DAS EVANGELIUM

für die Opferfeier
in der festeslosen Zeit

Der Prolog des Johannes-Evangeliums


Übersetzung durch Rudolf Steiner (1906)
(Text siehe auch GA 269 [1997], S.83 und Vers 1-18, GA 344 [1994], S.54-55.)


Im Urbeginne war das Wort; und das Wort war bei Gott,
und ein Gott war das Wort.
Dieses war im Urbeginne bei Gott.
Alles ist durch dasselbe geworden, und außer durch dieses
ist nichts von dem Entstandenen geworden.
In diesem war das Leben,
und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht schien in die Finsternis,
aber die Finsternis hat es nicht begriffen.
Es war ein Mensch, gesandt von Gott,
mit seinem Namen Johannes.
Dieser kam zum Zeugnis, auf dass er Zeugnis ablege
von dem Licht, auf dass durch ihn alle glauben sollten.
Er war nicht das Licht, sondern ein Zeuge des Lichtes.
Denn das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet,
sollte in die Welt kommen.
Es war in der Welt, und die Welt ist durch es geworden,
aber die Welt hat es nicht erkannt.

Bis zu den Ich-Menschen kam es;
aber die Ich-Menschen nahmen es nicht auf.
Die es aber aufnahmen,
die konnten sich durch ihn als Gottes Kinder offenbaren.
Die seinem Namen vertrauten, sind nicht aus Blut,
nicht aus dem Willen des Fleisches geworden,
und nicht aus menschlichem Willen
- sondern aus Gott geworden.
Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnet,
und wir haben seine Lehre gehöret,
die Lehre von dem einigen Sohn des Vaters,
erfüllt von Hingabe und Wahrheit.

Johannes legt Zeugnis für ihn ab und verkündet deutlich:
Dieser war es, von dem ich sagte:
Nach mir wird derjenige kommen, der vor mir gewesen ist.
Denn er ist mein Vorgänger.
Denn aus dessen Fülle haben wir alle genommen
Gnade über Gnade.
Denn das Gesetz ist durch Moses gegeben,
die Gnade und die Wahrheit aber
sind durch Christus entstanden.
Gott hat niemand bisher mit Augen geschaut.
Der eingeborene Sohn,
der im Innern des Weltenvaters war,
er ist der Führer in diesem Schauen geworden.






Das Vaterunser

Vater unser,
der Du bist in den Himmeln ,
Geheiligt werde Dein Name, (Geistselbst)
Dein Reich komme, (Lebensgeist)
Dein Wille geschehe, (Geistesmensch)
wie im Himmel, so auf Erden .
Unser tägliches Brot gib uns heute, (Physischer Leib)
Und vergib uns unsere Schulden, (Ätherleib)
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern,
Und führe uns nicht in Versuchung, (Astralleib)
sondern erlöse uns von dem Bösen. (Ich)

Denn Dein
ist das Reich
und die Kraft
und die Herrlichkeit
- in Ewigkeit.

Amen!







Eine Kinderhandlung



Eine Sonntags-Kinder-Feier

Für den Sonntagmorgen - direkt nach dem Frühstück, bevor man zu den Sonntagsaktivitäten loszieht - ist eine alternative Sonntagsfeier für die Kleinen der Unterstufe, wenn keine Sonntagshandlung in der Waldorfschule stattfindet, besonders angebracht, wobei die Eltern und wer möchte mit teilnehmen (bzw. einer der Eltern die Handlung vorbereitet und hält).
Diese kann in vielfältigster Weise gestaltet werden, hier ein Beispiel aus der Praxis (FCAG):

Zur Gestaltung des Raumes: Man nimmt einen kleinen (runden) Tisch, bedeckt ihn mit einer roten Tischdecke, stellt darauf einen Kerzenständer (mehrarmig), legt Streichhölzer und Kerzenlöscher bereit (hinter den Kerzenständer), platziert einen kleinen, selbststehenden Bilderrahmen mit einem Christusbild davor und dazu die Kultustexte (bzw. dieses Kultushandbuch) und die Bibel (bzw. das Perikopenbuch). Die Kinder werden ins Zimmer hereingeholt, sie setzen sich vor den Tisch, die Kerzen werden entzündet, das Buch aufgenommen. Zum Beginn stehen alle wieder auf.





Im hellen Sonnenlichte,
Das Kraft der Erde bringt;
Im grünen Pflanzenwesen,
Das aus den Tiefen dringt,
Und auch in Weltenweiten,
Die Sternen Wohnung geben,
Und in dem Menschenauge,
Wo Sinneskräfte weben:
Da ahn' ich Gotteswalten,
Das mir im Geist erscheinet,
Mit dem in Seelengründen
Mein ganzes Sein sich einet;
Dass so selbst Geist ich werde
Als Mensch im Stoff der Erde.

( Rudolf Steiner, GA 269, S.201.
Spruch für den Beginn des freien christlichen Religionsunterrichtes. )



Nun liest man das

EVANGELIUM

(Siehe die Perikopenordnung)



Als Abschlusssegen:

Gottes schützender segnender Strahl
Erfülle meine wachsende Seele,
Dass sie ergreifen kann
Stärkende Kräfte allüberall.
Geloben will sie sich,
Der Liebe Macht in sich
Lebensvoll zu erwecken,
Und sehen so Gottes Kraft
Auf ihrem Lebenspfade
Und wirken in Gottes Sinn
Mit allem, was sie hat.

( Rudolf Steiner, 31.3.1910, Wien )



Zum Abschluss kann ein Lied - entsprechend der Festzeit - gesungen werden.

Die Kerzen werden gelöscht und alle verlassen den Raum.



(VDL)