Notizen zu einem freien christlichen Handeln

Volker David Lambertz
( siehe Anmerkungen/Fußnoten am Ende diese Beitrages ->
(Anmerkungen) ! )



Wohin wenden wir uns konkret,
als überkonfessionell strebende Christen,
als Anthroposophen,
insbesondere in den Hoch-Zeiten des Lebens:
wenn eine Taufe, Trauung, Bestattung aber auch die kultische Vertiefung durch das Zentralsakrament vor uns steht ?
Wohin, wenn wir allgemein-christlich 1) suchen
und uns keiner gesonderten Religionsgemeinschaft,
Kirche, Konfession anschließen,
bzw. ökumenisch innerhalb dieser, unabhängig neue Tiefen suchen, anregen wollen? 2)

Unübersehbar «ergibt sich als not-wendig, dass das christliche Freiheitselement auch dem Wesen des Kultus, dem Sakramentalismus einverleibt werden muss. Das heißt, dass zunehmend nach der Zukunft hin nicht mehr der Eine (Priester) für die Anderen alle das Opfer zu vollbringen haben wird, sondern dass der Eine mit dem Anderen gemeinschaftlich das Gleichwerden der Menschen gegenüber dem Christus, der als Sonnenwesen auf die Erde heruntergestiegen ist, erleben soll.» 3)
«Die Kirche kann, wenn sie sich richtig versteht, nur die eine Absicht haben, sich unnötig zu machen auf dem physischen Plane, indem das ganze Leben zum Ausdruck des Übersinnlichen gemacht wird.» 4/5)
«Voraussetzung zu all dem ist die Spiritualisierung des Denkens. Erst davon ausgehend wird man dazu kommen können, nach und nach alle Lebensbetätigungen zu sakramentalisieren. Dann werden sich aus der Erkenntnis der geistigen Wirklichkeiten heraus auch die alten Zeremonien ändern, weil es da, wo man Wirklichkeiten hat, keiner Symbole mehr bedarf.» 6/7)
«Alle freie Religiosität, die sich in der Zukunft innerhalb der Menschheit entwickeln wird, wird darauf beruhen, dass in jedem Menschen das Ebenbild der Gottheit wirklich in unmittelbarer Lebenspraxis, nicht bloß in der Theorie, anerkannt werde.
Dann wird es keinen Religionszwang geben können, dann wird es keinen Religionszwang zu geben brauchen, denn dann wird die Begegnung jedes Menschen mit jedem Menschen von vornherein eine religiöse Handlung, ein Sakrament sein, und niemand wird eine besondere Kirche, die äußere Einrichtungen auf dem physischen Plan hat, nötig haben, das religiöse Leben aufrechtzuerhalten.» 8/9)

Weg dahin und Quelle dazu kann die Anthroposophie - als eine «Philosophie der Freiheit» 10) - sein. Als ein freilassender, interreligiöser Schulungs- und Erkenntnisweg führt sie zum Erwachen am (Christus im) anderen Menschen. Hier wird ein unmittelbares Anknüpfen 11) der Bewusstseins-Seele an das Mysterium von Golgatha, an die Gegenwart der Geistigen Welt ermöglicht, aus der «moralischen Intuition» eines «ethischen Individualismus» 12). So wird Anthroposophie «selbst Gottesdienst» 13) und kann den würdig und ernstlich Strebenden direkt zur Verbindung mit IHM, zur «geistigen Kommunion» 14/15) führen. Letztendlich mündet sie in die Verchristlichung und Sakramentalisierung des ganzen Lebens. 16)
Anthroposophie ermöglicht Mitgliedern aller Religionen 17) und Konfessionen einen freien 18), unabhängigen, unmittelbaren Weg zur Geistigen Welt und dem Christus.
Sie ist auf die Freiheit und individuelle Erkenntnis des Strebenden aufgebaut 19) und lässt jedem seine Religion, Konfession. Damit anerkennt sie genauso eine freie christliche, individuell-religiöse und entsprechend kultische Gestaltung des eigenen Lebens an.

Mit welchen Handlungen, welchen Texten könnten aber die Konzentrationspunkte des religiösen, kultischen Lebens er- und gefasst werden, wenn eine spezielle Kirche nicht in Frage kommt?
Meist wird versucht eigene Formen und Worte zu finden.
Woran aber orientieren wir uns, wenn wir uns - aus welchen Gründen auch immer - noch nicht in der Lage sehen eigene Sakramentstexte und -formen zu fassen, zu formulieren?
Dann sind wir auf gegenwärtig verfügbare Texte angewiesen.
Auf der Suche nach zeitgemäßen 20), freien, sakramentalen Handlungen sind diese Fragen auch Rudolf Steiner gestellt worden 21). Und er antwortete auch hier.
So besteht auf dem Weg zur spirituellen Emanzipation des Christen-Menschen die kultushistorisch bedeutsame Tat Rudolf Steiners nicht nur in der Geburtshilfe für eine «erneuerte» Kirche 22) - die segensreich und für viele wichtig und richtig war und ist 23) -, sondern vor allem in der Zukunftssaat eines freien christlichen, überkonfessionellen, sakramentalen Impulses.

Auf Grund der vorgetragenen Anliegen und Fragen, aber natürlich auch besonders mit dem Blick auf die Notwendigkeiten der Zukunft, vermittelte Rudolf Steiner einen - allerdings bis heute nur teilweise aufgegriffenen 24) - Kreis von kirchenunabhängigen und allgemein-("laien"-)priesterlichen Sakramenten 25/26),
einen «spezifisch anthroposophischen» Weg 27) :

das in seiner kultischen Entwicklung weitergeführte
- Zentralsakrament 28/29), die «OPFERFEIER» (1923 ) 30)
den Religionslehrern 31) der Freien Waldorfschule
und den heilpädagogischen Heimen,
letztlich aber für jeden, der diese wünscht 32) ,
und hierzu
- die Sonntags-Handlungen für die Schul-Kinder (1920 33) )
- und das Sakrament der JUGENDFEIER (Konfirmation) (1921 34) );
- die TAUFE (1921 35) ),
- die TRAUUNG (1922 36) ),
- die BESTATTUNG (1919 37) )
erhielten Wilhelm Ruhtenberg 38) bzw. Hugo Schuster 39)
als damit einzeln und unabhängig wirkende Anthroposophen.Letztlich ist der GANZE ORGANISMUS des siebenfältigen Sakramenten-Kreises möglich und gegeben. 40)

Damit konnte Rudolf Steiner einen kultushistorisch weiterschreitenden, freien, kirchenunabhängigen, allgemein-christlichen = allgemein-("laien"-) priesterlichen Weg aufzeigen. 41) Diese Handlungen ermöglichen uns als Christen und Anthroposophen SEINEN Auftrag «Gehet hin, und taufet...» 42) zeitgemäß und mündig aufzugreifen, in dem wir unseren danach bittenden Mitmenschen eben a u c h sakramental beistehen, ohne einer spezifischen Konfession anzugehören - als freie Christen -, allein in Seinem Namen, in Seiner Nachfolge, jedem Bruder. 43)
SEIN und unser Ja dazu, kann dann zu einem intimen Sakrament, einer "Priester"-Weihe für den jeweiligen Actus werden, die der Christus selbst 44) im Innersten des demütig Strebenden, unabhängig aller Institution, vollzieht. 45)
Die Frage der Befähigung und Berechtigung zum sakramentalen Handeln ist hier nun keine mehr, die andere Menschen oder Institutionen beantworten können. 46)
Charakteristisch für diesen Impuls ist seine «freie christliche», urchristlich-universale und so auch grundsätzlich ökumenische Position und Wirksamkeit, seine Unabhängigkeit von irgendeiner Konfession. Er bindet an IHN allein und gehört damit nicht der irdischen Besitz- und Rechtssphäre irgendeiner Institution an, weil er Sein Wirkenwollen in jedem Menschen-Schicksal individuell fassen will, aus Seiner Höhe, einer Ebene, auf der die Menschen nicht mehr in Konfessionen eingeordnet werden.
Und somit können die Steinerschen Fassungen unterschiedlichsten Perspektiven, unterschiedlichsten Bewusstseinsstufen und Menschengruppen, d.h. «verschiedenen Lebenszusammenhängen» dienen.

So sah das auch Rudolf Steiner und deshalb konnte er, als und weil er gefragt wurde, neue Sakraments-Texte 47) problemlos - sogar wortgleich - zwei ganz wesens- und aufgabenverschiedenen Strömungen reichen :
allgemein-priesterlich :
kultisch engagierten Anthroposophen
und - in Verantwortung für die Waldorfschulen und Heime -
der spirituell universalen Anthroposophischen Gesellschaft/-Bewegung, als «allgemein in die Menschheit hineingestellt» 48)
und dann, da es «Bevölkerungskreise gibt, die nicht innerhalb der anthroposophischen Bewegung stehen» 49/50) ,
auch kirchlich-priesterlich :
der Religionsgemeinschaft «Die Christengemeinschaft».
Rudolf Steiner forderte dazu auf, es als «lehrreich» zu betrachten, dass das gleiche Ritual 51/52) als «Ausdruck verschiedener Lebenszusammenhänge» verwendet werden könne:
Denn allein der Text ist zwar mehrfach 53) gleich, alles andere aber anders! 54)

Während die «Schulhandlungen» in den Freien Waldorfschulen und heilpädagogischen Heimen seitdem bis heute treu gehalten wurden (und erst seit einiger Zeit immer weniger Zuspruch erhalten), war es schon sehr bald fast unmöglich die außerschulischen "freien" Sakramente - Taufe, Trauung, Bestattung - zu wählen, zu empfangen, bzw. zu spenden.
Denn mit der Begründung der Kirche «Die Christengemeinschaft» entstanden unerwartete Probleme:
Innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft vermissten viele Mitglieder die Ausbildung der sozialen Mitte, des praktisch religiösen Elementes, bis zum kultischen Handeln, das ja lediglich von Schuster und Ruhtenberg kurze Zeit gehandhabt und nie als eine eigene und erst recht nicht als eine gemeinschaftsbildende Aufgabe der anthroposophischen Bewegung erkannt und ergriffen wurde.
Dann kam die Begründung einer aus der Anthroposophie heraus «erneuerten Kirche». Und nun vermeinten viele Anthroposophen endlich die zeitgemäße, religiöse Heimat - eine "Anthroposophen-Kirche" - bekommen zu haben.
Dem widersprach Rudolf Steiner in eindringlicher Weise in einem Vortrag am 30.12.1922 :
«Die Christengemeinschaft» war als eine ganz eigenständige Kirche gerade für diejenigen gedacht, die außerhalb der anthroposophischen Bewegung standen 55), als eine «Bewegung für religiöse Erneuerung», die zwar einen aus der spirituellen Tiefe der Anthroposophie geschöpften Kultus zu pflegen hatte, aber in jeder Hinsicht eine autonome Kirche sein sollte, für die Menschen, die gerade nicht Anthroposophie selbst suchten.
Denn «Diejenigen, die den Weg einmal in die Anthroposophische Gesellschaft gefunden haben, brauchen keine 'religiöse Erneuerung'.» 56) Die Anthroposophische Gesellschaft ist eine «interreligiöse», geisteswissenschaftliche Forschungsstätte, eine Gemeinschaft Strebender völlig unabhängig deren bzw. einer Religion oder christlichen Konfession. Eine spezielle Religion, bzw. Kirche der Anthroposophen gibt es nicht, das ist die «Privatsache» jedes Einzelnen 57) ! "Jedem das Seine." Die Frage wäre gewesen: Wie müsste ein «spezifisch anthroposophischer Weg» aussehen? Die Tragik war: Es gab den Weg, aber man nahm ihn in seiner Bedeutung nicht wahr...
Statt als "dritte Kraft" zwischen den Staatskirchen spirituell offenen, suchenden Menschen eine freiheitliche und esoterisch und kultisch vertiefte Alternative und Erneuerung zu bieten, rekrutierte nun die «Christengemeinschaft» ihre Mitglieder bis heute maßgeblich aus der Anthroposophen- und Waldorfscene, weil sie außerhalb dieser relativ erfolglos blieb. 58) Die «Christengemeinschaft» wurde dadurch faktisch zur "Anthroposophen-Kirche" 59/60) und für - viel zu viele - potenziell Interessierte befremdlich, exklusiv und für Außenstehende und für die Öffentlichkeit zur Sondergemeinschaft, zur "Sekte".
Die Klarstellungen Steiners erreichten die Anthroposophen nur ungenügend und verpufften, die Folgen der nicht ausgebildeten Mitte traten schon gleich nach Steiners Tod zutage: die Anthroposophische Gesellschaft wurde in dramatischer Weise verdunkelt und gespaltet. 61)
Seither wurde ein freier christlicher Weg (außerhalb der «Schulhandlungen») - als ein spezifisch anthroposophischer - seitens eines Großteils der Anthroposophenschaft (die nun Mitglied der «Christengemeinschaft» waren) und natürlich seitens der Kirche «Die Christengemeinschaft», bis heute relativiert und abgelehnt und vor allem wurde über ihn nicht informiert, im Gegenteil...
62/63/64/65/66)
So war eine Uninformiertheit gegeben, in der man als normal informierter Anthroposoph von einem "freien christlichen, anthroposophisch sakramentalen Weg", von Ruhtenberg, Schuster und Geyer, von Taufe, Trauung, Bestattung an diese, nichts mehr hörte und wusste.
So konnte «Die Christengemeinschaft» nun auch unangefochten den Anspruch erheben 67), allein für ein anthroposophisch sakramentales Handeln mit den von Rudolf Steiner erfassten Sakramentstexten zuständig zu sein; ja sogar behaupten, dass die Texte, die zuvor der freie christliche Impuls erhalten hatte, an sie, in ihren "Besitz" übergegangen seien. 68) Ein freies christliches Handeln (außerhalb der «Schulhandlungen») wurde damit als eingestellt, überflüssig, und dann gar als unberechtigt, destruktiv und schließlich als Sakrileg dargestellt .... bis heute.
Und so gibt es seitens der «Christengemeinschaft» (von höchster Ebene) auch kein Zugeständnis gegenüber den «freien christlichen» Anthroposophen: «Weder eine erneute Herausgabe der nunmehr 'Studienmaterial zur Kultusfrage' getauften Veröffentlichung (das Kultus-Handbuch - VDL), noch das Arbeiten daran, auf die Ebene eines Eingeweihten zu gelangen, der in der Lage wäre, eigene Kultusformulierungen zu geben, kann einer Priesterschaft zugemutet werden.» (Taco Bay, als Erzoberlenker der CG) 69)
Eine Tragik, die hier nicht weiter vertieft werden soll. 70/71)

