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Und die soziale Tätigkeit
wird eine Opferweihehandlung,
sie setzt das fort,
was die alte Kultushandlung war.

Rudolf Steiner






Zwischenstation


«Für den, der alles von Gott her betrachtet, ist die ganze Welt ein großes Sakrament.
Jedes einzelne Ding und jedes geschichtliche Ereignis wird zu einem Sakrament Gottes und seines göttlichen Willens. Dies jedoch ist nur möglich für den, der Gott wirklich erlebt. Anderenfalls bleibt die Welt eine undurchsichtige Größe und eine rein im-manente Wirklichkeit. In dem Maße jedoch, in dem sich jemand - unter Mühen und Kämpfen - von Gott erfassen und durchdringen läßt, wird er beschenkt mit der Erfahrung der göttlichen Trans-parenz aller Dinge.»
(Leonardo Boff, «Kleine Sakramentenlehre», S.46)


Sind somit letztlich nicht auch alle Kulthandlungen "nur" Zwischenstationen, Krücken;
die uns allerdings gehen lassen, die wir aber irgendwann nicht mehr brauchen, wenn wir wieder gesunden, von der "Sündenkrankeit" unserer spirituellen Umnachtung geheilt, ER-leuchtet werden, IHM direkt und im DU und der ganzen Geistigen Welt im Denken, Fühlen und Wollen und damit letztlich "überall" begegnen und so zu einer gelebten Anthroposophie, zu einer Sakramentalisierung, Durchchristung des (zunächst teilweise und dann aber) gesamten Lebens kommen, das dann auch ganz neue Christen-Liebe-Gemeinschaften bildet ... ? :
(nochmals:)


«Alle freie Religiosität, die sich in der Zukunft innerhalb der Menschheit entwickeln wird, wird darauf beruhen, dass in jedem Menschen das Ebenbild der Gottheit wirklich in unmittelbarer Lebenspraxis, nicht bloß in der Theorie, anerkannt werde. Dann wird es keinen Religionszwang geben können, dann wird es keinen Religionszwang zu geben brauchen, denn dann wird die Begegnung jedes Menschen mit jedem Menschen von vornherein eine religiöse Handlung, ein Sakrament sein, und niemand wird eine besondere Kirche, die äußere Einrichtungen auf dem physischen Plan hat, nötig haben, das religiöse Leben aufrechtzuerhalten. Die Kirche kann, wenn sie sich richtig versteht, nur die eine Absicht haben, sich unnötig zu machen auf dem physischen Plane, indem das ganze Leben zum Ausdruck des Übersinnlichen gemacht wird.»
(Rudolf Steiner, «Was tut der Engel in unserem Astralleib?...», 9.10.1918)

«Dass fortan alle Symbole und kultischen Handlungen nur dann zu Recht bestehen, wenn sie von der wachen, bewussten Erkenntnis erhellt und entsiegelt werden. Dieser Weg nach Christus geht von der Erkenntnissphäre des Hauptes in die versiegelten und verhüllten Seelengründe, er führt über das Herz bis in die Willenstiefen.»
(Fred Poeppig, «Hat der Kultus heute noch eine Bedeutung?»)

Wie drastisch sich die Möglichkeiten geändert haben, zeigt die Frage Friedrich Rittelmeyers: «Ist es nicht auch möglich, Leib und Blut Christi zu empfangen o h n e Brot und Wein, nur in der Meditation ?» und die Antwort Steiners: «Das ist möglich. Vom Rücken der Zunge an ist es d a s s e l b e »
(GA 265, S.27.)

So können die in uns lebenden meditativen Gedanken «eben dasselbe sein, nur von innen heraus, wie es das Zeichen des Abendmahls - das geweihte Brot - von außen gewesen» ist.
(Rudolf Steiner, 13.10.1911, GA 131, S.204.)

