DAS SAKRAMENT DER
TRAUUNG




(Vor den Plätzen des Brautpaares und der Trauzeugen, wobei das Brautpaar in der Mitte sitzt
und die Trauzeugen rechts und links von ihnen,
vor ihnen steht ein Tischchen mit einer roten Decke.
Auf dem Tisch liegen zwei Stäbe, dazu ein rotes Band; dahinter steht ein Bild mit dem Antlitz des Christus.
Der Handlungshaltende steht dem Brautpaar gegenüber auf der anderen Seite des Tischchens.




Im Namen dessen,
Der Erdenwirken
Zu Geisteswirken
In eigner Opfertat
Wandelte,
Stehe ich vor euch,
Vor dir Vor- und bisheriger Nachname Mann,

vor dir Vor- und bisheriger Nachname Frau, *

Und vor euch

Vor- und Nachname (1.Trauzeuge) ,

Vor- und Nachname (2.Trauzeuge)
,

Und vor euch allen,
Die ihr Zeugen sein wollet,
Dass Vor- und bisheriger Nachname Mann
und Vor- und bisheriger Nachname Frau *
Sich verbinden wollen zum heiligen Ehebund.

Und so frage ich dich
Vor- und bisheriger Nachname Mann :
Gedenkst du in jene Entschlüsse,
Mit denen du in der Geistwelt wandelst,
Aufzunehmen
Des Lebens Gemeinsamkeit
Mit Vor- und bisheriger Nachname Frau ?

(Antwort Mann:) Ja.


Und so frage ich dich
Vor- und bisheriger Nachname Frau :
Gedenkst du in jene Entschlüsse
Mit denen du in der Geistwelt wandelst,
Aufzunehmen
Des Lebens Gemeinsamkeit
Mit Vor- und bisheriger Nachname Mann ?

(Antwort Frau:) Ja.


Nachdem Vor- und bisheriger Nachname Mann
und Vor- und bisheriger Nachname Frau *
Durch ihres Wortes Kraft
Besiegelt haben
Ihres Lebens Gemeinschaft,

Wendet sich zu euch (zu den Trauzeugen:)
Meiner Seele mahnendes Wort:

Eure Augen haben gesehen
Eure Ohren haben gehört,

1 ) s.u.

Dass sich verbunden haben
Dieses Mannes Geisteswille
Mit dieser Frau Seelengeist
Zur Lebens-Gemeinsamkeit.

Nie darf aus euren Herzen schwinden,
Nie darf aus eurer Seele sich verlieren
Bewusstsein dessen,
Was ihr gesehen, was ihr gehört.
Nie darf aus eurem helfenden Willen
Sich hinwegstehlen
Lebendiger Beistand,
Den ihr damit gelobet
Dem Leben derer,
Die jetzt vor euren Augen
Suchen das Tor
der Lebens-Gemeinsamkeit.

(Der Handlungshaltende nimmt aus/von der Hand der Frau "ihren" Ring
[den in Zukunft der Mann tragen wird] und legt ihn auf den Tisch vor dem Mann nieder.
Entsprechend geschieht es mit dem Ring des Mannes.
Oder die Ringe liegen auf dem Tisch und werden von dort genommen.
Alles geschieht vor dem Bilde Christi.)

Es rundet der Ring
Die Ecken des Lebens.
Es fasset der Ring
Das Weben des Seins.
Im Ringe lebet,
Was aus dem Einzelnen
Sich schließet zum Ganzen.

Nimm hin
(Der Ring des Mannes wird der Frau angesteckt. 2))

Den Ring
Des Kräfteschließens,
Des Herzenbindens.

Nimm hin
(Der Ring der Frau wird dem Mann angesteckt. 2))

Den Ring
Des Kräfteschließens,
Des Herzenbindens.


(Es werden die zwei Stäbe mit einem roten Band zu einem Kreuz verknotet.
Der Handlungshaltende hält dieses Kreuz den zu Trauenden vor.)