Sollten und könnten wir aber nicht heute - am Beginn eines neuen Jahrtausends und nach der Veröffentlichung fast des gesamten Werkes Rudolf Steiners - nun endlich den Mut ergreifen, die «Freiheit des Christenmenschen» ernst zu nehmen, uns über alte Vorurteile hinwegzusetzen, unsere "spezifisch anthroposophische" Aufgabe zu erkennen und den kultushistorisch nötigen und möglichen Schritt auch konkret zu ergreifen?
So arbeiten seit Pfingsten 1996 72) (im damals noch als «INITIATIV-KREIS KULTUS» benannten Arbeitskreis) kultisch engagierte und interessierte, kirchenunabhängige Anthroposophen 73) autonom an den Fragen der inneren und äußeren Realisierung freier christlicher Sakramente. 74)
Auf Grund der schon bald vorgenommenen Differenzierung dieser Arbeit, wirken nun in den «Initiativen für ein freies christliches, anthroposophisch sakramentales Handeln» speziell für die praktische Verfügbarkeit der von Rudolf Steiner vermittelten sieben Sakramente vor allem die Initiative «FREIE CHRISTLICHE ARBEITS-GEMEINSCHAFT» 75), während die allgemeinen, anthroposophischen und kultischen Grundlagen in einem internen ARBEITSKREIS KULTUS erarbeitet werden. Die Frage einer freien christlichen Gemeinschaftsbildung soll die Initiative «Gemeinschaft Freier Christen» bewegen, für die Publizität engagiert sich der «FÖRDERKREIS FORUM KULTUS».

Natürlich gibt es nicht nur innerhalb der anthroposophischen Bewegung kirchenunabhängige, frei christlich Interessierte und Wirkende und deshalb natürlich nicht nur die hier vertretenen Gesichtspunkte und Wege. 76)
Und so kann es auch nicht darum gehen andere auf die für uns relevanten Fassungen und Sichten Rudolf Steiners oder auf ganz bestimmte Sakramente festlegen zu wollen, ebenso wenig "alle Anthroposophen" nun auf einen "freien christlichen" Weg hinzuweisen bzw. zu verpflichten.

Jede freie christliche Sakramentenspende ist sowieso grundsätzlich ein jeweils individuell und neu zu erringendes Ereignis. Entsprechend den Bedürfnissen, Möglichkeiten und Einsichten der Zelebrierenden wie auch der Empfangenden muss dieser Akt immer wieder neu geschaffen werden. Es ist ein Geschehen, dem ein doktrinäres Festhalten an einzelnen Wörtern eines "einmal gegebenen Wortlautes" eines unveränderbaren Textes 77) widersprechen würde.
So sieht das auch Rudolf Steiner für die von ihm vermittelten, «erneuerten» Sakramente:
«Nehmen Sie auch so etwas als einen Anfang hin, und wissen Sie, dass da, wo man in ehrlicher Weise einen solchen Anfang will, sich schon auch die Kräfte finden werden zur Verbesserung desjenigen, was in einem solchen Anfange gegeben werden kann. ... Es wird Ihnen aber gerade an diesem Beispiel klar sein können, wie überall eben aus dem Lebendigen heraus das Kultusartige gesucht werden muss. ... Etwas Prinzipielles kann es im Leben der Welt überhaupt nicht geben, sondern es kann nur das sich in Leben Wandelnde geben. Das darf man nicht als eine Inkonsequenz betrachten, sondern als eine Forderung des Lebens selbst.» 78)
So entsteht jedem kultisch Strebendem die Frage, ob nun, fast ein Jahrhundert später, sich nicht auch das von Rudolf Steiner in Worte gefasste, freie christliche Kultus-Wesen, gemäß der sich gewandelten Zeit, ebenso lebendig gewandelt hat, bzw. wandeln will? 79) Dann aber müsste auch seine gegenwärtig aktuelle Gestalt in «Form und Inhalt» gefunden werden. 80) Würde man die Sakramente mangels Einsicht in ihrer "alten" Form belassen, wären sie nicht mehr wahr.
Andererseits stehen wir vor dem Problem, dass angemessene, eigene Einsichten, ER-Fassungen und Formulierungen oft noch unzureichend sind.
Bis wir so weit sind, das reale übersinnliche Geschehen des sakramentalen Aktes selbst erblicken und in Erdenworte fassen zu können, dürfen wir dankbar auf die Gabe konkret formulierter Texte eines Eingeweihten, auf die Fassungen Rudolf Steiners blicken.
Dem kultisch Sensiblen wird bald spürbar, dass den Texten Rudolf Steiners eine Wesens-Wirklichkeit, eine Wahrheit, eine objektive Realität innewohnt, die einer übersinnlichen und klaren Erkenntnis dieses Kultus-Geschehens entspringen muss. «Es ist jedes Wort abgewogen, nicht nur so weit, dass es als Wort dasteht, sondern es steht auch jedes Wort an seinem richtigen Orte und im richtigen Verhältnis zum anderen Worte.» 81) Denn dasjenige, was der Kultushandelnde «hier tut, .. seinen Kultus verrichtet, das hat sein Ursprungsbild in der anstoßenden übersinnlichen Welt, wo, während wir hier .. den irdischen Kultus verrichten, der himmlische Kultus verrichtet wird von der anderen Seite, von den Wesenheiten der anderen Seite des Daseins ... Nur dann ist ein Kultus eine Wahrheit, wenn er diesen realen Ursprung hat.» 82)
Diesen hat er durch die Realität Seiner An-Wesenheit in der aktuellen Kultus-Handlung. Diese ist ein Kind Seiner Gegenwart. Nicht abstrakte "ewig gültige Gesetze", sondern die lebendigen, in den am momentanen Geschehen beteiligten Menschen tatsächlich vorhandenen Impulse, Fragen, Bedürfnisse und Möglichkeiten 83) mussten und müssen ins Auge gefasst werden. Das tat auch Rudolf Steiner und deshalb gab er immer zeitgemäße Antworten.
Somit bleiben sie immer "Zwischenstationen".
Sie sind Ausgangspunkt für den grundsätzlich notwendigen, unvermeidbaren Schritt: unser Nachtasten der Evolution des Sakramentalen, das Erlauschen und Finden der gegenwärtig adäquaten Wortgestalt des entsprechenden Sakramentes. Dann ist auch nötigenfalls ein dementsprechendes Individualisieren, Aktualisieren des Wort-Spiegels des Sakramentes möglich. Der Christus will immer zeitgemäß, individuell fruchtbar, wirkungsvoll und in Liebe wirken. Ein entsprechendes Streben wird Er inspirieren, begleiten und durchdringen!
Unvermeidbar bleibt also die Forderung mit diesen Worten meditativ, innerlichst, in aller Demut umzugehen und die Worte, der in einer bestimmten historischen und konkreten Situation geformten Sakramente, immer wieder aktuell zu ER-fassen, so schwierig dies auch sein mag. 84)
Aber vielleicht zeigt sich dann doch auch eine Zeitlosigkeit des sakramentalen Geschehens (das mit einem viel längerem Atem wirkt als unsere kurzatmige Zeit), das, in der Fassung Rudolf Steiners auch heute noch, nur an ganz wenigen Stellen anzugleichen wäre?
In jeder Hinsicht sind daher für die kultische Arbeit die nun im Kultus-Handbuch «Die Sakramente» zusammengestellten, originalen Sakraments-Texte Rudolf Steiners ein hohes, unschätzbar wertvolles und deshalb zu schützendes Gut.
Weil dieses dem suchenden Menschen nicht vorenthalten werden darf, hat auch die Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung bisher alle Sakraments-Texte veröffentlicht. Dennoch ist ihr Schutz möglich. Er liegt - zeitgemäß - nicht mehr in der Zurückhaltung der gedruckten Texte, sondern im nötigen Schwellenübertritt: in der Verwirklichungs- und Wandlungskraft der Handlung selbst als Gemeinschaftstat, im Offenbarwerden Seiner Anwesenheit, im ER-leben der Vereinigung mit Ihm, letztlich in Seiner Gnade. Wem der Durchbruch zu dieser Realitätsebene nicht gelingt, dem bleibt auch der Text und selbst die Handlung nur unwirksamer und unverständlicher "Schall und Rauch", und, missbräuchlich benutzt, schädlich. 85) ER wird sich also weiterhin nur dem demütig Strebenden, Wahrhaftigen, Würdigen enthüllen! Der Geist dieser Kultushandlungen schützt sich so und selbst.
«Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin JCh mitten unter ihnen.» 86)
Gerade die Sakramente entstehen und leben aus der lebendig gelebten Christus- und Christen-Gemeinschaft, sodass Hoffnung auf Seinen Beistand bestehen darf.
Trotz aller individuellen Verantwortung stellt sich die Frage, ob nicht auch dieser freie und letztlich jeder christliche Kultus eine Kultus-Trage- und Verantwortungs-Gemeinschaft braucht, die diesem Kultusimpuls einen geschützten Raum und Ihm eine besonders vorbereitete, qualifizierte, verlässliche Schale bietet, die zum Konzentrations- und Kraftort auf dem gemeinsamen Weg Ihm entgegen wird? 87)
Auch hier wird es um zeitgemäße Impulse gehen und auch hier können wir Rat von Rudolf Steiner bekommen. 88)
Mit der Initiative «Freie christliche Arbeits-Gemeinschaft» versuchen wir diese Schale, diesen Schutz-Raum zu ERbilden.
Es kann ohne weiteres viele verschiedene solcher Räume geben, entsprechend der individuellen Bedürfnisse und Möglichkeiten der Tragenden. Denn es geht ja gerade nicht um eine zentrale Struktur, gar um eine "neue Kirche", ein "Kontroll- und Machtzentrum", "neue personelle oder institutionelle Hierarchien" 89), sondern um jeweils individuell aber brüderlich geprägte, autonome, dezentrale, freie Such-, Schul- und Tat-Gemeinschaften, die ggf. in einem Netzwerk gleichberechtigte und eigentlich auch dreigegliederte 90) Wahrnehmungs- und Verwirklichungsforen bilden.
Und damit stehen wir vor den Forderungen der Freiheit. Ob und was und wie etwas geschieht, liegt ganz bei Ihnen. Die geistige Welt muss warten auf unsere freie Tat. «Aus dem Ernst der Zeit, muss geboren werden der Mut zur Tat» (Steiner)
Natürlich kommt es für einen freien christlichen Impuls nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität an.