Wir schreiten also fort :

«Die Erkenntnis ist die geistige Kommunion der Menschheit. -

Ich weiß nicht, wie viele die ganze kulturhistorische Bedeutung dieses Wortes ... verstanden haben. Denn in diesem Satze war gegeben die Hinlenkung der materialistischen Auffassung der Gottgemeinschaft zu einer spirituellen Auffassung der Gottgemeinschaft: die Umwandlung des Brotes in die Seelensubstanz des Erkennens.»
(Rudolf Steiner, GA 198/16)

«Die Objekte des Denkens sind aber die Ideen. Indem sich das Denken der Idee bemächtigt, verschmilzt es mit dem Urgrunde des Weltendaseins; das, was außen wirkt, tritt in den Geist des Menschen ein: er wird mit der objektiven Wirklichkeit auf ihrer höchsten Potenz eins.
Das Gewahrwerden der Idee in der Wirklichkeit
ist die wahre Kommunion des Menschen.
»
(Rudolf Steiner, GA 1b, Vorrede)

«So ist spirituelle Erkenntnis eine wirkliche Kommunion,
der Beginn eines der Menschheit der Gegenwart
gemäßen kosmischen Kultus.
»
(Rudolf Steiner, GA 219/12)

«So beginnt Anthroposophie überall mit Wissenschaft, belebt ihre Vorstellungen künstlerisch und endet mit religiöser Vertiefung; beginnt mit dem, was der Kopf erfassen kann, geht heran an dasjenige, was im weitesten Umfange das Wort gestalten kann und endet mit dem, was das Herz mit Wärme durchtränkt und das Herz in die Sicherheit führt, auf dass des Menschen Seele sich finden kann zu allen Zeiten in seiner eigentlichen Heimat, im Geistesreich. So sollen wir auf dem Wege der Anthroposophie ausgehen lernen von der Erkenntnis, uns erheben zur Kunst und endigen in religiöser Innigkeit.»
(Rudolf Steiner, GA 257/2.)

«Wir beginnen das erste Verständnis für die geistige Welt erst zu entwickeln, wenn wir am Seelisch-Geistigen des anderen Menschen erwachen. Dann beginnt erst das wirkliche Verständnis für Anthroposophie. Ja, es obliegt uns, auszugehen von jenem Zustande für das wirkliche Verständnis der Anthroposophie, den man nennen kann: Erwachen des Menschen an dem Geistig-Seelischen des anderen Menschen.»
(Rudolf Steiner, GA 257/6, S.116.)

Hier «muss seelische Harmonie sich entwickeln, die durch die Sache selbst gefordert wird: wenn jeder Mensch für sich handelt, so entstehen Disharmonien. Wenn auf unserem Gebiet die einzelnen Menschen, die aus diesem oder jenem heraus wirken, nicht zusammengehen, sich nicht zusammenfinden, so entsteht gar nicht Anthroposophie innerhalb der Menschheit. Anthroposophie erfordert als Sache wirklich menschliche Brüderlichkeit bis in die tiefsten Tiefen der Seele hinein. Sonst kann man sagen: ein Gebot ist die Wirklichkeit. Bei Anthroposophie muss man sagen: sie wächst nur auf dem Boden der Brüderlichkeit; sie kann gar nicht anders erwachsen als in der Brüderlichkeit, die aus der Sache kommt, wo der Einzelne dem Anderen das gibt, was er hat und was er kann.»
(Rudolf Steiner, 11.6.1922, Wien, GA 211.)

«Dadurch, dass die Menschen freiwillig ihre Gefühle zusammenstrahlen lassen, wird wiederum etwas über den bloß emanzipierten Menschen hinaus gebildet. Der emanzipierte Mensch hat seine individuelle Seele. ... Aber dadurch, dass die Menschen sich in freiwilligen Zusammenhängen zusammenfinden, gruppieren sie sich um Mittelpunkte herum. Die Gefühle, die so zu einem Mittelpunkt zusammenströmen, geben nun wiederum Wesenheiten Veranlassung, wie eine Art von Gruppenseele zu wirken. ... Alle früheren Gruppenseelen waren Wesenheiten, die den Menschen unfrei machten. Diese neuen Wesenheiten aber sind vereinbar mit der völligen Freiheit und Individualität der Menschen.»
(Rudolf Steiner, 1.6.1908, GA 102.)

«Deshalb dürfen wir dasjenige, was er als Anthroposophie offenbart, als eine wirkliche Christus-Offenbarung aufnehmen. Oft, meine lieben Freunde, werde ich gefragt von unseren Mitgliedern: Wie setze ich mich in Verbindung mit dem Christus? - Es ist eine naive Frage! Denn alles, was wir anstreben können, jede Zeile, die wir lesen aus unserer anthroposophischen Wissenschaft, ist ein Sich-in-Beziehung-Setzen zu dem Christus. Wir tun gewissermaßen gar nichts anderes.»
(Rudolf Steiner, «Weltwesen und Ichheit», GA 169/2, S.44.)