Es bindet sich
Was getrennt,
Es leuchtet Geistgebund'nes
In Seelenreichen
Zu des Lebens Gemeinsamkeit.
Es schaut eines Gottes Geist
Auf die Bindung
Des Getrennten
Zum Einenden.

2 ) s.u.


Du, Vor- und bisheriger Nachname Mann
Leuchte ihr Vor- und bisheriger Nachname Frau
Voran mit dem Lichte,
Das der Wieder-Erstandene

(Der Handlungshaltende weist nach dem Bilde Christi.)

In deinem Geiste leuchten lässt.

Du, Vor- und bisheriger Nachname Frau
Folge ihm Vor- und bisheriger Nachname Mann
In dem Lichte,
Das der Wieder-Erstandene

(Der Handlungshaltende weist nach dem Bilde Christi.)

In deiner Seele leuchten lässt.



( Mögliche ANSPRACHE für das Brautpaar: )
Liebes Brautpaar, . . .

Ja, so sei es. 1)



Unter Christi Augen,
In Geistes Webe-Welten
Hat gesegnet
Des Wortes Kraft
Die Lebens-Gemeinsamkeit;
Wir alle
Wollen bewahren
Die Siegelkraft
Des Wortes,
Das gesegnet hat
Was Seelen wollen
In Wesenseinigkeit.

Über dem Schicksal
Von Vorname Mann und Vorname Frau *
zukünftiger Familiennamen


Walte Gottes segnende Macht,
Wirke Christi helfende Kraft,
Leuchte Geistes strahlendes Licht.
Aus Gottes Welten
Kamen eure Seelen;
Sie fanden sich
Im Erdensein.

Geisteslicht
Leuchte
Ihrem Erdendenken,
Seelenwärme
Strahle
Ihrem Erdenfühlen,

Herzensinnigkeit
Krafte
Ihrem Erdenwollen
Zu ihrem Lebensglücke,
Zu der ganzen Menschheit
Heil und Glücke.

(Segnung:
Der Handlungshaltende hebt beide Hände nach hoch oben über die Häupter der zu Trauenden,
dann lässt er sie herabsinken bis zu deren Kopfhöhe, nach vorne im Ellenbogen gebeugt
und führt sie dann zurück vor die eigene Brust, bis sie dort kreuzweise zum aufliegen kommen;
dann löst er die Geste wieder.)

Ja, so sei es.

Amen!










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Original Rudolf Steiner,
Frühjahr 1922 an Wilhelm Ruhtenberg.
Handlungsanweisungen sinngemäß R. Steiners und gemäß der aktuellen Praxis: FCAG.
Freie christliche Arbeits-Gemeinschaft, Stand 2003.


1) Nicht in der Originalhandschrift Steiners, in der CG üblich.

Siehe Text u.a. auch:
GA 345 (1994), S. 146-157, handschriftliches Original (Faksimile).

* Die maskuline / feminine Reihenfolge sollte auch tauschbar sein, also statt
Mann à Frau = Frau à Mann ( FCAG)

Das Bild des Christus (für den Tisch) lasse man von den Brautleuten wählen
(und könnte nach der Trauung mitgenommen werden, ebenso die zwei Stäbe
(von einem Baum/Rose, etc. wozu eine besondere Beziehung besteht...).
Entsprechend der gewollten Bedeutung und Wirkung ist auch wählbar,
ob der Handlungshaltende die Ringe dem Brautpaar ansteckt, oder das Paar dies selbst vollzieht. (FCAG)

Es kann eine Traubescheinigung ausgestellt werden. Muster bei der FCAG erhältlich.







Fragen zur Trauung heute

Bestimmte "missverständliche" Textgestalten in der Fassung des Traurituals durch Rudolf Steiner, wie z.B. "der Mann leuchte voran, die Frau folge", verlangen im Lichte zeitgenössisch emanzipatorischer Entwicklungen eine anthroposophisch schlüssige Erläuterung.