Suchen wir einen Wurzelgrund und einen Manifestationsakt für ein brüderlich/schwesterliches, christliches, sakramentales Engagement, verweist uns der Organismus der Sieben Sakramente beide mal auf das Sakrament der Weihe.
Was ist, wie entsteht die «Weihe» für den freien Christen heute, der kirchenunabhängig, allgemein-priesterlich und doch sakramental berechtigt 91) handelt?
Unsere Aufgaben und Möglichkeiten reichen heute tiefer und weiter.
Somit wird sich auch das ändern, was bisher dazu berechtigte.
Die alte Amts-Priester-Weihe als gleichzeitig Anknüpfungsort der Einbindung in das hierarchische Zwei-Stände-Prinzip kann hierbei keine Grundlage sein.
Die zukunftsweisende Weihe wird eine pfingstliche Weihe sein, ein herunterflammendes Tat-Sakrament, ein Sakrament der «Verbindung» 92), in dem Er sich meiner Tat verbindet, weil ich Seinen Willen «gehet hin und taufet...» ausführe und Ihm als Werkzeug verbindlich zur Verfügung stehe.
Sie ist vielleicht auch dasjenige, was in der «Erwachsenen-Taufe» lag und liegen wird. ...
Eine freie christliche Weihe muss sich immer ganz individuell aus der Zwiesprache mit IHM ergeben und kann niemals von außen dekretiert werden.
Erst wenn sie durch eine Liturgie öffentlich gemacht, wenn sie - nachträglich - auch zur Aufnahme in eine bestimmte Gemeinschaft führen und von dieser mitgetragen werden soll, ergibt sich die Frage nach einem dies schildernden Text.
Der Frage der Weihe wird ausführlich im Kap. «Nur mit Weihe?» nachgegangen!

Weiterhin stellt sich die Frage, wo neben dem liturgischen, kultischen Dienst der seelsorgerische und soziale Einsatz bleibt, die Liebe und Fürsorge füreinander 93); denn auch diese Aufgaben gibt ER uns.
Aber das ist noch nicht alles. Neben der Sorge für/um den Mitmenschen, kommt die für die ganze Schöpfung = Welt/ Umwelt; und so wird Christ-Sein letztlich auch politisch 94); Christ-Sein umfasst alle Lebensbereiche...

Trotz alledem: Wie sich Christ-Sein und insbesondere ein freies christliches, sakramentales Handeln jeweils individuell und konkret gestaltet, wie es erarbeitet und wie es angeboten wird, kann nicht an dieser Stelle beschrieben oder gar vorgeschrieben werden, das können und müssen allein die Betroffenen individuell und in aller Freiheit und selbst erlauschen, erbitten, bestimmen, in innerer Zwiesprache mit IHM.
Aber auch die konkrete Nachfrage wird das Angebot regeln 95).

Gott offenbart sich in einer Vielfalt, die er sich nicht durch die Dogmatik irgendeiner speziellen Weltanschauung einschränken lassen wird. Wir können Ihm überall begegnen. 96)
Jedem das Seine, an seinem Platz, auf seinem Kreuzweg, in der Liebe zum - vielleicht auch ganz anderen - Weg des DU.
Gerade die verschiedenen und leider kontrovers zueinander stehenden Möglichkeiten christlichen, sakramentalen Handelns harren einer intensiven Erarbeitung, verlangen größte Freiheit, Toleranz und Sensibilität und verweigern sich dogmatischer Behandlung.
Mit der Herausgabe der Zusammenstellung der freien christlichen Sakramente und mit der Begründung verschiedener Arbeitskreise ist die Thematik natürlich noch lange nicht abgeschlossen. 97)
Indem nun alle Sakramente 98) in der freien christlichen Fassung Rudolf Steiners jedem Ihm Nachstrebenden verfügbar sind, soll auch für die kultische Praxis ein spirituell tiefer und ökumenisch freiheitlicher, pfingstlicher Weg eröffnet und ermöglichet werden. ...

Allgemeine Kirche, gleich der Sonne,
Sammelplatz auserwählter Geister,
freigesprochen von Sinnestäuschung,
nur Wahrheit schauend ewig!
Ihre Zugänge geöffnet allen Völkern,
die ganze Menschheit segnend
und kein Wesen ausgenommen.
Bettina von Arnim

Das allgemeine Mensch=Priester-Sein wird früher oder später als allgemeine Zeit-Forderung einer sich weiterentwickelnden Christenheit so oder so vor uns stehen, und auf der anderen Seite eine immer größere und dramatische, spirituelle Verdunklung, Vereinsamung und Not.
Wir können und müssen schon heute darauf antworten...Hoffen und bitten wir, dass unsere Hoffnungen und Ideale nicht nur Utopien bleiben,
und dass trotz aller Schwachheit und Unzulänglichkeit
dennoch ER hinter uns stehe,
wenn unser Schicksal uns aufruft,
dem Du auch sakramental beizustehen ...

«Gehet hin ... JCh bin bei euch alle Tage !»






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Sie finden diesen Beitrag auch in der Broschüre

"Nachkirchliches Christ-Sein"

FORUM KULTUS - Volker Lambertz
Bod-Verlag, ISBN 978-3-8423-6570-4

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Anmerkungen


Hinweise auf Seitenzahlen ohne Bezug beziehen sich auf die Seiten im Info-Buch «Freie Sakramente heute?», das Sie kostenlos beim Förderkreis Forum Kultus anfordern können!

