer über die Grenzen der eigenen Diözese, der Nation oder des Ritus zu blicken und für die Bedürfnisse der ganzen Kirche einzustehen lernen, stets bereit, das Evangelium überall zu verkünden46.
21. Da die Alumnen die Ausübung des Apostolats nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch erlernen und imstande sein sollen, aus eigener Verantwortung und in Gemeinschaftsarbeit zu handeln, sollen sie schon im Verlauf des Studiums und auch während der Ferien mit der pastoralen Praxis durch geeignete Übungen vertraut werden. Diese müssen je nach dem Alter der Alumnen und den örtlichen Umständen gemäß dem einsichtigen Urteil der Bischöfe methodisch und unter der Führung pastoral erfahrener Männer abgehalten werden. Die entscheidende Kraft der übernatürlichen Hilfen werde dabei immer bedacht47.

VII. Die Weiterbildung nach dem Studienabschluss
22. Die priesterliche Bildung muss gerade wegen der Bedürfnisse der heutigen Gesellschaft auch nach abgeschlossenem Seminarstudium noch fortgesetzt und vervollständigt werden48. Die Bischofskonferenzen müssen darum in den einzelnen Ländern geeignete Wege finden, wie zum Beispiel Pastoralinstitute, die mit Musterpfarreien zusammenarbeiten, sowie periodische Zusammenkünfte und entsprechende Übungen. Durch sie soll der jüngere Klerus in geistlicher, intellektueller und pastoraler Hinsicht schrittweise ins priesterliche Leben und ins apostolische Wirken eingeführt werden; sie sollen eine ständige Quelle der Erneuerung und Forderung sein.

Schlusswort
Die Väter dieser Heiligen Synode führen das Werk des Konzils von Trient fort, wenn sie den Oberen und Professoren der Seminarien vertrauensvoll die Aufgabe übertragen, die künftigen Priester Christi im Geist der Erneuerung, wie sie von dieser Heiligen Synode gefordert wird, zu erziehen. Jene, die sich auf das Priesteramt vorbereiten, ermahnen sie eindringlich, in dem Bewusstsein zu leben, dass ihnen die Hoffnung der Kirche und das Heil der Menschen anvertraut sind; sie mögen die Bestimmungen dieses Dekrets bereitwillig annehmen und reiche, unvergängliche Frucht bringen.





Anmerkungen:
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und Luther?


...für den gibt es kein priesterliches Weihetum
(wie ja in Nur mit Weihe? bereits erläutert) :
Denn

Alle Christen
sein wahrhaftig geistlichen Stands,
und es ist unter ihnen kein Unterschied,
denn des Amts halben allein. ...
Was aus der Tauf krochen ist,
das mag sich rühmen, das es schon
Priester, Bischof und Papst
geweihet sei.

Martin Luther












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