Selbstverständlich ist damit nicht die soziale, geistige, spirituelle Unterdrückung der Frau gemeint! Mit seinen Formulierungen weist Rudolf Steiner auf eine höhere Realität hin: Als Geistwesen, als ICH sind wir geschlechtlich neutrale Wesen, tragen beide Seiten in uns; nur hier auf Erden sind wir - abwechselnd! - Mann und Frau und damit in unserer Zweigeschlechtlichkeit immer einseitig.
(Siehe Rudolf Steiner, GA 93, Vortrag vom 23..10.1905 : [Zur Tempellegende und dem Sinn und Ziel der Entwicklung von der Eingeschlechtlichkeit über die Zweigeschlechtlichkeit zum allgemein Menschheitlichen.])

Der Trau-Kultus weist uns auf die anzustrebende Harmonie der Ganzheit hin. Den ganzheitlichen, höheren Menschen so zu entwickeln, dass der physische Plan keinen Einfluss mehr hat, das ist der Zweck der Zweigeschlechtlichkeit.
Das ‘Voranleuchten’ hat mit dem "männlichen" Ideal des Geistes, das ‘Folgen’ mit dem "weiblichen" Ideal des Seelischen zu tun, jedoch nichts mit der momentanen biologischen Verfasstheit. In 'Seinem Licht' und Seiner Liebe kann unsere gegenwärtige Einseitigkeit ERgänzung finden, indem auch die jeweils andere Qualität errungen wird und damit die Harmonie, das Gleichgewicht, das Allgemein-Menschliche. Die Ehe weist eben weit hinaus in künftige Entwicklungserfordernisse, wo die Zweigeschlechtlichkeit geistig-seelisch über alles biologisch Existierende hinausgehend in das Geist-Zeugende führen will. ...

Wer sich dieser Argumentation nicht anschließen möchte, dem könnten die zwei Alternativen (siehe S. 228 & S. 231) als Anregung zu eigenem Forschen bzw. als Alternative dienen. Welcher Text aber letztendlich für das suchende Paar das Mögliche und Entsprechende ist, muss grundsätzlich - das gilt für alle "freien" Sakramente - jeweils gemeinsam mit allen am Sakrament Beteiligten direkt und selbst erarbeitet und erlauscht und - ggf. dann auch ganz anders
( individuell ! ) - formuliert werden.

Literaturhinweis: Wolfgang Gädeke, «Warum Ehen scheitern», Urachhaus-Verlag










Die Erinnerungs-Trauung

Immer wieder möchten Ehepaare den Traukultus nach einer gewissen Zeit wiederholen: z.B. zur «Silbernen -, Goldenen - Hochzeit».

Dabei müssen nicht die üblichen (5er, 10er) Rhythmen bestimmend sein;
bedeutender für den menschlichen Lebenslauf ist z.B. der 7er-Rhythmus.
Doch, der von Rudolf Steiner vermittelte Text spricht nur vom ersten Mal...
Verschiedene Stellen passen nicht mehr / entsprechen nicht der Situation eines langjährig verheirateten Paares.
Alles was also auf den Neubeginn hinweist, wie z.B. «Sich verbinden wollen zum heiligen Ehebund» oder «Es bindet sich was getrennt» (sie sind ja bereits verbunden, bzw. seit der Heirat nicht mehr getrennt) ist keine Tatsache, keine Wahrheit mehr; diese Begriffe müssen - um wahr zu sein - ersetzt werden.

Unser Arbeitskreis hat auch dazu Überlegungen angestellt und einen Versuch eines Textes vorgelegt, der sich möglichst eng am Text Rudolf Steiners für die erste Trauung hält.



Lebenslänglich?

Darf nach einer Scheidung ein anderer Mensch geheiratet und dann nochmals getraut werden ? Ist das Trausakrament ein einmaliges, die Ehe "lebenslang" ?



Lebenspartnerschaft

Und wie gehen wir mit der gleichgeschlechtlichen, «eingetragenen Lebenspartnerschaft» um ? Wer hat hier über eine Trauung zu entscheiden ?

Hier soll keine dogmatische, ablehnende Position bezogen werden, denn:
...wer in der Liebe ist, der ist in Gott !
All solche Anfragen sind unvoreingenommen, ganz individuell zu klären !