1) «Allgemein-christlich» wird hier begrifflich mit «laien-priesterlich» und «allgemein-priesterlich» gleichgesetzt, d.h. einem berechtigten und wirkungsvollen, sakramentalen Handeln auch durch "Nicht-Geweihte", also Christen ohne traditionelle, institutionell erteilte «Priester-Weihe». Siehe dazu Kap. «Nur mit Weihe?» und weitere Erläuterungen in den Fußnoten 25/31/38/39.
2) «Der Christus hat einmal gesagt: 'Ich bin bei euch bis ans Ende der Erdentage'. Und er ist nicht bloß als ein Toter, er ist als ein Lebender unter uns, und er offenbart sich immer. Und nur diejenigen, die so kurzsichtig sind, dass sie sich vor dieser Offenbarung fürchten, sagen, man solle bei dem bleiben, was immer gegolten hat. Diejenigen aber, die nicht feige sind, wissen, dass der Christus sich immer offenbart.» Rudolf Steiner, «Weltwesen und Ichheit», GA 169/2, S.44.«Der nur hat die wahre Meinung von dem Christentum, der durchdrungen ist von der Überzeugung, dass alle Kirchen, die den Christus-Gedanken gepflegt haben, alle äußeren Gedanken, alle äußeren Formen zeitlich und daher vorübergehend sind, dass aber der Christus-Gedanke sich in immer neuen Formen hereinleben wird in die Herzen und Seelen der Menschen in der Zukunft, so wenig diese neuen Formen sich auch heute zeigen.» Rudolf Steiner, 13.10.1911, GA 131.«...die Menschheit ist gegenwärtig auf einer Entwicklungsstufe angelangt, auf der ein großer Teil von ihr alle Religion verlieren würde, wenn die ihr zugrunde liegenden, höheren Wahrheiten nicht auch in einer Form verkündigt würden, so dass auch das schärfste Nachdenken sie als gültig ansehen kann. Die Religionen sind wahr, aber die Zeit ist für viele Menschen vorüber, in der Begreifen durch den bloßen Glauben möglich war. Und die Zahl der Menschen, für die das gilt, wird in der nächsten Zukunft mit ungeahnter Schnelligkeit zunehmen. Das wissen diejenigen, welche die Entwicklungsgesetze der Menschheit wirklich kennen. Wenn die den religiösen Vorstellungen zugrunde liegenden Weisheiten nicht in einer dem vollkommenen Denken standhaltenden Form in der Öffentlichkeit verkündet würden, so müssten alsbald der völlige Zweifel und Unglaube gegenüber der unsichtbaren Welt hereinbrechen. Und eine Zeit, in der das der Fall wäre, wäre trotz aller materiellen Kultur eine Zeit, schlimmer als eine solche der Barbarei.» Rudolf Steiner, 14.8.1906, GA 34, S.273f.
3) (Siehe Beitrag zuvor - S.37ff - von) Hella Wiesberger, Einleitung zum Buch «Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule von 1904 bis 1914», Rudolf Steiner, GA 265 (1987), S.19-20. Siehe dazu auch Rudolf Steiner, «Das Verhältnis der Sternenwelt zum Menschen und des Menschen zur Sternenwelt», 23.12.1922, GA 219.
4) Rudolf Steiner, «Was tut der Engel in unserem Astralleib?...», 9.10.1918.
5) «Und so wird für alle diejenigen, welche das äußere Symbolum brauchen, um einen geistigen Aktus zu vollziehen, nämlich die Vereinigung mit dem Christus, das Abendmahl der Weg sein, der Weg bis dahin, wo ihre innere Kraft so stark ist, wo sie so erfüllt sind von dem Christus, dass sie ohne die äußere physische Vermittlung (von Brot und Wein VDL ) sich mit dem Christus vereinen können. Die Vorschule für die mystische Vereinigung mit dem Christus ist das Abendmahl - die Vorschule.» Rudolf Steiner, 7.7.1909, GA 112.
6) Hella Wiesberger, Einleitung zu GA 265, S.22, siehe Rudolf Steiner, 13.10.1911 und 11.9.1923.
7) So können die in uns lebenden meditativen Gedanken «eben dasselbe sein, nur von innen heraus, wie es das Zeichen des Abendmahls - das geweihte Brot - von außen gewesen» ist. Rudolf Steiner, 13.10.1911, GA 131, S.204.
Wie drastisch sich die Möglichkeiten geändert haben, zeigt die Frage Friedrich Rittelmeyers: «Ist es nicht auch möglich, Leib und Blut Christi zu empfangen o h n e Brot und Wein, nur in der Meditation?» und die Antwort Steiners: «Das ist möglich. Vom Rücken der Zunge an ist es d a s s e l b e » GA 265, S.27.
8) Rudolf Steiner, «Was tut der Engel in unserem Astralleib?...», 9.10. 1918.
9) «Deshalb müssen wir eben nicht bloß eine Erneuerung des alten Kultus suchen, sondern wir müssen nach einem Kultus suchen, welcher aus uns selbst heraus geschaffen werden kann, aber so geschaffen werden kann, dass das Göttliche in uns schafft in dem Sinne, wie ich es ja schon besprochen habe, so dass das Pauluswort wahr werden muss im Evangelienauslegen wie in allem religiösen Wirken: Nicht ich, sondern der Christus in mir.» Rudolf Steiner, 3.10.1921 nachmittags, GA 343/15, S.302-303.
10) So auch eines der Hauptwerke Rudolf Steiners, GA 4, Rudolf-Steiner-Verlag, CH-Dornach.
11) «Deshalb dürfen wir dasjenige, was er (Christus heute) als Anthroposophie offenbart, als eine wirkliche Christus-Offenbarung aufnehmen. Oft, meine lieben Freunde, werde ich gefragt von unseren Mitgliedern: Wie setze ich mich in Verbindung mit dem Christus? - Es ist eine naive Frage! Denn alles, was wir anstreben können, jede Zeile, die wir lesen aus unserer anthroposophischen Wissenschaft, ist ein Sich-in-Beziehung-Setzen zu dem Christus. Wir tun gewissermaßen gar nichts anderes.» Rudolf Steiner, «Weltwesen und Ichheit», GA 169/2, S.44.
12) Siehe Rudolf Steiner in «Die Philosophie der Freiheit».
13) Rudolf Steiner, 24.12.1923, GA 260.
«Wir können aber die höheren Welten nicht erkennen, ohne den Blick hinaufzurichten. Sobald wir aber den Blick hinaufrichten, erwachen die Impulse unseres Fühlens, und wir werden gegenüber demjenigen, was wir erkennen, andächtig beten. ... So wird unser Fühlen andächtig, unser Wollen gottinnig gemacht. ... Das ist ein Prüfstein ... Geisteswissenschaft hat ihren Probierstein darin, dass sie ausklingt in andächtige Verehrung dessen, was erkannt wird ... Das ist es ja auch, was sich ergibt aus der Geisteswissenschaft wie ein letztes Resultat, wie eine Rechtfertigung, dass sie ausklingt wie ein selbstverständliches Gebet.» Rudolf Steiner, GA 119/11, 271f.
«So beginnt Anthroposophie überall mit Wissenschaft, belebt ihre Vorstellungen künstlerisch und endet mit religiöser Vertiefung; beginnt mit dem, was der Kopf erfassen kann, geht heran an dasjenige, was im weitesten Umfange das Wort gestalten kann und endet mit dem, was das Herz mit Wärme durchtränkt und das Herz in die Sicherheit führt, auf dass des Menschen Seele sich finden kann zu allen Zeiten in seiner eigentlichen Heimat, im Geistesreich. So sollen wir auf dem Wege der Anthroposophie ausgehen lernen von der Erkenntnis, uns erheben zur Kunst und endigen in religiöser Innigkeit.» Rudolf Steiner, GA 257/2.
«Diese anthroposophische Bewegung ist nicht ein Erdendienst, diese anthroposophische Bewegung ist in ihrer Ganzheit mit all ihren Einzelheiten ein Götter-, ein Gottesdienst. Und die richtige Stimmung für sie treffen wir, wenn wir sie ansehen in ihrer Gänze als einen solchen Gottesdienst.» Rudolf Steiner, 24.12.23, GA 260.
14) Siehe Rudolf Steiner, vor allem GA 1b, 131, 198/16, 219/12, 260, 265, 269.
15) «... wenn wir verstehen, schon die Türe, schon die Pforte zu dem Raum - und mag er sonst ein noch so profaner sein, er wird geheiligt, durch gemeinsame anthroposophische Lektüre - als etwas zu empfinden, was wir mit Ehrerbietung übertreten. Und die Empfindung müssen wir hervorrufen können, dass das in jedem Einzelnen der Fall ist, der sich mit uns vereinigt zu gemeinsamem Aufnehmen anthroposophischen Lebens. Und das müssen wir nicht nur zu innerster abstrakter Überzeugung bringen können, sondern zu innerem Erleben, so dass in einem Raume, wo wir Anthroposophie treiben, wir nicht nur dasitzen als so und so viele Menschen, die aufnehmen das Gehörte, oder aufnehmen das Gelesene und es in ihre Gedanken verwandeln, sondern dass durch den ganzen Prozess des Aufnehmens anthroposophischer Ideen ein wirkliches real-geistiges Wesen anwesend wird in dem Raume, in dem wir Anthroposophie treiben. Wie in den in der sinnlichen Welt sich abspielenden Kultformen die göttlichen Kräfte auf sinnliche Art anwesend sind, müssen wir lernen mit unseren Seelen, mit unseren Herzen durch unsere innere Seelenverfassung übersinnlich anwesend sein zu lassen eine wirkliche Geistwesenheit in dem Raume, unser Empfinden, unser Denken, unsere Willensimpulse müssen wir einrichten können im spirituellen Sinne, das heißt nicht in irgendeinem abstrakten Sinne, sondern in dem Sinne, dass wir uns so fühlen, als schaute herunter auf uns und hörte uns an ein Wesen, das über uns schwebt, das realgeistig da ist. Geistige Gegenwart, übersinnliche Gegenwart müssen wir empfinden, die dadurch da ist, dass wir Anthroposophie treiben. Dann fängt die einzelne anthroposophische Wirksamkeit an, ein Realisieren des Übersinnlichen selbst zu werden.» Rudolf Steiner, «Anthroposophische Gemeinschaftsbildung», 27.2.1923, GA 257.
«Wenn wir dies erfassen, dann wird Geisteswissenschaft unmittelbar zur Andacht, wie zu einem gewaltigen Gebet; denn was ist ein Gebet anderes als dasjenige, was unsere Seele mit dem Göttlich-Geistigen, das die Welt durchwebt, verbindet. Dieses Gebet ist das, was ein Gebet heute sein kann. Wir müssen es uns erobern, indem wir die Sinneswelt durchleben. Indem wir dieses bewusst anstreben, wird ganz selbstständig das, was wir wissen können, zu einem Gebet. Da wird spirituelle Erkenntnis unmittelbar Gefühl und Erlebnis und Empfindung. Und das soll sie werden. Dann mag sie noch so sehr mit Begriffen und Ideen arbeiten: Ideen und Begriffe werden zuletzt gebetsartige reine Empfindungen, reines Fühlen. Das aber ist es, was unsere Zeit braucht.» Rudolf Steiner, 15.12.1912, GA 140.
16) Siehe auch Dieter Brüll, «Bausteine für einen sozialen Sakramentalismus».
17) «Anthroposophie als Wissenschaft vom Übersinnlichen und die Anthroposophische Gesellschaft als deren Gemeinschaftsträger sollten nicht an ein bestimmtes Religionsbekenntnis gebunden sein, da die Anthroposophie ihrem Wesen nach
interreligiös ist. Auch ihre zentralste Erkenntnis, die Erkenntnis von der Bedeutung des Christus-Geistes für die Menschheits- und Erdenentwicklung, beruht nicht auf derjenigen der christlichen Konfessionen, sondern auf der Einweihungswissenschaft, aus der alle Religionen einmal hervorgegangen sind. In diesem Sinne charakterisiert er (Steiner) es einmal als einen 'Grundnerv' der geisteswissenschaftlichen Forschungsaufgaben, den allen Religionen gemeinsamen übersinnlichen Wahrheitsgehalt herauszuarbeiten und dadurch 'gegenseitiges Verständnis der einzelnen aus den Initiationen hervorgehenden religiösen Strömungen über die Erde zu bringen' (Rudolf Steiner, 23.4.1912, GA 133, S.61ff.). Daraus ergibt sich als logische Folge, dass von der Anthroposophie her gesehen praktische Religionsausübung innerhalb einer Konfession Privatsache des Einzelnen sein muss. Das findet sich auch in den Statuten der Gesellschaft von Anfang an ausgedrückt.» Hella Wiesberger, GA 265, S.14.
18) Die AG versteht sich als die «freieste Gesellschaft der Welt». (Um "Anthroposoph" zu sein, ist deshalb eine Mitgliedschaft in der «Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft» nicht zwingend.) Das Werk Rudolf Steiners steht jedem Suchenden offen und ist in einer GA jedermann zugänglich niedergelegt.
19) Das Prinzip Rudolf Steiners (als Geisteslehrer) dazu: «Richte jede deiner Taten, jedes deiner Worte so ein, dass durch dich in keines Menschen freien Willensentschluss eingegriffen wird.» GA 10, «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», S.22.