«Diese anthroposophische Bewegung ist nicht ein Erdendienst,
diese anthroposophische Bewegung ist in ihrer Ganzheit
mit all ihren Einzelheiten ein Götter-, ein Gottesdienst.
Und die richtige Stimmung für sie treffen wir,
wenn wir sie ansehen in ihrer Gänze als einen solchen Gottesdienst.»
(Rudolf Steiner, 24.12.23, GA 260.)





lebendiger Geist








Anthroposophie umfasst das ganze Leben, denn sie dringt in allem zu dem Geist-Ursprung vor.
Hier müssen wir viele individuelle Wege und Möglichkeiten zulassen, die dem Entwicklungsstand des Suchenden entsprechen.
So wird deutlich, dass es auch im religiösen, kultisch gestalteten Leben nicht nur einen Weg geben kann !
Auch die Kultus-Form muss dauernd be- und erarbeitet, behauen und geformt werden, bis letztlich ER immer vollkommener herausgearbeitet in und vor uns steht...

Das gilt dann natürlich nicht nur für die Forderung in (ferner??) Zukunft die ganze Anthroposophie als Gottesdienst zu verstehen und zu leben, sondern auch und konkret für die heute bestehenden Kultustexte- und -formen und -inhalte !
Und so kann auch nur der Aufruf sein:
Lasst doch den Geist wehen wo und wie ER will !
Habt den Mut Euch so zu Ihm zu wenden, wie Er sich in Eurem Herzen ausspricht, wie Euer Herz Ihm antwortet, wie Euer ganz spezifischer Zugang zu Ihm ist!
Gestaltet Eure liturgischen Zuwendungen zu IHM individuell wahrhaftig und somit wirksam; veranstaltet keine "Show", nur weil es schon immer so gemacht wurde, nur weil irgendwelche "Autoritäten" es anders meinen und wollen und eben auch selbst nicht anders können, nicht die "Blinden" sollen Eure Führer sein, sondern das eigene fühlend-sehende Herz, denn wenn Euer Herz sich dabei nicht öffnet, bleibt die Tür für Ihn zu ...

So ist auch die Anfang des letzten Jahrhunderts gegebene ER-Fassungen des Zentralsakramentes durch Rudolf Steiner sicherlich von höchstem Wert, aber muss auch im historischen und individuellen Kontext gesehen werden und vor allem lebendig sein.
«Aus dem Ernst der Zeit, muss geboren werden der Mut zur Tat!»
(Rudolf Steiner)
Sich dem Gegenwärtigen zu öffnen, der alle Tage bei uns ist und sich jederzeit offenbaren kann und wird, ist die Forderung in allen Lebensbereichen. Stillstand kann es im Geistigen nicht geben. Deshalb forderte Rudolf Steiner auch für das damalig gegebene Zentralsakrament «Opferfeier», dieses «fortzusetzen in Inhalt und Form» ...
Natürlich, solange uns diese "Krücken" noch dienen können - und das werden sie Vielen noch lange, lange können - ist dieser Weg gangbar und richtig, aber er darf nicht "ver-steinern", dogmatisiert werden...
An allem Anfang steht die schützend leitende Hand der Eltern, aber irgendwann müssen wir selbst gehen lernen und können und unseren Weg - mit unseren gleichgesinnten Freunden ["in Gemeinschaft"] - selbst ergreifen und formen und leben...
So sieht das auch Rudolf Steiner für den freien christlichen Impuls:

«Nehmen Sie auch so etwas als einen Anfang hin,
und wissen Sie, dass da, wo man in ehrlicher Weise
einen solchen Anfang will,
sich schon auch die Kräfte finden werden zur Verbesserung
desjenigen, was in einem solchen Anfange gegeben werden kann. ...
Es wird Ihnen aber gerade an diesem Beispiel klar sein können,
wie überall eben aus dem Lebendigen heraus
das Kultusartige gesucht werden muss. ...
Etwas Prinzipielles kann es im Leben der Welt überhaupt nicht geben,
sondern es kann nur das sich in Leben Wandelnde geben.
Das darf man nicht als eine Inkonsequenz betrachten,
sondern als eine Forderung des Lebens selbst.»
(Rudolf Steiner, GA 269, S.37)








Siehe die Thematik auch in : Stufen - letztlich !
Siehe weiter : Schale ERbilden .
Siehe auch : Anthroposophie .
Siehe auch : überall .





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