20) «... Dass fortan alle Symbole und kultischen Handlungen nur dann zu Recht bestehen, wenn sie von der wachen, bewussten Erkenntnis erhellt und entsiegelt werden. Dieser Weg nach Christus geht von der Erkenntnissphäre des Hauptes in die versiegelten und verhüllten Seelengründe, er führt über das Herz bis in die Willenstiefen.» Fred Poeppig, «Hat der Kultus heute noch eine Bedeutung?».
21) In diesem Sinne traten Anthroposophen und Eltern bzw. Freunde der ersten Waldorfschule in Stuttgart an den freien christlichen Religionslehrer Wilhelm Ruhtenberg heran, in der Hoffnung, dass er als ehemaliger evangelischer Pastor und damit als "theologischer Fachmann" helfen könnte. Er sah sich dazu nicht in der Lage und reichte die Bitte nach geeigneten Sakramentshandlungen an Rudolf Steiner weiter. Siehe auch Fußnoten: 35/36/38/39.
22) Die 1922 mit Rudolf Steiners Ratschlägen von insbesondere Friedrich Rittelmeyer (als deren ersten «Erzoberlenker») begründete «Die Christengemeinschaft», siehe GA 342-345.
Die CG versuchte (evangelische) Freiheit und (katholische) Sakramentalität in einer «erneuerten Kirche» zu vereinen und durch die Anthroposophie zu vertiefen. Sie behielt aber trotz der Fortschritte der Lehrfreiheit der Priester (in den Grenzen der eigenen CG-Weltanschauung) und der Frauenordination, doch das "Zwei-Stände-Prinzip" (allein die kirchlich, amtspriesterlich Geweihten, nicht die allgemein-priesterlich Handelnden sind zum sakramentalen Vollzug berechtigt) bei und unterstellte den Pfarrer innerhalb ihrer Kirchenordnung einer Hierarchie. Siehe dazu auch Fußnoten 48/54/55.
23) Und sie wird es auch noch lange bleiben, so lange, wie es erforderlich sein wird, auch «denjenigen Menschen etwas zu geben, die zunächst - man muss da die historisch gegebene Notwendigkeit ins Auge fassen - nicht in der Lage sind, unmittelbar den Gang zur anthroposophischen Bewegung anzutreten.» Rudolf Steiner, 30.12.1922, GA 219.
24) Siehe Fußnote 40.
25) Dass diese Sakramente eindeutig der allgemein-/"laien-"priesterlichen Ebene angehören, zeigt sich schon daran, dass sie "Nichtgeweihten" («Laien») zum vollgültigen Vollzug gegeben wurden. Zum geistlichen Stand der sakramental Handelnden siehe Fußnoten 31/38/39, zu Ruhtenberg, Schuster und den Religionslehrern. Zur Frage der Berechtigung/Weihe siehe unten Kap. «Nur mit Weihe?».
26) Weil die Siebenheit der Sakramente (wie sie auch Rudolf Steiner vermittelte) eine Einheit bilden, werden hier die getrennt gegebenen allgemein-priesterlichen Sakramente - einerseits das Zentralsakrament «Opferfeier», andererseits Taufe, Trauung, etc. - zusammen behandelt. Dass diese historisch zu unterschiedlichen Zeiten an verschiedene Menschen bzw. Institutionen gingen, spielt für die Zuordnung und Bewertung des spirituellen und kultushistorischen Niveaus und des Kultustyps keine Rolle. Siehe im Text unten Zitat «lehrreich...» : ein und derselbe Text für verschiedene Lebenszusammenhänge! Siehe Fußnote 41 , zur Ergänzung der Siebenheit: Fußnote 40.
27) «Denn diese Bewegung für christliche Erneuerung ist nicht aus der Anthroposophie herausgewachsen. Sie hat ihren Ursprung bei Persönlichkeiten genommen, die vom Erleben im Christentum heraus, nicht vom Erleben in der Anthroposophie heraus einen neuen religiösen Weg suchten. ... Aber sie suchten nicht den anthroposophischen Weg, sie suchten einen spezifisch religiösen.» Rudolf Steiner 5.10.1924, Nachrichtenblatt für die Mitglieder, in GA 260a, S. 397.
"Spezifisch anthroposophisch" meint hier einen überkonfessionellen, institutionell unabhängigen, individuellen, nur der geistigen Welt gegenüber verantworteten Weg, entsprechend den Darstellungen Rudolf Steiners in der «Philosophie der Freiheit», wie er charakteristisch für die Anthroposophie ist.
28) Der Mittelpunkt der Sakramente - die so genannte "Messe" als Zentralsakrament - beinhaltet - so wie die «Opferfeier» auch - die typischen vier Teile: Evangelium, Opferung, Wandlung, Kommunion. Die «Opferfeier» ist zwar eine weitergeführte, aber vollgültige "Messe", ein eucharistisches Altarsakrament (wenn auch nicht mehr über den "Umweg" der Substanzen sondern «direkt» siehe Fußnote 54). «Sie steht an der Spitze der Hierarchie aus zwei Gründen. Erstens, weil sie die Kraft des ganzen Christus selbst enthält; zweitens, weil alle übrigen Sakramente auf sie zu- und hingeordnet sind.» Alexandre Ganoczy, «Einführung in die katholische Sakramentlehre».
29) Zum ersten Mal am 25.3.1923 in der Stuttgarter Waldorfschule gefeiert.
30) «...zusammengeschaut, machen klar, wo die Opferfeier auf der Linie historischer Entwicklung einzureihen ist: nicht vor, sondern nach der Messe mit Brot und Wein.» Maria Lehrs-Röschl, GA 269 (1997), S.128.
Denn auch die «Menschenweihehandlung» der CG gehört zum Typ der "alten", «indirekten» Messeform (mit Brot und Wein). Auch der Hinweis Rudolf Steiners, dass die Handlungen «nicht priesterlich» zu halten seinen, bedeutet nicht, dass diese "weniger" sind, weil "nur Laien-Handlungen", sondern es soll gerade das "Alte", nämlich Priesterliche, das "Zwei-Stände- / Kleriker-Laien-Prinzip" hier keine Rolle mehr spielen; hier wird gerade nicht hierarchisch-"priesterlich" sondern brüderlich, direkt-urchristlich gehandelt. Und auf die Einwendung, es könne in jeder Kulturepoche nur ein gültiger Kultus - und zwar auch nur vom einem Eingeweihten - heruntergeholt werden und der sei mit der CG, d.h. deren Menschenweihehandlung gegeben, sei darauf hingewiesen, dass Rudolf Steiner die Opferfeier nach der Menschenweihehandlung inaugurierte. (Verfällt deshalb die Gültigkeit der Menschenweihehandlung?) Auch im Hinblick auf die Zukunft verwies er auf die Fortbildung der Opferfeier (! = noch weitere Formen, die, wenn wir sie auszuarbeiten haben, auch nicht von einem Eingeweihten stammen); siehe unten Fußnote 32.
31) Ganz deutlich ist der "laien"-priesterliche Stand bei den Handlungshaltenden in den Waldorfschulen etc., die das Zentralsakrament «Opferfeier» berechtigt und wirkungsvoll zelebrieren: Sie sind als Lehrer alle (institutionell !) nichtgeweihte «Laien». Die Wirkensmöglichkeit bezieht der hier Strebende aus seinem Anthroposoph-Sein und SEINEM Ja. Gehalten werden die Handlungen daher «exterritorial» im Auftrag der Anthroposophischen Gesellschaft und nicht der Waldorfschule selbst. Ihre "Anerkennung" als Religionslehrer und Handlungshaltende für die Waldorfschule erhalten sie vom überregionalen Religionslehrerkollegium. Die Entscheidung dazu fällen in der Regel die Religionslehrer der betreffenden Schule selbst in ihrer Runde und bringen diese "Dornach" zur Kenntnis. Dies sind organisatorische(!) Maßnahmen, die niemanden in einen geistlich oder sozial anderen oder höheren Stand erheben.
32) «Maria Lehrs-Röschl berichtet, wie nach dem ersten Vollzug dieser Handlung Lehrerkollegen darum ersuchten, die Feier für die Lehrer allein zu wiederholen. Da die Ausführenden der Handlung zu der Auffassung neigten, die Handlung solle nur für Schüler unter Teilnahme von Lehrern und Eltern stattfinden, sei sie gebeten worden, Rudolf Steiner darüber zu befragen: «Ich fragte ihn in einer Formulierung, die bereits zeigte, ich sei der Meinung, es gehe nicht an, die Opferfeier anders als für Schüler zu halten. Rudolf Steiner aber blickte mich mit weit geöffneten Augen an (ich kannte diese Geste als seinen Ausdruck überraschten, leicht missbilligenden Erstaunens) und sagte: <Warum nicht? Diese Handlung kann überall gehalten werden, wo Menschen sind, die sie wünschen!> » Hella Wiesberger in GA 269 (1997), S.125.
«Eine kultische Arbeit in der anthroposophischen Bewegung muss aus dem selben geistigen Strom hervorgehen wie die Schulhandlungen, gewissermaßen eine Fortsetzung (!) dessen, was in Form und Inhalt in der Opferfeier gegeben war...». Rudolf Steiner zu René Maikowski, GA 269 (1997), S.133.
33) Die erste Sonntags-Handlung fand am 1.2.1920 in der Stuttgarter Waldorfschule statt.
34) Erstmalig Palmsonntag 1921 in der Stuttgarter Waldorfschule gehalten.
35) An Ruhtenberg, siehe auch GA 265 (1987), S.36.
36) An Ruhtenberg, lt. GA 345 (1994), S.73.
37) An Hugo Schuster, erstmals vollzog er die Bestattungshandlung am 14.1.1919 für Marie Leyh auf dem Arlesheimer Friedhof. (Siehe GA 265 [1987], S.491.)
38) Wilhelm Ruhtenberg (siehe Personenregister) war «Laie», nämlich ausschließlich Waldorflehrer, als er von Steiner Taufe und Trauung erhielt. Den gleichen geistlichen Stand besaß er übrigens auch, als er zuvor Pastor der Evangelischen Kirche war: Dort gibt es nämlich keine Priester-Weihe, sondern nur eine Amtseinführung namens «Ordination» Geistlich steht dort der Pastor auf derselben Ebene wie alle anderen Kirchenmitglieder. Selbst als amtierender Pastor wäre er aber auch nicht mehr als alle anderen berechtigt gewesen -
anthroposophische - Sakramente zu erteilen. Als er sich später - nachdem er die Sakramente bereits erhalten hatte - doch noch konvertierte und zum Priester der CG weihen ließ, erklärte Steiner dies zu seiner «Privatangelegenheit»(!) : «Der Pastor Ruhtenberg muss, wenn er hier (als freier christlich Handelnder, VDL) ist, vollständig vergessen, dass er Priester ist.» Rudolf Steiner, 9.12.1922, «Zur religiösen Erziehung, Wortlaute Rudolf Steiners...», (1997), S.175.
39) Schuster war "Priester" der christkatholischen KIrche. Die freien christlichen Rituale erhielt er jedoch von Steiner, weil er als kultisch engagierter Anthroposoph für Anthroposophen danach fragte, nicht weil er berechtigt war als Pfarrer der Christkatholischen Kirche christkatholische Sakramente an Christkatholiken zu erteilen; wie sowieso dessen "alte" (katholische) Weihe für die «erneuerten Sakramente» keine Handlungsberechtigung mehr darbot. (Siehe Rudolf Steiner, 4.10. 1921, Nachmittag, GA 343 [1993], S.350.) Selbst die CG erkennt die christkatholische Weihe für diese Sakramente nicht an; es sei denn, es gilt frei christlich Handelnde - also "Nicht-Geweihte" - vom sakramentalen Handeln abzuhalten; dann wird argumentiert, dass Schuster als "Geweihter" berechtigt gewesen wäre diese Sakramente zu vollziehen, ja sogar Ruhtenbergs ehemalige «Ordination» (die ja gar keine Weihe darstellt) wird dann als Berechtigung genannt ... (Siehe z.B. Kacer-Bock im «Goetheanum», 10/97) Dass außerdem die «Bestattung» (die Schuster von Steiner erhielt) der nicht-sakramentale Teil des dreiteiligen Sterberituals ist (die «Letzte Ölung» ist das Sakrament!) und deswegen sowieso ohne kirchliche Weihe vollziehbar ist, wird meist verschwiegen. So spielten also auch hier die kirchliche Weihe und das Priester-Amt in einer Kirche keine Rolle. (Siehe Kap. «Nur mit Weihe?»)
40) Da Ruhtenberg bald konvertierte, Schuster starb und dann das Engagement für freie Sakramente ausblieb, fehlen scheinbar zur Siebenfältigkeit vor allem "Beichte" und "Weihe".
Die Siebenheit der Sakramente verlangt aber ihre organische Wesens-Ganzheit. Heute werden die Fragen nach dieser Siebenheit auch für das laienpriesterliche, freie christliche Handeln wieder gestellt, konkretisiert und (u.a. von der FCAG) gehandhabt (siehe KuHb).
Die Antwort ergibt sich einerseits noch aus Rudolf Steiners Handhabung, indem er gleiche Texte an unterschiedliche Strömungen gab. Wer was zuerst erhalten hat, spielt dabei keine Rolle. Da die CG auch Texte, die zuerst für den laien-priesterlichen Impuls bestimmt waren, erhielt, ist prinzipiell, unter dem Gesichtspunkt der Möglichkeit gleicher Texte (s.o.), auch umgekehrt die Ergänzung des allgemein-priesterlichen Stromes durch die erst später im «Christlich-religiösen Kurs» (GA 343-345, zu dem auch die freien christlichen Religionslehrer eingeladen waren und teilnahmen!! ) offenbarten Texte berechtigt; das betrifft: Letzte Ölung, Lebensschau ("Beichte") und, wenn es öffentlich gemacht werden soll, das Sakrament der «Verbindung» = als textlich gefasste «Weihe» (siehe KuHB und hier Kap. «Nur mit Weihe?») (als eine Art "Erwachsenen-Taufe" ?), die ja ansonsten im «freien christlichen» Handeln eine jeweils aktuell gegebene ist. Hier könnte man also die Texte aufgreifen, die noch die «Christengemeinschaft» erhielt.
Andererseits ist diese Anleihe nicht nötig, denn die Letzte Ölung gehört zur Dreiheit des Sterberituals das ja zuallererst «frei christlich» gegeben wurde; die «Lebensschau» ist unter Anthroposophen auch untereinander zu spenden (siehe Steiner, 16.7. 1914, siehe KuHb) und die "Weihe" ist sowieso keine institutionelle und vorformulierte mehr; siehe dazu Fußnote 45. Somit ist die Siebenheit auch unabhängig zur CG im und aus dem «freien christlichen» Strom selbst aufgreifbar, trotz "gleicher Texte".
41) Dass diese Sakramente an verschiedene Menschen/Institutionen gegeben wurden, ändert nichts an deren spirituelle Verwandtschaft, nichts an deren gemeinsame Ebene und Zusammengehörigkeit. Dass sie nicht zusammengebracht werden konnten, liegt daran, dass die Waldorfschule (die das Zentralsakrament «Opferfeier» erhielt) keine Kultus- sondern eine pädagogische Gemeinschaft, eine Schulgemeinschaft war und ist. Kultus wird hier von religiösen Gemeinschaften von außen herein getragen. Wie ja auch die «Schulhandlungen» exterritorial und offiziell von der Anthroposophischen Gesellschaft verantwortet und gehalten werden. Taufe, Trauung, Bestattung erhielten Anthroposophen als solche, die damit nicht in der Schule missionieren gehen konnten und wollten, allerdings, tragischer Weise, in der Anthroposophischen Gesellschaft keinen Widerhall fanden. (Siehe die Behandlung der Problematik weiter unten.)
42) Matth. 28,19-20.
43) Siehe Kap. «Nur mit Weihe?» !
Wir stehen damit vor einer immensen Aufgabe, die Christusbegegnung miteinander und die Qualität der Handlung jeweils so zu finden, dass ER sich wirk-lich damit verbinden kann. Denn natürlich kann nicht jedermann "mir nichts, dir nichts" Sakramente wirkungsvoll handhaben!! Das wird - in der Regel - ein langer Weg, ein intensives ER-Arbeiten und Schicksalswollen sein. (Siehe die Sekundärliteratur zum Schulungsweg, u.a. zusammengefasst bei: Paul Eugen Schiller, «Der anthroposophische Schulungsweg», Dornach, Verlag am Goetheanum.)
Natürlich kann ein freies christliches «"Laien"-Priestertum» nicht auf Laien-haftigkeit beruhen. («Laie» meint theologisch nicht den Dilettanten, sondern den "Nichtgeweihten", das «allgemeine Priestertum aller Christen», d.h. die geistlich brüderliche Gleichheit, die prinzipielle Berechtigung jedes Christen seinem Mitmenschen auch sakramental beizustehen, wie dies im Urchristentum auch der Fall war.) Und «frei» ist hier im Sinne der «moralischen Intuition» eines «ethischen Individualismus» entsprechend der «Philosophie der Freiheit» (Rudolf Steiner) verstanden, derjenige der aus freier Schicksalseinsicht in das göttliche Wollen selbstlos Verantwortung dafür übernimmt ...
Schwarze Schafe ("Wölfe im Schafsfell") und Unfähigkeiten Einzelner können dabei nicht als Vorwand zur Verhinderung christlicher Mündigkeit und Berufung dienen. (Schwarze Schafe gibt es auch - nicht wenige - in allen Kirchen ...auch die CG reglementiert und suspendiert ggf. entsprechend ihre Priester! ) «An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen!»
44) Selbstverständlich findet die Begegnung mit der Geistigen Welt nicht immer - ja selten - auf höchster Ebene "mit dem Christus selbst " statt. Aber hier spielt unser Engel gewiss gerne die Rolle des Mittlers, wenn wir dadurch Seinen Weg (und damit unseren) finden.
45) So gibt es auch hier eine "Weihe". Auch das Urchristentum kannte keine spezielle und schon gar nicht kirchliche "Priester-Weihe". Das ist auch Martin Luthers Postulat: «Was ausz der Tauff krochen ist, das mag sich rumen, das es schon Priester, Bischoff und Bapst geweyhet sey.» Siehe auch : Hans-Martin Barth, «Einander Priester sein - Allgemeines Priestertum in ökumenischer Perspektive», Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, 1990, bzw. Herbert Haag, «Worauf es ankommt», Herder Verlag.
So ist auch das «Sakrament der Weihe» allgemein-"laien"-priesterlich dem Kreis freien christlichen Handelns eingegliedert!
Siehe dazu den Beitrag «Nur mit Weihe?» am Schluss des Info-Buches!
46) So auch Dieter Brüll in «Bausteine für einen sozialen Sakramentalismus», S.138-139. Dies ist ein Prinzip allgemein-priesterlichen Wirkens.
47) Rudolf Steiner gab die frei christlich gefasste Taufe, Trauung, Bestattung, Sonntagshandlungen für die Kinder und Jugendfeier ("Konfirmation") dann (fast) textgleich auch der CG.
48) Zum freien christlichen Prinzip (in dem auch die «Jugendfeier» steht) sagt Rudolf Steiner «dass (hier) der Mensch ganz allgemein in die Menschheit hineingestellt wird, nicht in eine bestimmte Religionsgemeinschaft, die 'Christengemeinschaft' (wie jede Kirche VDL) aber stellt ihn in eine bestimmte Religionsgemeinschaft hinein.» GA 265, S.38. Dieser freie christliche Weg wurde vor allem auf Fragen von Kirchen-«Dissidenten» - nicht nur Anthroposophen! - gegeben, die im konfessionellen Rahmen der bestehenden Kirchen keine Heimat, nicht genügend Tiefe fanden.
49) Rudolf Steiner, 30.12.1922, GA 219.
50) «Es kommt also darauf an, denjenigen Menschen etwas zu geben, die zunächst - man muss da die historisch gegebene Notwendigkeit ins Auge fassen - nicht in der Lage sind, unmittelbar den Gang zur anthroposophischen Bewegung anzutreten. Für sie muss durch Gemeindebilden in herzlichem, seelischem und geistigem Zusammenwirken der Geistesweg gesucht werden, welcher heute der der menschlichen Entwickelung angemessene ist.» Rudolf Steiner, 30.12.1922, GA 219.
51) GA 265 (1987), S.38. Hier ging es um die - allgemein-/ laienpriesterlich durchgeführte - Jugendfeier gegenüber der kirchlichen Konfirmation der CG, mit dem gleichen Text. Diese Feststellung betrifft aber eine grundsätzliche Ansicht Steiners und alle durch ihn erneuerten Sakramente. Auf Erden dienen die unterschiedlichen Kultusströmungen den Bedürfnissen bestimmter Zielgruppen, auf höherer, kosmischer Ebene, vor Michael, sind sie aber wieder eins. So konnte z.B. Jesus Christus das Vaterunser - als gleichen Text - für alle Christen, für unterschiedlichste Bewusstseinsebenen und Seelenstimmungen geben. 52) Siehe Fußnote 65.
53) Siehe Fußnote 47.
54) Ein wesentlicher Unterschied zur interreligiösen AG ist der Status der CG als Kirche (als «Körperschaft des öffentlichen Rechts» ist die CG auch staatlich anerkannte «Kirche».). Zudem steht «Die Christengemeinschaft» in einer Reihe mit den konservativen - eben auch der katholischen - Kirchen, indem auch in ihr das «Zwei-Stände-System» von Klerikern und Laien besteht. Typisch ist hier das Priester-Prinzip, die herausgehobene Hirten-Aufgabe des Priesters: «Sie werden so wirken können, dass Sie nun wirklich Ihre Gemeindekinder innerlich, gemüthaft an sich ketten können. Wenn ich sage "ketten", so bedeutet das nicht, Sklavenketten anzulegen. Dazu gehört allerdings, dass die Gemeindemitglieder
durch Sie das Bewusstsein bekommen, in einer gewissen Brüderlichkeit zu leben. Die Gemeinden müssen konkrete brüderliche Gefühle in sich haben und sie müssen ihren Prediger-Leiter als eine selbstverständliche Autorität anerkennen, an die sie sich auch wenden in konkreten Fragen. ... Es muss möglich werden, dass man das Gefühl hat, man bekommt eine Art Direktive aus der geistigen Welt heraus, wenn man den Prediger fragt.» Rudolf Steiner,13.6.1921, GA 342 (1993), S.51. Dieses «Zwei-Stände-Prinzip» wird von Rudolf Steiner sogar innerhalb der Priesterweihe festgeschrieben (22.9.1922, vormittags, GA 344, S.251-252, Auszug aus dem Akt der Barettübergabe innerhalb der Priesterweihe der CG): «Das Sinnbild, das Du jetzt empfängst, drückt aus Dein anderes Verhältnis von Dir aus zu den Menschen, für die Du Dein Amt verwaltest. Das heißt, Du hast durch die vorhergehenden Ritualien Deine Gemeinschaft mit der göttlichen Wesenheit erhalten. Durch dieses Zeichen erhältst Du Deine Macht über diejenigen, die sich Dir anvertrauen als Gemeindeglieder. Du führest sie kraft des Amtes, das symbolisiert ist in dieser Behütung Deines eigenen Hauptes. Du trägst dieses immer, um auszudrücken dieses Dein Verhältnis zu der Laiengemeinschaft. ...»
Neben dem kirchlichen "Amts"- gegenüber dem allgemein brüderlichen "Laien"-Priestertum (siehe Kap. «Nur mit Weihe?») - ist außerdem ein wesentlicher Unterschied die «direkte» Kommunion in der Opferfeier, gegenüber dem «indirekten» Kultus der traditionellen Messe, auch der «Menschenweihehandlung» der CG. Hier - wie in der kath. Messe - wird zunächst Brot und Wein gewandelt, die dann dem Kommunikanten gereicht werden und nach Einnahme der Substanzen in ihm wirksam sind und so in der Folge auch ihn selbst wandeln können. Beim «direkten» Typ (wie in der Opferfeier) vollzieht sich die Wandlung «direkt» an Leib und Blut des Kommunikanten (hier konzentriert im Moment der Handauflegung). ( «Es wäre unrichtig zu meinen, in der Opferfeier gäbe es keine Substanzen. Sie sind da in der Gestalt des Leibes und des Blutes des Menschen [selbst]...» Maria Röschl-Lehrs in «Ritualtexte...», Kap. «Zur Opferfeier», GA 269. )
55) «So muss im strengsten Sinne des Wortes das verstanden werden, dass sich neben der anthroposophischen Bewegung eine andere Bewegung aus sich selbst heraus, nicht aus der anthroposophischen Bewegung heraus begründet hat, begründet hat aus dem Grund, weil außerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft zahlreiche Menschen sind, die den Weg in die anthroposophische Bewegung hinein selber nicht finden, die später mit ihr zusammenkommen können. ... Nebenher ... könne eine solche Bewegung für religiöse Erneuerung gehen, die ganz selbstverständlich für diejenigen, die in die Anthroposophie hinein den Weg finden, keine Bedeutung hat, sondern für diejenigen, die ihn zunächst nicht finden können. ... Aber nach jeder Richtung hin muss diese Bewegung für religiöse Erneuerung von Menschen getragen werden, die noch nicht den Weg in die Anthroposophische Gesellschaft hinein finden können. ... dass streng darauf gesehen wird, dass die Bewegung für religiöse Erneuerung nach allen Richtungen in Kreisen wirkt, die außerhalb der anthroposophischen Bewegung liegen.» Rudolf Steiner, 30.12.1922, GA 219.
Siehe folgendes Kapitel «Anthroposophie und Kirche», mit dem Vortrag Rudolf Steiners vom 30.12.1922.
56) «Diejenigen, die den Weg einmal in die Anthroposophische Gesellschaft gefunden haben, brauchen keine religiöse Erneuerung (durch die CG, VDL). Denn was wäre die Anthroposophische Gesellschaft, wenn sie erst religiöse Erneuerung brauchte.» Rudolf Steiner, 30.12.1922,
GA 219.
57) Siehe Fußnote 17.
58) «...weil es ihr nicht gleich gelingt, unter Nichtanthroposophen Bekenner zu finden, nun ihre Proselyten innerhalb der Reihe der Anthroposophen macht.» Rudolf Steiner, 30.12.1922.
59) Siehe Wolfgang Gädeke, «Lenker» (!) der CG (in Flensburger Hefte, So.heft 9, S.67) : «Aber das eigentliche Ärgernis (für den Anthroposophen, VDL) dahinter ist, dass der Anthroposoph hören muss, wenn er Religion pflegen will, gibt es im Grunde keine Alternative zur Christengemeinschaft.»
60) «Dasjenige, was ich jetzt als Konsequenz sage, war zu gleicher Zeit die Voraussetzung für das Handbieten zur Gründung der Bewegung für religiöse Erneuerung, denn nur unter diesen Bedingungen konnte man die Hand dazu bieten. Wenn diese Voraussetzung nicht gewesen wäre, so wäre durch meine Ratschläge die Bewegung für religiöse Erneuerung niemals entstanden. Daher bitte ich Sie, eben zu verstehen, dass es notwendig ist, dass die Bewegung für religiöse Erneuerung wisse: dass sie bei ihrem Ausgangspunkte stehen bleiben müsse, dass sie versprochen hat, ihre Anhängerschaft außerhalb der Kreise der anthroposophischen Bewegung zu suchen ...» Rudolf Steiner, 30.12.1922, GA 219. Siehe auch hier Kap. «Anthroposophie und Kirche».
61) «Denn die Anthroposophische Gesellschaft wird von denjenigen nicht verstanden, der sich nicht so auffasst, dass er ein Rater und Helfer sein kann dieser religiösen Bewegung, dass er aber nicht unmittelbar in ihr untertauchen kann. Wenn er dieses tut, so arbeitet er an zweierlei: erstens arbeitet er an der Zertrümmerung und Zerschmetterung der Anthroposophischen Gesellschaft, zweitens arbeitet er an der Fruchtlosigkeit der Bewegung für religiöse Erneuerung.», Rudolf Steiner, 30.12.1922, GA 219, siehe auch folgendes Kap. «Anthroposophie und Kirche». Nach dem Tode Steiners brach ein Machtkampf zwischen den verschiedenen Flügeln aus (ganze Landesgesellschaften und sogar von Rudolf Steiner eingesetzte Vorstandsmitglieder der AG wurden ausgeschlossen), der über Jahrzehnte eine lähmende Dunkelheit über die Anthroposophische Gesellschaft legte. Man hatte die Mitte, den liebenden Christus, IHN im DU nicht wirksam werden lassen können...
62) Wer das Monopol der CG hinterfragte und freie Wege forderte wurde öffentlich in den Publikationen der CG («Die Christengemeinschaft» sowie in verschiedenen CG-Gemeindeblättern und -Infos) und der AG («Die Drei», «Das Goetheanum»), insbesondere von Autoren aus der CG, mit einseitigen Behauptungen und nicht selten Unwahrheiten konfrontiert, ausgegrenzt und diskreditiert, und zwar ohne das Recht auf Richtigstellung oder gar Darstellung der eigenen Perspektive. Selbst - und gerade - "prominente" Befürworter des freien christlichen Impulses blieben und bleiben in Deckung, um nicht verunglimpft und ausgegrenzt zu werden. Momentan versucht man das Thema und unsere Bemühungen "totzuschweigen". Das ist - meiner Meinug - einer "christlichen" Gemeinschaft nicht nur unwürdig, sondern disqualifiziert sie selbst...
Siehe «Arbeitsmaterial zur Kultus-Frage, TEIL Dokumentationen».
So versuchte die CG auch - letztlich dann doch erfolglos - die Herausgabe der «Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken» Rudolf Steiners (GA 342-346) durch die Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung zu verhindern, in denen Steiner die Bedingungen und Grundlagen für die Begründung der CG darlegte. (Obwohl diese ebenso von Waldorflehrern und anderen besucht wurden, werden diese seitens der CG als "Priesterkurse" tituliert und beansprucht.)
63) Immer wieder wird - vor allem von Persönlichkeiten aus und der «Christengemeinschaft» - behauptet, aber nicht belegt, dass Rudolf Steiner die an Ruhtenberg und Schuster gegebenen, freien christlichen Sakramente/Ritualien (insbesondere hier Taufe, Trauung, Bestattung) mit Begründung der «Christengemeinschaft» dieser «übergeben», «vermacht», etc. habe.
Mir (VDL) ist keine solche eindeutige Stelle im Werk Steiners bekannt und bisher auch von der «Christengemeinschaft» nicht benannt worden. Am 9.11.1997 schrieb ich daher die Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung an, um u.a. konkret die Frage zu klären :
«Können Sie uns eine schriftlich belegte Aussage oder Stelle im Werk Rudolf Steiners benennen, wo er explizit: a.) die an Ruhtenberg und Schuster gegebenen Ritualien als nun alleinigen Besitz, spirituelles Eigentum (etc.) der «Christengemeinschaft» und b.) "laien"-priesterliches Wirken in unserer Zeit als nun unzeitgemäß und beendet (etc.) erklärt hat?»
Mit Datum vom 24.11.1997 antwortete mir Frau Ulla Trapp für die Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung in Dornach u.a. folgend: «Aussagen Rudolf Steiners, wie Sie sie angeben, sind uns nicht bekannt, weder zu a) noch zu b)...Einmal ganz äußerlich betrachtet: Rudolf Steiner gab die ersten Texte für die Menschenweihehandlung im Herbst 1921 zum Abschreiben an Bock, Spörri und Klein - die Christengemeinschaft existierte ja damals noch nicht - und ließ sich seine handschriftlichen Originale zurückgeben. Diese befinden sich seit damals und bis heute im Archiv der Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung. ...»
64) Die, aufgrund des Widerstandes der CG, bis vor kurzem zurückgehaltenen "Priester"- «Kurse über christlich-religiöses Wirken» (Rudolf Steiner, GA 342-346, die Kurse zur Begründung der CG) und die lange Zeit relativ unbekannte Klarstellung vom 30.12.1922 wie auch anderer Hinweise Steiners, verhinderten eine Urteilsbildung und machten im Verein mit einem massiven Auftreten der CG («Es ist ein furchtbar starkes Werben da, das autoritativ wirkt...» Marie Steiner, Dreißiger-Kreis, 13.2.1923 / «..sie wollen jeden haben. Die haben keinen Grund Klarheit zu schaffen.» Rudolf Steiner, 9.12.1922, «Zur religiösen Erziehung...» / «die grasen ab, ihrerseits...» Rudolf Steiner, GA 300b, S.227 ) eine Monopolisierung der «erneuerten» Sakramente möglich, die auch heute noch postuliert wird: siehe oben Wolfgang Gädeke, («Lenker» der CG), Fußnote 59 .
Rudolf Steiner dazu: «Es ist niemals für die Rituale, die für die Schule da sind, etwas ausgesprochen worden, dass sie der Priesterschaft gehören.» 9.12.1922, «Zur religiösen Erziehung...», (1997), S.174. (Dies betrifft grundsätzlich sakramentales Handeln. Siehe dazu Fußnoten 25/40.)
65) Die durch Rudolf Steiner vermittelten Sakramente sind also nicht «alleiniges Gut», «spirituelles Eigentum» etc. der CG, so wie Rudolf Steiner aufgrund der Begründung der CG nicht das/ein "laien"-priesterliches Handeln als nun aufgehoben oder überflüssig ansah/erklärte. Dass Rudolf Steiner aufgrund fehlenden Fragemutes, mangelnder Erkenntnis und Einsicht in die kultushistorische Dimension und im Schatten der in die AG fatal hineinwirkenden Gründungswucht der CG-Priester, dann aber auch durch seinen frühzeitigen Tod,
selbst einen vollen Kreis freier christlicher Sakramente nicht mehr geben konnte, ist kein Argument für deren Annullierung und/oder Übergang an die CG. Auch die CG wäre ohne die Fragen der Theologen - die noch vor seinem Tod nach allen sieben Sakramenten fragen konnten und auch selbstbewusst nachfragten - von Steiner allein nicht auf den Weg gebracht worden. Andererseits: Wären denn für eine Entwicklung eines allgemein-christlichen Weges noch weitere Antworten bzw. extra Aufforderungen Steiners nötig (gewesen), wo er doch bereits konkret Handlungen und Texte gegeben hatte und darauf hinwies, dass ein und dasselbe Ritual für verschiedene Lebenszusammenhänge/ Strömungen (AG und CG) verwendet werden könne?
66) «Die Autoren (Gädeke in ihrem Buch «Die Fortbildung der Religion») vertreten hier die Meinung, die sich im Gesamtduktus deutlich zeigt, dass die Religion innerhalb der anthroposophischen Gesamtbewegung von der Christengemeinschaft repräsentiert wird. ... Dass von der Dreiheit Wissenschaft - Kunst - Religion mit der Begründung der Christengemeinschaft die Religion an diese gewissermaßen übergeben worden sei, bezeichnet Rudolf Frieling (damals «Erzoberlenker» der CG -VDL ) 1984 ausdrücklich als ein 'Missverständnis' ...» Michael Debus, Leiter des Priesterseminars der CG in Stuttgart, in «Anthroposophie und Religion, Eine notwendige Ergänzung zur Gädeke-Studie», in: Deutsche Mitglieder-«Mitteilungen...» der AG, Nr. 178, IV/1991, S. 274-276. Leider findet sich dieses «Missverständnis» ansonsten (fast) nicht öffentlich gemacht. Verständlich?, denn schließlich wird mit dieser Einsicht einem Monopolanspruch widersprochen...
67) Siehe Fußnote 64.
68) Siehe Fußnoten 63/65 oben.
69) Taco Bay (damals Erzoberlenker der CG), 10.6.1999 auf eine schriftliche Anfrage von VDL, schriftlich an VDL.
Steht damit die Priesterschaft der CG ggf. sogar noch über den Einsichten eines «Eingeweihten»(!), der objektiv «in der Lage wäre»(!!) Texte herunterzuholen? Und wer weiß, dass und ob dies nur einem «Eingeweihten» möglich ist? Sollen wir also dem Schulungsweg der Anthroposophie, der uns - letztendlich - dahin bringen könnte, abschwören, weil dies einer Priesterschaft nicht «zugemutet werden» kann?? Warum eigentlich nicht? Weil sie eine spirituelle Vorrangstellung, ihre Machtposition, ihr Monopol erhalten will?? (Denn - im Hinblick auf die Anthroposopohen - «..sie wollen jeden haben. Die haben keinen Grund Klarheit zu schaffen.» Rudolf Steiner, 9.12.1922 ) ...um auch noch und weiterhin auch die Anthroposophen (s.o.) als ihre «Gemeindekinder innerlich, gemüthaft an sich ketten (zu) können» (Rudolf Steiner, 13.6. 1921) ?? Solch ein Ansinnen wäre für einen freien Geist so irrig, dass es nur zu ignorieren bliebe...
70) Siehe dazu auch den Beitrag «Nur mit Weihe?», Kap. «Meine Weihe, deine Weihe, keine Weihe» in diesem Info-Buch.
71) Dennoch sei noch einmal betont, dass die spirituelle Berechtigung der «Christengemeinschaft» - mit den Aufgaben die ihr gegeben wurden - und vor allem die seelsorgerischen und sozialen Leistungen hier in keiner Weise geschmälert werden sollen und volle Anerkennung finden.
72) Davor bestand in Stuttgart eine forschende Arbeit des «Initiativ-Kreis Kultus-Fragen».
73) Insbesondere wirken hier Persönlichkeiten zusammen, die als Kultushandelnde in den Freien Waldorfschulen bzw. den heilpädagogischen Heimen tätig sind, aber auch besonders Menschen in sozialen Tätigkeiten und natürlich auch anderen Engagements bzw. Berufen. Dabei arbeiten wir auf der Ebene und in der Regel als Mitglieder der «Freien Hochschule».
74) Weil die «absolute Religionsfreiheit» jedes einzelnen Mitgliedes der «interreligiösen» Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft gewahrt bleiben muss, kann solch ein Engagement nicht im Namen und von der «Anthroposophischen Gesellschaft» selbst und offiziell vollzogen werden, sondern muss individuell von entsprechend orientierten Anthroposophen (als deren "Privatangelegenheit") verantwortet werden. Andererseits sind Anthroposophen gezwungen diese Fragen individuell und unabhängig zu stellen, weil der Macht- und Meinungseinfluss der CG (die Mehrheit der Anthroposophen sind Mitglieder der CG) auf Funktionäre und offizielle AG-Arbeit eine neutrale und emotionslose Erarbeitung der Thematik in der AG bisher nicht zuließ.
75) Die mit der Begründung des «Initiativ-Kreis Kultus» postulierten und nun von der Initiative «Freie christliche Arbeits-Gemeinschaft» weiter verfolgten «Leitsterne» sind: + Das Allgemeine Priestersein, + Die sieben Sakramente Rudolf Steiners, + Der Sozialimpuls Rudolf Steiners, + Die Anthroposophie. Siehe detailliertere Ausführung in www.forum-kultus.de .
76) Charakteristisch für die freie sakramentale Arbeit ist deren Individualisierung. Die Impulse kommen zumeist aus der direkten Betroffenheit/Frage, werden ganz individuell er- und bearbeitet und wirken nur aktuell und im privaten Rahmen. So gibt es zwar generell in der AG (unter den Nicht-CG'lern) eine große Zustimmung für ein allgemeines, freies sakramentales Engagement, zumindest zurzeit aber, vor allem aufgrund der Vorurteile und Unkenntnis der Thematik ("aber bitte nicht mit den Texten der CG"), nur wenig öffentlich dafür Eintretende.
Die hier genannten Arbeitskreise sind zwar die Einzigen, die diese Fragen innerhalb der anthroposophischen Bewegung öffentlich aufwerfen, aber nicht die Einzigen die damit arbeiten. Wir spiegeln also nur ein Anliegen und Spektrum.
In den Niederlanden ist man damit weiter. Seit 1994 gibt es dort sogar schon einen «Berufsverband der theologischen und religiösen Praktiker», mit über 70 Mitgliedern; zum ersten Landeskongress kamen damals 150 Teilnehmer. Und in der «Hollandse Hoogschool» von Diemen werden bereits 100 junge Leute zu «freien theologischen Praktikern» ausgebildet. («publik-forum», 6.10.1995) In Deutschland gibt es z.Zt. einen Fernlehrgang mit einer Ausbildung zum/zur «Freien, ökumenischen «Seelsorger/in» und im Internet finden sich verschiedene Freie Theologen und -Gruppen, die kirchenunabhängig ihre Dienste anbieten. Die ersten Keime einer anthroposophisch vertieften, freien Seelsorgearbeit legte in Deutschland vor Jahren Dr. Rudolf Biedermann in Offenbach, mit seiner «Praxis als freier Seelsorger». Seitens des Förderkreises Forum Kultus gibt es die Frage, ob nicht auch in Deutschland ein Netzwerk freier LiturgikerInnen angeregt werden sollte.
77) Wie dies in der «Christengemeinschaft» der Fall ist.
78) Rudolf Steiner, GA 269 (1997), S.37, zu den freien christlichen - ebenso sakramentalen- Schulhandlungen.
79) «(Der Kultus,) der für viele Jahrhunderte der richtige war, (wird) es auch für viele Jahrhunderte noch bleiben [...]. Die Dinge gehen nach und nach ineinander über. Aber das, was früher richtig war, wird sich nach und nach in ein anderes verwandeln, wenn die Menschen dafür reif werden.» Rudolf Steiner, 13.10.11, GA 131.
80) Dass auch die Opferfeier weiterzuentwickeln wäre (würde sie außerhalb der Schulen gestellt) machte Rudolf Steiner René Maikowski (GA 269, 1997, S.133) klar, als er ihm darlegte, dass «eine kultische Arbeit in der anthroposophischen Bewegung ... eine Fortsetzung dessen, was in Form und Inhalt in der Opferfeier gegeben war...» sei.
81) Rudolf Steiner, 4.10.1921, vormittags, GA 269 (1997), S.25, bezüglich der Kinderhandlung; doch hat diese Zwischenbemerkung gleich zu Beginn der Erklärung und Vorstellung der Kultustexte der Schule (im «Christlich-religiösen Kurs», GA 343) grundsätzliche Bedeutung.
82) Rudolf Steiner, 27.6.1924, GA 236/19.
83) So gab Rudolf Steiner, der jeweiligen Situation angemessen, z.B. an Ruhtenberg einen anderen Tauftext als an Geyer (siehe auch diesen im Kultus-Handbuch).
84) Rudolf Steiner forderte immer wieder, dass man seine dargebotenen Erkenntnisse nicht einfach nur glauben oder wie ein «Rezeptbuch» benutzen, sondern selbst nachvollziehen, selbst Erkenntnisse anstreben soll. So ist auch ein Erarbeiten von Urteilsgrundlagen zu dieser Thematik nötig, schon um zu überprüfen, ob die aktuelle Realität und Gestalt der Sakramente überhaupt immer noch so wie damals gegeben auch heute noch ist, oder ob wir vielleicht mit Unwahrheiten umgehen, weil wir naiv das Lebendige der Sakramente und damit deren Evolution und ggf. zwischenzeitliche Verwandlung ignorieren (z.B. in der Trauung: Mann führe, Frau folge...)? Das ist natürlich eine Arbeit, die jeder Nachfragende auch selbst vollbringen muss. Mein (VDL) Nachtasten deutet auf einen nur geringen "Aktualisierungsbedarf" hin. So finden sich im Kultus-Handbuch vor allem bei der Taufe und der Trauung im Anhang Anmerkungen mit Versuchen der Aktualisierung. Die Weihe spielt dabei eine besondere Rolle, da sie im freien christlichen Wirken in der Regel nicht mehr institutionell, textlich gefasst wird.
85) Man bedenke, dass nicht nur das gesamte esoterische Werk Rudolf Steiners, sondern die liturgischen Texte eigentlich aller Kirchen öffentlich sind. Zur Problematik der Veröffentlichung:
«Wie retten wir nun das uns anvertraute Gut? Nicht, indem wir es vergraben und nur den Feinden die Gelegenheit geben, das damit zu tun, was sie tun wollen, sondern indem wir, vertrauend auf die guten geistigen Mächte, der neuen Generation die Möglichkeit geben, Anregungen in ihrer Seele zu empfangen, die das darin schlummernde geistige Licht aufleuchten lassen, die weckend in ihren Seelen das aufrufen, was Schicksalsmächte in sie hineingelegt haben.» Marie Steiner, Brief vom 4.1.1948, GA 270/ I (1992), S.XI. Denn: «Dieser Geist der Zeit verträgt nicht das äußere Geheimnis, während er ganz gut verträgt das innere Geheimnis.» Rudolf Steiner, 28.12. 1923, GA 260, zur öffentlichen Freigabe der nur für Mitglieder gedruckten Vorträge. Siehe auch das Vorwort der Leitung der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft zur Veröffentlichung der «Klassenstunden» in GA 270.
86) Matt. 18/20.
87) Gerade für eine Gemeinschaft die die Liebe-Wirkung der Sakramente ausfließen lassen will gilt: Hier «muss seelische Harmonie sich entwickeln, die durch die Sache selbst gefordert wird: wenn jeder Mensch für sich handelt, so entstehen Disharmonien. Wenn auf unserem Gebiet die einzelnen Menschen, die aus diesem oder jenem heraus wirken, nicht zusammengehen, sich nicht zusammenfinden, so entsteht gar nicht Anthroposophie innerhalb der Menschheit. Anthroposophie erfordert als Sache wirklich menschliche Brüderlichkeit bis in die tiefsten Tiefen der Seele hinein. Sonst kann man sagen: ein Gebot ist die Wirklichkeit. Bei Anthroposophie muss man sagen: sie wächst nur auf dem Boden der Brüderlichkeit; sie kann gar nicht anders erwachsen als in der Brüderlichkeit, die aus der Sache kommt, wo der Einzelne dem Anderen das gibt, was er hat und was er kann.»
Rudolf Steiner, 11.6.1922, GA 211.
«Unser Zeitalter ist daran, die Magie der Gemeinschaft zu entdecken... Und es ist in der Tat jede wirkliche Gemeinschaftsbildung eine Art Geisterbeschwörung, weil dadurch eine Kraft entsteht, die größer ist als die Summe der Kräfte, die die Einzelnen besitzen ... Das Christus-Wort: «Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen» erleuchtet und erfüllt, gerade wenn man es im Blick auf die «Wiederkunft Christi» versteht, eine wichtigste Gegenwartstendenz. Dieses Wort enthüllt ja die höhere Vollmacht der Gemeinschaft gegenüber den Möglichkeiten, die der Einzelne besitzt. Dabei dringt es allerdings, indem es die niedrigen Zahlen "zwei oder drei" nennt, mit stiller Energie auf die Echtheit und Substanz, die nie durch die großen Zahlen propagandistischer Statistik zu ersetzen ist ... Wahre Gemeinschaftsbildung ist ein Mittel zur Herbeirufung helfender göttlicher Kräfte, sie ist schließlich ein Mittel zur Verwirklichung des neuen Kommens Christi selbst.» Emil Bock, «Michaelisches Zeitalter»
«Dadurch, dass die Menschen freiwillig ihre Gefühle zusammenstrahlen lassen, wird wiederum etwas über den bloß emanzipierten Menschen hinaus gebildet. Der emanzipierte Mensch hat seine individuelle Seele. ... Aber dadurch, dass die Menschen sich in freiwilligen Zusammenhängen zusammenfinden, gruppieren sie sich um Mittelpunkte herum. Die Gefühle, die so zu einem Mittelpunkt zusammenströmen, geben nun wiederum Wesenheiten Veranlassung, wie eine Art von Gruppenseele zu wirken. ... Alle früheren Gruppenseelen waren Wesenheiten, die den Menschen unfrei machten. Diese neuen Wesenheiten aber sind vereinbar mit der völligen Freiheit und Individualität der Menschen.» Rudolf Steiner, 1.6.1908, GA 102.
88) Siehe hierzu Kap. «Gemeinschaft bauen» im Kultus-Handbuch, bzw. das entsprechende Heft in der Reihe des «Arbeitsmaterials Zur Kultus-Frage», siehe Literaturhinweise.
89) ... wie dies in abstruser Weise von Gegnern unseres Impulses behauptet wird...
90) Für die Gestaltung sozialer Zusammenhänge, einerseits im Staatswesen, aber auch in mesosozialen Gemeinschaften hat Rudolf Steiner die «Dreigliederung» vermittelt. Eine grundsätzliche Einführung von Dieter Brüll findet sich in: «Der anthroposophische Sozialimpuls», Novalis-Verlag (z.Z. vergriffen); Anfragen beim Verlag am Goetheanum, CH-4143 Dornach.
91) Siehe dazu Fußnoten 25/31/32/38/52.
92) Steiner nennt die «Weihe» in seiner Ausführung «Involution-Evolution» auch (Wieder-) «Verbindung». GA 343; siehe hier Kap. «Die heilende Arznei: das Sakrament», S.63ff.
Siehe dazu die Anmerkungen zur «Erwachsenen-Taufe» im Kultus-Handbuch.
93) Das ist natürlich eine Aufgabe, eine Frage an die gesamte anthroposophische Bewegung und nicht nur an ein bestimmtes Arbeitsfeld. An dieser Stelle kann nur darauf hingewiesen werden, dass sich dazu in der anthroposophischen Bewegung bereits ein eigenes Tätigkeitsfeld, das des Biografieberaters, herausgebildet hat, abgesehen vom weiten Feld anthroposophisch sozialer Berufe.
94) Hierzu darf ich die «Theologie der Befreiung», die «Kirche von unten», das Engagement öffentlich Engagierter wie z.B. Bonhoeffer, Martin Luther King und andererseits der still Wirksamen wie z.B. Dag Hammarskjöld anführen...
95) Hochstapler, Unwürdige, etc. werden erkannt und dann nicht mehr gefragt werden, die Spreu wird sich so vom Weizen trennen. Denn - wie auch den Arzt, den Lebens-, Biografieberater, etc. - jeder kann und wird sich auch für die kultischen Hoch-Zeiten denjenigen seines Vertrauens selbst suchen.
96) Fragt ein Chassid den Rebbe: «Wo wohnt Gott ?» Fragt der Rebbe: «Wo wohnt Er nicht ?» Martin Buber
97) Sie lässt sich auch nicht abschließen, denn «... man kann nichts für die Ewigkeit begründen. Wir werden schon in einiger Zeit vor die Notwendigkeit gestellt werden, wiederum das, was anthroposophischer Organismus ist, mit neuen Kleidern zu versehen. Aber dieses Schicksal hat man ja als Mensch auch: man kann nicht immer dieselben Kleider anhaben. Und jede Organisation ist ja schließlich doch für das, was man lebt, ein Kleid. Warum sollte man just in einem sozial organischen Gebilde für die Ewigkeit arbeiten wollen! Was leben will, muss sich wandeln, und eigentlich ist nur, was sich wandelt, lebensvoll.» Rudolf Steiner, 2.3.1923, GA 257/8, S.162. «Etwas Prinzipielles kann es im Leben der Welt überhaupt nicht geben, sondern es kann nur das sich in Leben Wandelnde geben.» Rudolf Steiner, s.o..

Wenn Sie sich also mit dieser Thematik beschäftigen und vor allem aus diesem Konzept zitieren und die hier versuchten Hypothesen und Texte weitergeben wollen, berücksichtigen Sie bitte diese "Vorläufigkeit" und erkundigen Sie sich ggf., ob Sie auch die neueste Publikation vor sich haben! S.S. 223.

98) Siehe das Inhaltsverzeichnis des Kultus-Handbuches «Die Sakramente...» im Kap. «Literatur / Die Sakramente», S. 224.








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